Nachwuchsgruppe Rehaforschung

In Kooperation mit der DRV Bremen-Oldenburg wird zum 01.11.2016 die Nachwuchsgruppe Rehaforschung eingerichtet werden.

Die Nachwuchsgruppe wird Schwerpunkte in der Teilhabeforschung, Versorgungsforschung und der gesundheitspsychologischen Forschung setzen:

In der Teilhabeforschung werden die Bedingungen für selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilhabe in der Gesellschaft analysiert. Dabei spielen die subjektiven Sichtweisen der Betroffenen und ihre Lebenswelt eine entscheidende Rolle. Das Thema gewinnt nicht nur in den Rehabilitationswissenschaften zunehmend an Bedeutung, wie sich in dem interdisziplinären Aktionsbündnis Teilhabeforschung widerspiegelt.
     Ein Bezugsmodell für die Teilhabeforschung ist die ICF. Mit ihrem bio-psycho-sozialen Modell von Gesundheit und Krankheit werden Wechselwirkungen zwischen Funktionsfähigkeit (Körperfunktionen und -strukturen, Aktivitäten und Teilhabe) und Kontextfaktoren (Umweltfaktoren, personbezogene Faktoren) beschrieben. So können sich Kontextfaktoren positiv (Förderfaktoren, z.B. soziale Unterstützung) oder negativ (Barrieren, z.B. unangemessene Arbeitsplatzgestaltung) auf die soziale und berufliche Teilhabe auswirken. Methodisch ist besonders die Erfassung von Teilhabe und die Verbesserung bestehender Messinstrumente ein wichtiges Anliegen. Außerdem fehlt es in bisherigen Untersuchungen an einer systematischen Berücksichtigung der Kontextfaktoren. Zum Beispiel sind für die Wiederherstellung der beruflichen Teilhabe die Bedingungen am Arbeitsplatz und damit auch Merkmale des Arbeitsplatzes stärker zu berücksichtigen. Untersuchungen, die die Lebenswelt von Versicherten analysieren und daraus Rehabilitationskonzepte weiterentwickeln und neue Ideen für die Rehabilitation ableiten, sollen durch die Nachwuchsgruppe Rehabilitationswissenschaften etabliert werden.
     Eine weitere elementare Zielsetzung der Teilhabeforschung ist die Orientierung an den subjektiven Sichtweisen und Präferenzen von Betroffenen. Dazu gehört nicht nur die Konsultation von Betroffenen, wie sie zum Beispiel durch Fokusgruppenbefragungen oder think aloud-Interviews bei der Entwicklung von Fragebögen umgesetzt wird. Es ist zum einen der Einfluss der Betroffenen auf ihre eigene Rehabilitation zu stärken. Untersuchungen, die die Vorstellungen von Versicherten einbeziehen, können zu einer stärkeren Orientierung der Rehabilitation an den Bedürfnissen der RehabilitandInnen führen und wertvolle Hinweise für eine Ausgestaltung von Rehabilitationsangeboten geben. Zum anderen ist die aktive Beteiligung von Betroffenen selbst an verschiedenen Phasen des Forschungsprozesses zu forcieren. Auch hier wird angestrebt, Beteiligungsformen zu pilotieren und partizipative Forschungsansätze zu implementieren.

Die Versorgungsforschung bildet einen weiteren Schwerpunkt der Nachwuchsgruppe. Bisher wenig erforscht wurde die Inanspruchnahme von Rehabilitationsbehandlungen. Das Behavioral Model of Health Services Use ist ein in der Versorgungsforschung etabliertes Modell. Es expliziert den Prozess der Inanspruchnahme und beschreibt verschiedene Determinanten für die Nutzung des Versorgungssystems und gesundheitsbezogene Outcomes. Auf dieser Basis ist eine Analyse bisher nicht durch die Rehabilitation erreichter Zielgruppen möglich. Barrieren für die Inanspruchnahme sollten genauer untersucht werden. Aber nicht nur quantitative, auch qualitative Methoden können dabei helfen, die Einstellungen zu Rehabilitationsangeboten in diesen Zielgruppen zu untersuchen. Weitere Fragestellungen für die Versorgungsforschung ergeben sich bei Betrachtung der Schnittstellen: Die frühzeitige Erkennung von Rehabilitationsbedarf erfordert eine Zusammenarbeit von Betroffenen, Haus- und Betriebsärzten sowie der Rentenversicherung. Eine Analyse dieser Schnittstellen kann Versorgungsdefizite aufdecken. Zentrale Fragen beziehen sich auf das Erkennen des Bedarfs und die Gründe für die Nichtinanspruchnahme von Rehabilitationsangeboten.

Gesundheitspsychologische Konzepte wie Motivation, Lebensstiländerung, Krankheitsvorstellungen und Selbstmanagement sind in den Rehabilitationswissenschaften von besonderer Bedeutung. Ein zentrales Forschungsthema wird das Konzept der Krankheitsvorstellungen, das mit der Bewältigung (chronischer) Erkrankungen zusammenhängt, sein. Die Verbesserung von Messinstrumenten zu Krankheitsursachen und Behandlungsvorstellungen ist eine Voraussetzung für weitere Arbeiten. Strategien, wie diese subjektiven Sichtweisen in der Vorbereitung auf, aber auch während der Rehabilitationsbehandlung berücksichtigt werden können, sollen in der Nachwuchsgruppe entwickelt werden. Weiterhin sind gesundheitspsychologische Modelle auch für die Aufrechterhaltung des Rehabilitationserfolgs relevant. Besonders nach stationärer Rehabilitation ist zu untersuchen, wie eine Lebensstiländerung dauerhaft umgesetzt werden kann. Angebote zur Nachsorge wie IRENA werden nur selektiv genutzt, so dass hier verstärkt auch niedrigschwelligere Angebote entwickelt werden sollten. Die Bereitstellung von telefonischer Nachsorge, Internetportalen und Apps können sinnvolle Ergänzungen sein und sollten systematisch evaluiert werden.

 

 

 

Leiterin der Abteilung

Dr. Anna Levke Brütt

Kontakt

Ansprechpartnerin:
Dr. Anna Levke Brütt
rehaforschung(at)uni-oldenburg.de
+49 (441) 798 - 2633

Nachwuchsgruppe Rehaforschung
Department für Versorgungsforschung
Fakultät für Medizin und Gesundheitswissenschaften
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Postanschrift:
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
26111 Oldenburg

Besucheranschrift:
Campus Haarentor, Gebäude V04
Ammerländer Heerstraße 140
26129 Oldenburg