Wahlprogramm der Liste
Universität im Umbruch

Wahlen zum Senat der Carl von Ossietzky Universität 2017

 

Ehrliche Bilanzierung  anstatt Produktion von Erfolgseuphorie

Im Rahmen des 40jährigen Jubiläums der Universität wurde diese mit Werten ihres Namensgebers wie Freiheit, Menschlichkeit, Solidarität und Verantwortung assoziiert. Doch wird die Universität diesem Ruf heute gerecht und können die neuen Steuerungsmodelle diesen Werten im universitären Alltag dienen?

Der Blick auf die Vielfalt der Aufgaben einer Universität wird allzu oft verengt auf den Erfolg im Wettbewerb um fächerübergreifende Exzellenzcluster, Sonderforschungsbereiche, Forschergruppen und Graduiertenkollegs. Kritische Stimmen gegen diese verengte Perspektive sehen sich durch die Geringschätzung vieler anderer wichtiger wissenschaftlicher Leistungen, die in vielen Fachkulturen (nicht selten kleiner Fachgebiete) bedeutsam sind (Verfassen von Monographien, Organisation von Tagungen und Kongressen, Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, neuartige Kooperationen mit Praxispartnern, transdisziplinäre Forschung...), erschwerten Artikulationsbedingungen gegenüber. Die kritische Auseinandersetzung mit dem Kurs der Universitäten in der Bundesrepublik Deutschland und insbesondere unserer Carl von Ossietzky Universität ist für die Liste Universität im Umbruch daher dringend geboten.

 

Universitäre Beteiligung an der Gestaltung der gesellschaftlichen Zukunft

Die Wirkkraft und der Einfluss einer Universität bemisst sich nicht nur an ihrer Selbstbehauptung im akademischen Wettbewerb, sondern auch an ihrer Sensibilität für und Bearbeitung von Zukunfts- und Menschheitsfragen. Technische Lösungen allein reichen dafür nicht aus. Wenn sich ein strategisches Berufungsmanagement primär an Drittmittelpotentialen orientiert, droht diese Sensibilität einschließlich ihrer emanzipatorisch-kritischen Potentiale (für die die Uni Oldenburg seit ihrer Gründungsphase steht) auf der Strecke zu bleiben.

 

Erfolgreiche Entwicklung der EMS nicht auf Kosten der Gesamtuniversität

Die Liste Universität im Umbruch plädiert dafür, die weitere Entwicklung der medizinischen Fakultät und die mit ihr verbundenen großen Hoffnungen in der Region mit Blick auf die medizinische Versorgung verantwortlich zu gestalten und weiter mit den anderen Fächern der Universität zu verknüpfen. Die disziplinäre Vielfalt der Universität darf jedoch nicht zugunsten einer Profilierung der Medizin und Gesundheitswissenschaften eingeschränkt werden. Die Ressourcen und Entwicklungsperspektiven der übrigen Fakultäten und wissenschaftlichen Disziplinen dürfen nicht gefährdet werden.

 

Mehr strukturelle und öffentliche Aufmerksamkeit für die Lehrerbildung

Die meisten Studierenden der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg sind in den Zwei-Fach-Bachelor-Studiengängen und im Master of Education eingeschrieben. Die Liste Universität im Umbruch tritt für eine Lehrer/innen-Bildung ein, die nicht auf die Vermittlung fachdidaktischer Kompetenzen beschränkt bleibt, sondern darüber hinaus Inhalte und Wissen vermittelt, deren Aneignung es zukünftigen Lehrer/innen ermöglicht, begrifflich-theoretisch sowie methodisch "größere" (historische, gesellschaftliche) Zusammenhänge ihres institutionalisierten Handelns kritisch in den Blick zu nehmen. Die Oldenburger Lehrer/innen-Bildung genießt bundesweit einen guten Ruf. Die Liste Universität im Umbruch setzt sich dafür ein, diesem Ruf und damit auch der immer größer werdenden gesamtgesellschaftlichen Relevanz von schulischer Bildung und der Lehrerbildung durch eine entsprechende Wertschätzung und Außendarstellung der Lehramtsstudierenden und der in diesem Bereich engagierten Hochschullehrer/innen gerecht zu werden.

 

Profilierung anstatt Prekarisierung des akademischen Mittelbaus

Für die Liste Universität im Umbruch sind die jüngsten Erfolge und die steigenden Drittmittelzuweisungen unserer Universität ohne den Einsatz des wissenschaftlichen Nachwuchses nicht denkbar. Sie wehrt sich dagegen, Studium und Lehre in den stark nachgefragten Studiengängen, wie z.B. den Lehrämtern, zu Lasten des wissenschaftlichen Nachwuchses zu organisieren. Alle Wissenschaftler/innen sollen forschungsorientiert lehren können und eine wissenschaftliche Perspektive jenseits einer im Grundsatz inakzeptablen Beschäftigung als Billig-Lehrkraft haben. Die Liste Universität im Umbruch tritt der Prekarisierung des Mittelbaus entgegen. Sie fordert daher eine grundlegende Aufwertung und Stärkung des Mittelbaus: Bei Qualifikationsstellen darf das Qualifikationsziel nicht gegenüber anderen Dienstaufgaben in den Hintergrund treten; für Daueraufgaben in Lehre und Forschung müssen vermehrt unbefristete Stellen auf Mittelbauebene eingerichtet werden.

 

Der Senat soll zentrales hochschulpolitisches Gremium sein

Die Debattenkultur des Senats befindet sich aufgrund immer restriktiverer Vorgaben von Land und Präsidium in einer andauernden Krise. Der Senat muss wieder zum zentralen hochschulpolitischem Gremium für die Profilbildung und den weiteren Ausbau der Universität werden. Kontroverse Positionen sind dabei von besonderer Bedeutung, um die zukünftige Richtung der Entwicklung der Universität auszuhandeln und um – darüber hinaus im Sinne eines Frühwarnsystems – auf mögliche Probleme und Fehlentwicklungen aufmerksam machen zu können und gemeinsam neue Akzente zu setzen. Die Liste Universität im Umbruch setzt sich für die Beteiligung aller Statusgruppen an dieser Universität an wichtigen Entscheidungen, für die Förderung eines universitären Klimas, das es ermöglicht, kritische Argumente einzubringen, ohne mit persönlicher Abwertung und Ausgrenzung rechnen zu müssen, für Transparenz in allen wesentlichen Entscheidungsprozessen, für die Beförderung von offenen Diskussionen über zentrale Fragen der Universität und ihrer Weiterentwicklung in und für eine zukunftsfähige Gesellschaft ein.

 

Für die Liste 2 Universität im Umbruch kandidieren in der Gruppe der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer Bernd Siebenhüner (Fk II), Paul Mecheril (Fk I), Susanne Binas-Preisendörfer, Martin Butler (Fk III), Thomas Alkemeyer, Johann Kreuzer, Ulrike Link-Wieczorek (Fk IV), Joachim Peinke (Fk V).