Habilitationsprojekt (laufend)

Kirchengeschichtsdidaktik. Zur Notwendigkeit von Geschichte und Erinnerung im Religionsunterricht (Arbeitstitel)

Kirchengeschichte ist noch immer ein Desiderat innerhalb der Religionspädagogik. In der Fachdiskussion der vergangenen Jahre wurde die Bedeutung von Kirchengeschichte für den Religionsunterricht und das didaktische Arbeiten an kirchengeschichtlichen Themen im Religionsunterricht eher am Rande reflektiert. Die wenigen bisher vorliegenden Beiträge konzentrieren sich zumeist auf die Frage einer zeitgemäßen Vermittlung kirchengeschichtlicher Inhalte. Didaktisch wohl die größte Herausforderung besteht meiner Ansicht nach jedoch nicht so sehr darin, Kindern und Jugendlichen möglichst anschaulich Wissen über Geschichte zu vermitteln, sondern sie dazu zu befähigen, mit dem erlernten Wissen über Geschichte umzugehen, den Stellenwert von Geschichte für ihr Leben zu erfassen und ihr "Leben mit Geschichte" sinnbringend und verantwortungsvoll zu gestalten.

Hier stellt die jüdisch-christliche Tradition wertvolle Ressourcen bereit, die noch gar nicht voll ausgeschöpft wurden. Judentum und Christentum sind "Erinnerungs- und Erzählgemeinschaften"1), die eine bestimmte Form des Gedenkens hervorgebracht haben und damit die Gegenwartskultur sinnbringend bereichern. In meiner Habilitation möchte ich aufzeigen, inwiefern die im Erleben von Geschichte als "Geschichte Gottes mit den Menschen" entstandene jüdisch-christliche Tradition zu einem konstruktiv-kritischen Umgang mit Geschichte und Erinnerung befähigen kann.

1) Metz, J.-B., Metz, Johann, B., Glaube in Geschichte und Gesellschaft. Studien zu einer praktischen Fundamentaltheologie, Mainz 1977, S. 165.