Semester: Sommersemester 2017

4.03.165 Kapitalismus: Analyse und Kritik


Veranstaltungstermin

  • Donnerstag: 18:00 - 20:00, wöchentlich

Beschreibung

„Von klein auf stehen wir im Wettbewerb. Ob um den Sieg beim 50-Meter-Lauf, das entscheidende Tor beim Fußballspiel gegen die Nachbarskinder oder die besten Noten in der Klassenarbeit. Immer messen wir uns, immer gibt es einen, der gewinnt, und andere, die das Nachsehen haben.
In der Wirtschaft ist das nicht anders: Unternehmen stehen in Konkurrenz um Aufträge, Personal und Kunden. Die Kunden selbst konkurrieren um günstige Produkte und Arbeitsplätze. Wettbewerb spornt die Beteiligten an und macht sie zu Siegern und Verlierern. Das ist gut so.
Aber: Anders als beim Spiel, gibt es in der Wirtschaft nicht nur Gewinner und Verlierer, sondern häufig ausschließlich Gewinner. Denn jede freiwillig abgeschlossene Vereinbarung ist zum Vorteil für beide Seiten, für den Kunden wie für den Anbieter, für den Arbeitnehmer wie für den Unternehmer. Ein für einen Seite nachteiliger Abschluss kann bei freier Entscheidung nicht zustande kommen.
Außerdem: Der Wettbewerb treibt die Wirtschaft an. Er bringt Unternehmen an ihre Grenzen und zu Bestleistungen. Davon profitieren Konsumenten genauso wie Produzenten. Denn Wettbewerb führt zu Qualitätssteigerungen und Produktinnovationen, er zwingt Unternehmen zu Kosteneffizienz und erzeugt einen Markt mit vielfältigen Waren zu akzeptablen Preisen.
In einer Welt ohne Wettbewerb würde die Wirtschaft stagnieren. Aus wissenschaftlicher (sic) Sicht hat der Wettbewerb folgende Funktionen:
• Innovation: Nur Unternehmen, die immer wieder neue Produkte entwickeln und bereits vorhandene stetig verbessern, können erfolgreich sein und sich am Markt halten. (...)
• Freiheit: Wettbewerb bedeutet Vielfalt und eröffnet damit eine Vielzahl von Handlungsmöglichkeiten. Jeder Marktteilnehmer hat die Freiheit zu wählen, zum Beispiel wo er arbeitet und welches Produkt er kauft. (...)
• Koordination: Der Wettbewerb koordiniert die Produktion so, dass auf den Märkten jederzeit nur Waren und Dienstleistungen in der Art, Qualität und Menge angeboten werden, die der Nachfrage entsprechen.
• Allokation: Wettbewerb regelt den optimalen Einsatz der Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital. So werden Maschinen dort eingesetzt, wo sie gebraucht werden und Arbeitskräfte in denjenigen Berufen ausgebildet, in denen sie benötigt werden.
• Verteilungsfunktion: Jeder erhält, was er verdient: Das Einkommen des Einzelnen richtet sich im freien Wettbewerb nach dessen Leistung, bewertet zu Preisen, die die Marktteilnehmer zu zahlen bereit sind.
Voraussetzung für einen funktionierenden Wettbewerb sind zwei oder mehr Marktteilnehmer, die miteinander in Konkurrenz stehen. Zu einem fairen Wettbewerb, der allen Teilnehmern Chancengleichheit gewährt, gehören aber auch Spielregeln: die rechtlichen Grundlagen, die beispielsweise private Eigentumsrechte, Gewerbefreiheit und Vertragsfreiheit umfassen.“ (Quelle: www.insm.de)

Soweit ein Ausschnitt der landläufigen Selbstdeutung der „sozialen Markwirtschaft“ als das real existierende „Reich der Freiheit“. Man fragt sich nur, wie in dieses marktwirtschaftliche Eden, wie in diese beste aller möglichen Welten so unfassbar viel und entsetzliches und ganz und gar unparadiesisches Elend kommen konnte: Globale Wirtschaftskrisen, Welthunger und globale Armut, kein Zugang zu sauberem Wasser, medizinischer Versorgung und Bildung für den größten Teil der Menschheit; elende Arbeitsbedingungen, Ausbeutung, Hungerlöhne, Kinderarmut, Armut ‚trotz’ Arbeit, Altersarmut (alles auch in der 'freien Welt'), Arbeitslosigkeit etc. etc. etc. (und alles bei gleichzeitig vorhandenem ungeheuren privaten Reichtum) – nicht zu sprechen von den „Bestleistungen“ der Ramschwarenindustrie und so schönen „Innovationen“ wie ‚Lasagne mit Pferd’ – sind ein bisschen viel bloße 'Auswüchse' von den "Koordinations"leistungen dieser „idealen Welt“ (ebd.) des Marktes mit „häufig ausschließlich Gewinnern“, um sich nicht mal zu fragen, ob die Misere nicht vielleicht System hat.

DozentIn

Studienmodule

  • pb080 Philosophie und Gesellschaft A
  • pb081 Philosophie und Gesellschaft B
  • phi120 Grundlagen der Praktischen Philosophie und ihre Vermittlung
  • phi220 Praktische Philosophie - Ethik, Recht, Gesellschaft

Lehrsprache
deutsch

empfohlenes Fachsemester
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