Semester: Wintersemester 2017/2018

3.01.052 Waren- und Konsumästhetik


Veranstaltungstermin

  • Dienstag: 12:00 - 14:00, wöchentlich

Beschreibung

Die Übung ist fest an das Seminar 3.01.051 gebunden. Anmeldung bitte über das Seminar. Nach Anmeldeschluss werden die Teilnehmer des Seminars 3.01.051 in die zugehörige Übung 3.01.052 importiert.


Die Veranstaltung behandelt die Darstellung und Reflexion von käuflichen Dingen, Konsumsituationen, Alltagsartefakten, Marken und Werbung in der deutschsprachigen Literatur. Konsum wurde lange Zeit als Gegensatz zur Ästhetik als einem Bereich der Autonomie, des Widerstands und des Nicht-Verwertbaren gedacht, während Konsumdarstellungen sich in den Künsten häufig in Form von Konsumkritik manifestierten. Entsprechend galten Markenwaren in der Literatur als ‚oberflächliche‘ und ‚profane‘ Fremdkörper. Seit den 1990er Jahren kommt Oberflächenphänomenen und Aspekten des Konsums in der deutschsprachigen Literatur aber eine größere Aufmerksamkeit zu. Durch die mit dem Begriff „Popliteratur“ assoziierten Texte wurde deutlich, dass Markenprodukte unsere Alltagswelt in hohem Maße prägen und dass Literatur zum Verständnis unserer Gegenwart beiträgt, wenn sie sich mit ihnen auseinandersetzt. Dabei finden sich Akte des Konsums in der Literatur schon seit dem späten 19. Jahrhundert, also mit dem Aufkommen des Markenwesens. Zunächst wird in Seminar und Übung deshalb mit Irmgard Keuns Roman „Das kunstseidene Mädchen“ (1932) einer der letzten Bestseller der Weimarer Republik behandelt. In diesem Text träumt die Protagonistin Doris davon, in Berlin ein Star beim Film (ein „Glanz“) zu werden und bedient sich dabei diverser Markenprodukte der Kosmetikbranche. Einen weiteren Schwerpunkt bildet Christopher Roths kurzer Roman „200D“ (1982), der mit seinen katalogartigen Auflistungen von Markennamen als Vorläufer der Pop-Texte der 90er Jahre gelten kann – stellvertretend für letztere steht die Lektüre von „Tristesse Royale“ (Joachim Bessing, 1999) auf dem Programm. Weitere Primärtexte, die im Kontext der Konsumästhetik behandelt werden, umfassen Erzählungen („Wilde Wiesen“, 2007) und ein Radiofeature („Die Prosa der Produkte“, 2015) von Ulf Erdmann Ziegler sowie David Wagners Roman „Vier Äpfel“ (2009), der komplett in einem Supermarkt spielt. In der Veranstaltung soll diskutiert werden, inwiefern uns die literarischen Texte Markenprodukte und bestimmte Aspekte der Konsumkultur auf neue Weise verständlich oder zugänglich machen. Umgekehrt wäre zu überlegen, ob die kulturgeschichtliche Rekonstruktion eines Markenbildes – etwa durch zeitgenössische Reklame – einen semantischen Gewinn für die Lesart eines literarischen Textes darstellt. Schließlich bleibt zu diskutieren, ob die Darstellung von Marken und Konsumsituationen nach neuen literarischen Verfahren verlangt bzw. ob diese dadurch generiert werden. Insgesamt widmen wir uns also der gegenseitigen Durchdringung von Kunst und Konsum, sodass ein Lernziel der Veranstaltung darin besteht, literarische Texte mit ihren außerliterarischen Kontexten in Beziehung zu setzen. Aus diesem Grund setzt die Teilnahme an der Veranstaltung die Bereitschaft voraus, sich im Sinne einer kulturwissenschaftlich interessierten Philologie mit theoretischen, nicht immer genuin literaturwissenschaftlichen oder literarischen Texten zu befassen.

DozentIn

Lehrsprache
deutsch

empfohlenes Fachsemester
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