Thomas Etzemüller

Projektskizze

Ordnungsdenken und social engineering als Reaktion auf die Moderne
Nordwesteuropa, 1920er bis 1950er Jahre

Zusammenfassung:

In diesem Projekt sollen Ordnungsentwürfe und -praktiken von Experten in Nordwesteuropa von den 1920er Jahren bis Ende der 1950er Jahre untersucht werden. Diese Experten, vor allem Ingenieure und Mediziner, reagierten auf die grundlegenden Umwälzungen der sozialen Ordnung und Lebenswelten im Gefolge der Industrialisierung, indem sie die Gesellschaft unter einer biologischen Perspektive als „Körper“ deuteten, der zu desintegrieren drohte. Dagegen versuchten sie, mit den technischen Mitteln der Moderne, die bedrohte Gesellschaftsverfassung in einer stabilen Gemeinschaft zu reintegrieren, um die Folgen der Moderne zu überwinden. So entstand ein spezifisches Ordnungsdispositiv, das weitgehend stabil bis in die 1950er Jahre überdauerte, in weiten Teilen der westlichen Welt anzutreffen ist, politische und weltanschauliche Lager übergriff und eine erhebliche politisch-gesellschaftliche Wirkkraft entwickelte. Es entfaltete aber national unterschiedliche Ausprägungen; in Deutschland radikalisierte es sich bis zur nationalsozialistischen Vernichtungspolitik. Hier soll nun der Blick von diesem Extremfall abgewendet werden, um das Ordnungsdenken im gesamten europäischen 20. Jahrhundert zu untersuchen. Erst aus solch einer Perspektive kann man nationale Besonderheiten adäquat rekonstruieren.

Projektziel:

Nach wie vor stellt die sich bis zur Vernichtungspolitik steigernde Radikalisierung der nationalsozialistischen Gesellschaftspolitik eine Herausforderung für die Geschichtswissenschaft dar. Lutz Raphael hat diese Radikalisierung unlängst auf ein spezifisches Bündnis von technokratischen Eliten und nationalsozialistischem Regime zurückgeführt. Beide trafen sich in dem Bestreben, die deutsche Gesellschaft grundlegend umzugestalten. Gemeinsam war ihnen das Ziel, einen „gesunden Volkskörper“ zu formen, um die deutsche „Volksgemeinschaft“ im „Kampf der Völker“ überlebensfähig zu halten. Raphael deutet allerdings zurecht an, daß dieser Prozeß Parallelen im social engineering europäischer Nachbarstaaten aufweist, daß die deutsche Entwicklung also in einem transnationalen Kontext analysiert werden sollte. Für die deutsche Geschichtswissenschaft insgesamt aber finden diese Entwicklungen ihren analytischen Fluchtpunkt nach wie vor noch oft in der Chiffre „Auschwitz“.

Genau hier wird das Projekt ansetzen. Es geht von der Tatsache aus, daß der Prozeß der Industrialisierung seit dem späten 19. Jahrhundert in der westlichen Welt eine tiefgreifende Verunsicherung auslöste. Die Wahrnehmung dieser Umbrüche als schwere gesellschaftliche Krise und die Versuche, sie durch radikale gesellschaftspolitische Entwürfe zu entschärfen, beschränkten sich dabei nicht auf Deutschland und nicht auf die Zeit des Nationalsozialismus. Grundsätzlich werden deshalb im folgenden als „Ordnungsdenken“ konkrete Entwürfe technokratischer Eliten in Westeuropa verstanden, die, ausgehend vom Paradigma einer Gesellschaft, die durch die Folgen der Industrialisierung zu desintegrieren begann, versuchten, eine stabile Ordnung dieser Gesellschaft wiederherzustellen, und zwar in der Form einer „Gemeinschaft“. Konkret waren diese Entwürfe insoweit, als es sich nicht nur um intellektuelle Modelle handelte, sondern um verwirklichte, praktische Maßnahmen.

Das machte dieses Ordnungsdenken zum praktischen social engineering und unterschied es etwa von rein kulturpessimistischen Deutungen oder den emanzipatorischen Utopien der Avantgarde. Die Protagonisten des Ordnungsdenkens erfuhren die gesellschaftlichen Umbrüche als fundamentalen Verlust einer vernünftigen und vertrauten Ordnung. Auf ganz unterschiedlichen Feldern — Architektur, Wirtschaftswissenschaften, Sozialpolitik, Eugenik, Soziologie usw. — versuchten sie, eng miteinander kooperierend, durch solide empirische Arbeit die Umwälzungen präzise zu verstehen, um dann die Grundlagen für eine der Moderne angepaßte, aber die ideelle Grundstruktur der alten Ordnung wahrende neue Gemeinschaft zu schaffen. Das zeitigte höchst ambivalente Effekte für die Gesellschaft, einerseits humane — etwa bessere Lebensbedingungen für die Bevölkerung —, andererseits normalisierende (M. Foucault) — indem die Lebensführung der Menschen reguliert wurde —, bis hin zu eliminatorischen — der Zwangssterilisierung oder gar Vernichtung „minderwertiger“ Menschen. Das Ordnungsdenken glich einer Erlösungslehre, die die Folgen der Moderne mit den Mitteln der Moderne überwinden wollte und so die konkreten Grundlagen legte sowohl für die heute noch existierenden modernen Sozialstaaten als auch für totale Vernichtungspolitik des Nationalsozialismus.

In der Forschung gelten allerdings nach wie vor nur Kulturpessimismus und Avantgarde als immerhin akzeptable bzw. wünschenswerte Reaktionen auf die Moderne. Das Ordnungsdenken wird als dritte Möglichkeit entweder zumeist nicht wahrgenommen oder in seiner nationalsozialistisch-destruktiven Form abqualifiziert, nicht aber in seiner gesamteuropäischen, ambivalenten Form analysiert. Hier soll das Projekt fundierte neue Erkenntnisse liefern und erstmals ein systematisches Bild dieses einflußreichen Projektes, die Moderne zu bewältigen, zeichnen.

Untersuchungsmethoden:

Das Projekt wird das social engineering transnational, transfergeschichtlich und vergleichend untersuchen. Zuerst geht es geht darum, das Ordnungsdenken als einheitlichen, transnationalen Diskurs zu analysieren. Ein Diskurs übergreift politische Zäsuren wie nationale Grenzen, und er prägt das Denken und Handeln von Menschen, ohne daß diese das reflektieren können. Da Diskurse jedoch nur durch die Praktiken von Menschen entstehen, werden zweitens Wissenstransfers zwischen Experten verschiedener Länder untersucht. Durch solche Transfers werden einem Diskurs neue Möglichkeitsräume erschlossen, es finden Angleichungsprozesse statt, aber auch Verschiebungen. Diese Differenzen wiederum soll drittens die vergleichende Perspektive in den Blick bekommen. Sie soll zeigen, welche Unterschiede verschiedene gesellschaftspolitische Systeme in das Ordnungsdenken einzogen. Nur durch die Kombination dieser drei Ebenen kann man die Konturen des Ordnungsdenkens zeitlich, räumlich und inhaltlich bestimmen.

Aus pragmatischen Gründen bietet sich dabei eine Fokussierung auf ausgewählte Denkkollektive an. Es handelt sich hierbei, konzeptionell gesprochen, um Gruppen von Experten, die in einer ständigen sozialen und intellektuellen Wechselwirkung miteinander stehen und gerade dadurch eine spezifische Sicht auf die Welt ausbilden. Dabei soll das Projekt vor allem die Experten der zweiten Reihe in den Blick nehmen. Sie arbeiteten in Stadtplanungsämtern, Ministerien, Universitäten oder hatten eigene Planungsbüros, sie planten durchschnittliche Schulen, Wohnungen, Verkehrswege, Fabrikanlagen oder untersuchten in mühsamen Forschungsarbeiten Defizite der Wirtschaftsordnungen. Sie waren, so die These, durch ihr professionelles Bewußtsein und das transnationale Krisenparadigma geprägt; dadurch und durch persönliche Kontakte bildeten sie ein Netzwerk, das sich durch Europa zog. Diese community der Experten trug — trotz aller Differenzen untereinander — durch praktische Arbeit dazu bei, die gesellschaftspolitischen Zielsetzungen des Ordnungsdenkens in der materiellen Welt zu verwirklichen, sei es durch Architektur, Stadtplanung, Bevölkerungspolitik oder wirtschaftspolitische Konzeptionen.

Durch die Akteurszentrierung läßt sich das Wechselspiel zwischen der sozialen Praxis und dem Ordnungsdiskurs genau beobachten. Es läßt sich herausarbeiten, wie erstens der Erfahrungshorizont der Akteure aussah, wie sie zweitens ihre Umwelt wahrnahmen, wie sie drittens diskursive Elemente aus unterschiedlichen Bereichen transferierten und transnational vernetzten, um viertens Lösungen für die wahrgenommenen Probleme zu entwerfen, die sie fünftens als praktische Politik in der Gesellschaft implementierten. Durch diese Praxis wiederum wurde das Ordnungsdenken erstens transnational stabilisiert, zweitens national unterschiedlich ausgeformt und drittens auch verändert.

Entscheidend ist es aber, die Aufmerksamkeit auf die relative Stabilität und Formatierungskraft des Ordnungsdiskurses zu richten. Die Akteure sollen nicht unter der Perspektive einer klassischen individualisierenden Handlungs- und Ideengeschichte untersucht werden. Es geht vielmehr darum, wie ein Diskurs über Zäsuren hinweg die Praxis (den Komplex aus Wahrnehmungen und zugleich intentionalen wie unbewußten Handlungen) von aus Individuen bestehenden Gruppen prägte, ohne daß das reflektiert werden konnte. Deshalb können diese Praktiken den Akteuren nur beschränkt zugerechnet werden — obwohl der Diskurs ohne ihre Praktiken nicht entstanden wäre. Dieses merkwürdige Verhältnis aus Formatierung und Praxis zeitigte höchst wirksame gesellschaftspolitische Effekte.

Teilprojekte:

Die Teilprojekte (TP) werden die Kernzeit des Ordnungsdenkens in drei Bereichen ausleuchten: Stadtplanung und Wohnungsbau (TP 1), Industrieunternehmen (TP 2) sowie dem Verkehrsraum (TP 3). Konzentriert werden die Untersuchungen auf Großbritannien und Deutschland (mit Seitenblicken auf die USA). Ergänzt werden sie durch ein Projekt zu Gunnar und Alva Myrdal, das das social engineering der 1930er bis 1950er Jahre am Beispiel Schwedens untersucht. Auf diese Weise sollen an ausgewählten Beispielen aus drei bis vier unterschiedlichen Gesellschaftssystemen der transnationale Charakter wie nationale Besonderheiten des Ordnungsdenkens detailliert untersucht werden.

Entscheidend ist, daß die TP eng miteinander verzahnt werden. Stadt- und Verkehrs­planung sowie Betriebspolitik sollen nicht für sich analysiert werden; auch geht es nicht in erster Linie um die konkreten Inhalte der Planungen. Vielmehr untersuchen alle TP, inwieweit die ausgewählten Bereiche durch dasselbe Ordnungsdenken geprägt waren, und wie dieses Ordnungsdenken durch Transferprozesse zwischen den einzelnen Bereichen bzw. Ländern perpetuiert wurde. Der gebaute Raum und die gedachte Ordnung griffen im social engineering ineinander und vereinten Experten unterschiedlichster Fächer in dem Bestreben, die wahrgenommene Krise der Moderne zu überwinden. In dieser fach- wie länderübergreifend verknüpfenden Perspektive ist das social engineering bislang nicht untersucht worden.

1. TP 1 wird die Ordnung des Wohnraumes untersuchen. Es geht um die Frage, wie Architekten durch Stadtplanung und Wohnungsbau auf eine grundlegende Reorganisation der Gesellschaft zielten. Funktionale Wohnungen sollten die zunehmend berufstätigen Ehefrauen von der Hausarbeit entlasten, dadurch gefährdete Ehen restabilisieren, die Geburtenzahl steigern und auf diese Weise zum Erhalt des Volkskörpers beitragen. Familien als Basiseinheiten der Gesellschaft sollten in „Nachbarschaften“ eingeordnet werden, in überschaubare Siedlungen mit intakten sozialen Strukturen, um die Menschen wieder Wurzeln fassen zu lassen. Die einzelnen Sektoren einer Stadt wiederum mußten saniert und sinnvoll zueinander angeordnet werden, um den negativen Effekten der rasanten und unkontrollierten Urbanisierung Einhalt zu gebieten.

Dieser integrale, von der gesamten Stadt bis zur einzelnen Küche durchgreifende Ansatz zeichnete trotz aller Differenzen sowohl britische wie deutsche (und schwedische) Architekten des social engineering im gesamten Untersuchungszeitraum des Projektes aus. Deshalb stellten Stadtplanung und Wohnungsbau letztlich eine moralische Ordnung dar. Durch den gebauten Raum sollten die Bewohner zu einer gemeinschaftskompatiblen Lebensführung veranlaßt werden, um von der Familiengemeinschaft her die Volksgemeinschaft aufzubauen. Das zielte nicht auf eine Emanzipation der Individuen, sondern auf Menschen, die sich selbst, gerade durch die Aneignung moderner Lebensweisen, zu kollektiv denkenden und handelnden Gemeinschaftswesen erzogen. Gleichzeitig wurde die traditionelle Ordnung der Geschlechter dadurch zementiert, daß die „moderne Frau“ qua Architektur von Haushaltspflichten entlastet wurde, um sie gerade so wieder auf klassische Aufgaben der Frau zu verpflichten: die Reproduktion sowie die Sorge um die Familie.

2. TP 2 analysiert die Ordnung des Fabrikraumes. Die Suche nach einer ausbalancierten Gesellschaftsordnung ließ die großen Unternehmen seit Beginn des 20. Jahrhunderts nicht unbeeinflußt. Bei Ford in den USA etwa lösten neue Arbeitsroutinen traditionale Formen von Arbeitsablauf, Disziplin sowie inner- und außerbetriebliche Sozialbeziehungen auf. Das Unternehmen legte daher seit 1913 Sozialprogramme auf und gründete ein Sociological Department. Dort wurden die gesamten Lebensumstände der Arbeiter untersucht, um diese grundlegend zu transformieren. Die Arbeiter sollten effizienter gemacht und zugleich samt ihren Angehörigen zu soliden amerikanischen Mittelklassefamilien geformt werden. Das wurde in Deutschland aufmerksam rezipiert, wo Siemens seine Arbeitskräfte über eine gezielte betriebliche Sozialpolitik zu konditionieren versuchte. Moderne Betriebswohnungen mit einer funktionalen Raumaufteilung sollten das Privatleben ähnlich wie das Betriebsleben organisieren, um den soziale Zusammenhalt der Familien und die Geschlechterordnung vor der Auflösung zu bewahren. Diese Einheit von Arbeit und Wohnen bot in den Augen des Unternehmens auch der deutschen Gesellschaft ein attraktives Ordnungsmodell an. In Wolfsburg hätte dieses Prinzip dann vom Betrieb auf die gesamte Stadt ausgedehnt werden sollen, so daß die ideale Einheit von Arbeit und Leben als integrierter Gemeinschaft hätte entstehen können.

Die Organisation des Betriebes bedeutete für viele Unternehmer eine ideale Ordnung der Gesellschaft. Ihre Unternehmen umgriffen die Gemeinden, in denen sie angesiedelt waren, und durchdrangen das außerbetriebliche Leben der Arbeiter. Allmählich wurden fordistische und tayloristische Prinzipien, weil sie sich innerbetrieblich als effektiv erwiesen, auf die Organisation des Wohnens und damit des privaten Lebens übertragen. Zugleich verwandelte sich die Architektur moderner Industriebauten in eine symbolische Form, die in anderen Bereichen wieder auftauchte, z.B. die klar gegliederten Fabrikhallen mit seriell angeordneten Oberlichtern und Maschinen, die sich im funktionalistischen Zeilenhausbau oder in den seriellen Darbietungen der Gymnastik wiederfinden. Es entstand durch die reale architektonische/maschinelle Anordnung ein übergreifendes Wahrnehmungsmuster, das auf die reale Ausformung ganz unterschiedlicher gesellschaftlicher Bereiche Einfluß zu nehmen begann.

Deshalb läßt sich im Ordnungsdenken des social engineering ein enger Konnex zwischen Unternehmen und Gesellschaft vermuten, der gerade durch die Kombination von ideellen Austauschprozessen und dem Transfer konkreter Praktiken bzw. einer spezifischen Formsprache hergestellt wurde. Die gesellschaftspolitische Diskussion und architektonische Praktiken beeinflußten die innerbetriebliche Organisation von Unternehmen, diese wiederum erwies sich, als vermeintlich objektive Ingenieursleistung, als attraktiv für Sozialingenieure außerhalb der Unternehmen. Metaphorisch überhöht wurde diese Verschmelzung von Betrieb und Gesellschaft durch die Formsprache der Moderne: die Serie.

3. Auf die Bedeutung der Infrastruktur als eines gesellschaftlichen Integrationsmediums ersten Ranges hat Dirk van Laak unlängst hingewiesen. TP 3 wird daher die Ordnung des Verkehrsraumes beleuchten. Es wird zu untersuchen sein, inwieweit Verkehrsplanung zur Ordnung der Gesellschaft beitragen sollte. Das hat eine lokale wie übergreifende Komponente. Zum einen gehörte zur Stadtplanung immer auch Verkehrsplanung, denn die Verkehrswege galten als Arterien der Städte. Sie durften nicht verstopfen, zugleich mußten sie die einzelnen Sektoren der Stadt sinnvoll in den Gesamtorganismus einbinden, auflockern und gliedern. Dieses organische Denken und das Bestreben, Gleichgewicht und Harmonie durch Verkehrsführung zu schaffen, findet sich zum andern überregional bei der Autobahn-Planung. In Deutschland sollte zunächst ein Ring das Reich wie eine Hauptschlagader durchziehen, sein Bau und anschließend die Reisenden sollten die Menschen der unterschiedlichen Teile des Reiches zusammenführen und das heterogene deutsche Volk einen. Außerdem sollten die Autobahnen eine organisch in die Natur eingebettete Technik ermöglichen und zur Gesundung des modernen Menschen beitragen, indem sie ihn harmonisch durch den Natur- und Kulturraum gleiten ließen. Neben der Verbindung zur Stadt- und Raumplanung lassen sich zudem Überschneidungen mit dem Industriebetrieb beobachten. Während Siemens versuchte, das eigene Firmengelände wie einen Stadtkörper zu organisieren, wobei die Verkehrswege zentral für die „Blutzirkulation“ waren, und bei Ford die Autos geradezu auf den Transportwegen durch das Werk entstanden, übertrugen Verkehrsplaner Funktion und Ästhetik des Fließbandes auf die Verkehrswege, die sich in eleganter Linie durch den gebauten Raum schwangen und effektiv Verkehrsteilnehmer transportierten. In planvoll zirkulierenden Bewegungen wurden Menschen und Dinge in harmonische Einheiten eingeordnet.

Während der Verkehr allerdings einerseits Räume erschloß, zusammenführte und gliederte, unterlief er andererseits auf lange Sicht die soziale wie räumliche Fixierung von Menschen, um die sich etwa Stadtplaner bemühten. Denn der Flugverkehr begann nationale Rahmen zu sprengen, das Auto gab den Fahrern ein neues Gefühl von Freiheit und Raumbeherrschung, beförderte also einen Individualismus, der Gemeinschaftsbildung tendenziell gefährlich werden konnte. Wie versuchten Verkehrs­planer dieses sowohl gemeinschaftsbildende als auch -zersetzende Potential des Verkehrs zu nutzen bzw. zu bewältigen? Wie reagierten die Sozialingenieure anderer Bereiche darauf, wie kommunizierten sie mit Verkehrsplanern und bezogen deren Arbeit in ihr social engineering ein?

Für die Untersuchung dieser TP bieten sich bestimmte Gruppen bzw. Institutionen als vielversprechend an, die endgültige Auswahl der entsprechenden Denkkollektive bzw. Institutionen wird allerdings durch die Bearbeiter der TP getroffen.