Semester: Wintersemester 2017/2018

4.03.998 Ringvorlesung Philosophie - Intellektuelle im Exil


Veranstaltungstermine

  • Mo , 18.12.2017 18:00 - 20:00
  • Montag: 10:00 - 12:00, wöchentlich

Beschreibung

Der Zusammenhang von „Exil und Interpretation“ wird seit einigen Jahren in der internationalen Forschung behandelt. Vor allem sind es die Vertreter der späteren Frankfurter Schule und der Marburger Hermeneutik, die dabei im Fokus stehen. Sie wurden, zumeist wegen ihrer jüdischen Herkunft, seit 1933 ins Exil getrieben. Die meisten von Ihnen gelangten über verschiedene Stationen in die USA, wo sie auf ganz unterschiedliche Weise wichtige Impulse in den Geistes- und Sozialwissenschaften setzten.
Die Ringvorlesung skizziert die intellektuellen Biographien im Fokus des Exils. Die Einführungsvorlesung eröffnet die grundsätzliche Perspektive, inwieweit die Erfahrung des Exils geistesgeschichtlich das moderne Selbstverständnis bestimmt. Zum Abschluß der Vorlesung ziehen wir eine Bilanz, die aus dem Vergleich der Vertreter der Frankfurter Schule und Marburger Hermeneutik gezogen wird.
Folgende Vertreter der Marburger Hermeneutik und der Frankfurter Schule werden voraussichtlich behandelt:

Marburger Hermeneutik:
- Erich Auerbach
- Hannah Arendt
- Hans Jonas
- Karl Löwith
- Leo Strauss

Frankfurter Schule
- Theodor W. Adorno
- Siegfried Kracauer
- Walter Benjamin
- Erich Fromm
- Herbert Marcuse

DozentIn

Studienbereiche

  • Ringvorlesung
  • Studium generale / Gasthörstudium

Für Gasthörende / Studium generale geöffnet:
Ja

Hinweise zum Inhalt der Veranstaltung für Gasthörende
In „Mein Leben in Deutschland vor und nach 1933“ berichtet Karl Löwith von den enttäuschenden Erfahrungen mit seinem Lehrer Martin Heidegger und seiner Exilierung. Wie er waren auch Theodor W. Adorno, Hannah Arendt, Walter Benjamin und andere Geisteswissenschaftler gezwungen, aufgrund ihrer jüdischen Herkunft Deutschland zu verlassen. Das Ausland bedeutete aber nicht nur Elend, sondern mit der Zeit eröffnete es den jungen Intellektuellen auch unverhoffte Wirkungsfelder. Die Vertreter der Marburger Hermeneutik und der Frankfurter Schule wurden vor allem in den USA als wichtige Stimmen des kontinentalen Denkens angesehen. Die Bedingungen des Exils gaben ihren Fragen nach dem Sinn der Geschichte eine neue Dringlichkeit. Die Erfahrungen im „Jahrhundert der Extreme“ hinterließen tiefe Spuren in ihren Werken. Die Ringvorlesung versucht, ihren intellektuellen Biographien im Blick auf das Exil einen lebensgeschichtlich begründeten Ausdruck zu geben. In der Folge der Vorträge entsteht ein Vergleich der Konstellationen, die sich unter den Intellektuellen der späteren Frankfurter Schule und der Marburger Hermeneutik ergaben. Die Einführungsvorlesung eröffnet die grundsätzliche Perspektive, inwieweit die Erfahrung des Exils geistesgeschichtlich das moderne Selbstverständnis bestimmt. Zum Abschluss der Vorlesung ziehen wir eine Bilanz, die drei bedeutsame Repräsentanten der beiden Denkschulen und ihrer gedanklichen Verbindung in den Fokus stellt. Die Ringvorlesung will auch auf Forschungsschwerpunkte des Oldenburger Instituts für Philosophie in den Blick rücken, die vor allem das Hannah Arendt-Zentrum, die Adorno-Forschungsstelle und das Erich Auerbach-Archiv bilden. Auch die auswärtigen Referenten sind hervorgetreten mit biographischen Studien oder intellektuellen Biographien im Horizont des Exils, so jüngst Jörg Später zu Siegfried Kracauer (Suhrkamp 2016) und Lorenz Jäger zu Walter Benjamin (Rowohlt 2017). Die Ringvorlesung findet ab dem 23. Oktober montags um 10.00 ct im BIS-Saal statt. Allein am 6. November wird sie im Karl Jaspers-Haus, Unter den Eichen 22, abgehalten. Die Veranstaltung ist eine Kooperation zwischen dem Institut für Philosophie und dem C3L- Center für lebenslanges Lernen der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg mit der Karl Jaspers-Gesellschaft. Logos. Terminplan 23. 10. Prof. Dr. Matthias Bormuth (Oldenburg) Was lehrt uns das Exil? Marburger Hermeneutik und Frankfurter Schule im Vergleich 30. 10. Prof. Dr. Martin Vialon (Oldenburg) Erich Auerbach – Kulturphilosoph zwischen Hermeneutik und Kritischer Theorie 06. 10. Prof. Dr. Tilmann Allert (Frankfurt) Ideen, Motive und Konstellationen – Helmut Plessner als Emigrant 13. 10. Dr. Nils Baratella (Oldenburg) We Refugees – Flucht und Exil im Werk von Hannah Arendt 20. 11. Dr. Jörg Später (Freiburg) Siegfried Kracauer und die Erfahrung der Emigration 27. 11. Prof. Dr. Reinhard Schulz (Oldenburg) Die Aktualität von Hans Jonas´ Verantwortungsbegriff im Lichte seiner Exilerfahrung 04. 12. Prof. Dr. Stefan Müller-Doohm (Oldenburg) Erfahrungen in der Fremde. Theodor W. Adornos Exiljahre in England und den USA 11. 12. Dr. Lorenz Jäger (Frankfurt) Walter Benjamin – Das Leben eines Unvollendeten 08. 01. Prof. Dr. Hermann Haarmann (Berlin) „Ich bin hier geblieben, weil ich mir ein Leben in Deutschland nicht mehr vorstellen konnte.“ Herbert Marcuses amerikanische Jahre 15. 01. PD Dr. Thomas Meyer (München) Von Marburg nach Annapolis. Leo Strauss´ intellektuelle Biographie 22. 01. Dr. Ulrich v. Bülow (Marbach) Philosophie zwischen Sendai und New York. Karl Löwith und der Sinn der Geschichte 29. 01. Prof. Dr. Matthias Bormuth (Oldenburg) Eine Konstellation des Exils . Hannah Arendt – Walter Benjamin – Erich Auerbach

Lehrsprache
deutsch

FoL-Veranstaltung ?
Ja

empfohlenes Fachsemester
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