Forschungsprojekte

Sekundäre Literalisierung/Distanzsprachliche Sozialisierung.

Forschungsprojekt mit insgesamt vier systematisch aufeinander bezogenen Teilprojekten:

  • Die an die Schüler gerichtete Sprache (Lehrersprache)
  • Fachsprachliches Motherese in der Schulbuchliteratur
  • ‚Distanzsprachliche’ Schreibentwicklung
  • Sekundäre Literalisierung (Schülersprache)

Leitende These des Gesamtprojektes ist, dass es während der Schulzeit zu einer Überformung und Anreicherung der sprachlichen Kompetenzen bei den Schülern und Schülerinnen kommt, ein Erwerbsprozess, der maßgeblich und damit zu weit überwiegenden Teilen durch die Schriftsprachlichkeit oder Literalität geprägt ist. Weiterführender Spracherwerb (etwa nach dem sechsten Lebensjahr) ist in diesem Sinne zu verstehen als eine sekundäre Literalisierung (nach der primären Literalisierung des Schriftspracherwerbs). Es ist zugleich ein Vorgang, der hochgradig durch institutionelle (schulische) Rahmenbedingungen beein­flusst und gelenkt wird. Dem entsprechend sollen im Rahmen des angestrebten Projektes wichtige Einflussfaktoren seitens der Institution (als mündliche Erwerbskontexte: die von Lehrern- und Lehrerinnen an die Schüler gerichtete Unterrichtssprache und als schriftliche Lernkontexte: Schulbuchtexte und Unterrichtsmaterialien) untersucht werden. Es muss sich dabei um ein Projekt handeln, das verschiedene geisteswissenschaftlich fundierte Schulfächer (etwa Geschichte und Sozialwissenschaften) und naturwissenschaftlich fundierte Schulfächer (etwa Biologie und Physik) gleichermaßen umfasst, da der zu beobachtende Aneignungsprozess im Grunde für sämtliche Unterrichtsfächer relevant ist. Es werden daher Forschungskooperationen zu anderen Fachdidaktiken unbedingt angestrebt.

Die Epistemisierung des Unterrichtsdiskurses.

Epistemisierung soll diejenige kognitive wie sprachliche Entwicklungsbewegung bezeichnen, bei der erkanntes Wissen zusehends aus dem unmittelbar persönlichen Erlebnisraum des erkennenden Subjektes heraustritt und mehr und mehr zu einem von konkreten Situationen in der Welt abstrahierten, unter bestimmten für das Erkennen besonders relevanten Aspekten systematisierten und intersubjektiv ausgehandelten, d. h. argumentativ gestützten Wissen wird. Das erkannte Wissen wird dabei in dem Sinne zu einem kritischen Wissen, als es zunehmend unter den Rechtfertigungsdruck gerät, auch tatsächlich erkanntes Wissen zu sein. Die Folge ist, dass das Erkennen zusehends

  • selbst thematisiert (Aspekt der Reflexivität, Metasprachlichkeit),
  • intersubjektiv ausgehandelt (Aspekt der Diskursivität/Perspektivität) und
  • argumentativ gestützt (Aspekt der Argumentativität/Methodizität) wird/werden muss.

Die forschungsleitende These ist die, dass der Unterrichtsdiskurs in nahezu allen didaktischen Zusammenhängen und jeglichen konzeptionellen Ebenen durch jene Epistemisierungsbewegung geprägt ist.