Semester: Wintersemester 2014/2015

3.09.261 Feministische Kapitalismusanalyse


Veranstaltungstermin

  • Montag: 12:00 - 14:00, wöchentlich

Beschreibung

In der geplanten Veranstaltung werden kapitalistische Formationen vom frühen Industriekapitalismus bis zur aktuellen, neoliberal geprägten, Formation daraufhin befragt, in welcher jeweils spezifischen Weise sie die Relationen und Abhängigkeiten zwischen entlohnter Arbeit und (nach wie vor häufig) nicht entlohnter Reproduktionsarbeit strukturieren und welche spezifischen Formen der Verschränkung von (u.a.) gender, race und class damit einhergehen. Dies bedeutet, mögliche strukturelle Zusammenhänge und Bedingungen von Geschlechter- und anderen Hierarchieverhältnissen mit kapitalistisch organisierter Gesellschaft in den Blick zu nehmen.
Die kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen theoretischen Perspektiven, die der Frage nach dem Verhältnis von Gesellschaft, Staat und Markt nachgehen – etwa der Regulationstheorie und dem Gouvernementalitätsansatz – soll zum einen eine historische Perspektive auf Geschlechterverhältnisse in Wechselwirkung mit der Etablierung eines kapitalistischen Wirtschaftssystems erlauben. In diesem Zusammenhang wird auch die These einer Ermöglichungsbeziehung zwischen Geschlechter- und anderen Hierarchien einerseits und einer profitorientierten Produktionsweise andererseits entlang der Formationen analysiert und diskutiert.
Zum anderen soll durch diesen theoretischen Hintergrund auch ein kritischer Blick auf aktuelle Ausformungen kapitalistischer, neoliberaler Verhältnisse im Zusammenhang mit (vergeschlechtlichten) Dominanzverhältnissen ermöglicht werden.
Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Kapitalismus und Neoliberalismus ein (aktuelles) Geschlechterverhältnis begründen und umgekehrt wie ein normierendes Geschlechterverhältnis kapitalistische Strukturen begünstigt. Dafür findet eine intensive Auseinandersetzung mit feministischer Kapitalismuskritik statt.
Im Anschluss steht die Frage, ob – und wenn, dann was – der These der Omnipräsenz und kaum zu hintergehenden Wirkmächtigkeit neoliberaler Vorstellungen etwas entgegenzusetzen ist und wie eine feministische Kapitalismuskritik im 21 Jahrhundert aussehen kann.
Das Seminar (2 SWS) wird im Rahmen des freien Moduls (AM6, gen 260/gen262) angeboten und ist für Teilnehmer*innen aus dem Professionalisierungsbereich geöffnet. Die Seminarplanung und -gestaltung wird in Zusammenarbeit der Lehrenden und der Teilnehmer*innen stattfinden, Ideen zur gemeinsamen Gestaltung sind also sehr willkommen (jedoch keine Voraussetzung für Anmeldung und Teilnahme) und können auch gerne vorab per Email (c.schmidt@uni-oldenburg.de) mitgeteilt werden.

Vgl. Aulenbacher, Britta; Meuser, Michael; Riegraf Birgit (2012): Geschlecht, Ethnie, Klasse im Kapitalismus – Über die Verschränkung sozialer Verhältnisse und hegemonialer Deutungen im gesellschaftlichen Reproduktionsprozess. In: Berliner Journal für Soziologie, Jg. 22 (1), S. 5 - 27

Vgl. Kaindl, Christina (2008): Kritische Psychologie im Neoliberalismus. In: Journal für Psychologie, Jg. 16 (2), Online-Ausgabe




Prüfungsleistungen

Für 6 KP (gen260):

• Referat (max. 30 Minuten, schriftliche Ausarbeitung max. 10 Seiten);
• oder Portfolio mit vier Teilleistungen, wie z.B. Sitzungsprotokolle, Rezension von
• Seminarliteratur, Exzerpte wiss. Texte oder Analyse von Presse- oder Filmmaterialien zum
Thema der Veranstaltung

Für 9 KP (gen262):

• Hausarbeit von 10 bis 15 Seiten - angestrebt wird, dass die gedankliche Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Hausarbeitsthema in geeigneter Form in den Seminarzusammenhang eingebunden wird, wie das konkret auszugestalten ist, ist mit den Studierenden zu besprechen;
• oder Portfolio: 5 Teilleistungen wie z.B. s.o.;
• oder Referat (max. 30 Minuten, schriftliche Ausarbeitung max. 15 Seiten).



Vorläufige Literatur

Aulenbacher, Britta; Meuser, Michael; Riegraf Birgit: Geschlecht, Ethnie, Klasse im Kapitalismus – Über die Verschränkung sozialer Verhältnisse und hegemonialer Deutungen im gesellschaftlichen Reproduktionsprozess. In: Berliner Journal für Soziologie, Jg. 22 (1), 2012, S. 5 - 27

Bublitz, Hannelore: Im Beichtstuhl der Medien. Die Produktion des Selbst im öffentlichen Bekenntnis.
Bielefeld: Transcript, 2010
Darin: Kapitel III: In den Kulissen der Macht (III): Postdisziplinäre Techniken der Selbstführung, S. 79-118.

Degele, Nina: Gender/ Queer Studies. Eine Einführung. Paderborn: Wilhelm Fink GmbH & Co. Verlags-KG
Darin: Kapitel 3.1: Strukturorientierte Gesellschaftskritik: Geschlecht entdecken, sex und gender unterscheiden, S. 58 – 77

Foucault, Michel: Die „Gouvernementalität“. In: Lemke, Thomas; Krasmann, Susanne; Bröckling, Ulrich aaO, S. 41 - 67

Kaindl, Christina (2008): Kritische Psychologie im Neoliberalismus. In: Journal für Psychologie, Jg. 16 (2), 2008, Online-Ausgabe

Lemke, Thomas; Krasmann, Susanne; Bröckling, Ulrich: Gouvernementalität, Neoliberalismus, und Selbsttechnologien. Eine Einleitung. In: Dies. (Hrsg_innen): Gouvernementalität der Gegenwart. Studien zur Ökonomisierung des Sozialen. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2000, S. 7 - 40

DozentIn

Studienmodule

  • gen260 Freies Modul zur fachlichen Vertiefung
  • gen262 Freies Modul zur fachlichen Vertiefung

Lehrsprache
deutsch

empfohlenes Fachsemester
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