Semester: Wintersemester 2016/2017

4.03.251 Religion um 1800 - Aufklärung - Revolution - Romantik


Veranstaltungstermin

  • Mittwoch: 12:00 - 14:00, wöchentlich

Beschreibung

Die Veranstaltung findet an der Universität Bremen in Raum SFG 1040 statt.

Religion um 1800 bedeutet einen entscheidenden Bruch, die Moderne beginnt. Bis dahin war Religion in die Lebenswelt und in die Alte Herrschaft (Ancien Régime) verwoben, wie sie sich nach der Reformation und dem Ende der Glaubenskriege im Westfälischen Frieden (1648 in Münster und Osnabrück) ausgebildet hatte. Ab da lässt sich zum einen Religion nicht mehr begründen, wie es die Reformatoren getan hatten: mit der Bibel. Zum andern ist die Rationalität/Vernunft zur revolutionären Norm geworden, die prinzipiell jede Tradition auf den Prüfstand stellt. Die stellt zugleich ein optimistisches Menschenbild auf (im Gegensatz zu dem Bild der Reformatoren, dass Menschen zunächst einmal Sünder sind), das aber auf Kosten der Erfindung des Irren, der an seinen Seelenkräften erkrankt ist. Grundsätzlich aber lasse sich das Gute im Menschen durch Erziehung bilden. Die Naturwissenschaften entziffern Gottes Schöpfung bis in die unsichtbaren Einzelheiten unter der Erde, in den Winzigkeiten des Körpers, in den Unendlichkeiten des Weltalls. Gott ist in der Welt, aber geht Gott in ihr auf? Schleiermacher schließt sich der Kritik an der ‚positiven‘ Dogmenreligion an, wenn sie nicht in der Lage ist, Anschauung und Gefühl für das Unendliche zu eröffnen.
Die Revolution (USA 1776, Frankreich 1789, durch Napoleons Armeen in ganz Europa und Nordafrika erzwungen) bestimmt die Unterordnung der Religion unter die Gesetze des Staates und die „Religionsfreiheit“ als individuellen Glauben als Grundsatz des modernen Staat, ja legt die Grundlagen für Säkularisierung und eine nachchristliche Nationalreligion. Komplementär dazu bilden sich die Formen der Religion, die sich nicht unterordnen unter das System theologischer Gebäude: die sog. Romantik und, was als ‚Religiosität‘ bezeichnet wird.
Die Religion um 1800 muss auf allen Feldern der Kultur von der Ökonomie (Säkularisation) und Arbeit, von der Familie, Schule und Gefängnis, von der Medizin und Naturwissenschaft, von Naturkatastrophen und Kriegen bis zur Kunst, Theater, Literatur das „Feld“ der Religion betrachten, um die Veränderungen verständlich zu machen, die bis heute fort wirken. Diese Methode beruht auf dem Modell der „Europäischen Religionsgeschichte“.

Die Vorlesung ist zugleich eine „Einführung in das Christentum“, indem je unter den Veränderungen des Gottesbildes, der Feste, des Kalenders, der Stellung von Staat und Kirche usf. die systematische Einordnung gegeben wird.

Zur Einführung: Kurt Nowak: Geschichte des Christentums in Deutschland. Religion, Politik und Gesellschaft vom Ende der Aufklärung bis zur Mitte des 20. Jh.s. München 1995. Ders.: Schleiermacher. Göttingen 2002. Christoph Schulte: Radikal böse. Die Karriere des Bösen von Kant bis Nietzsche. München: Fink ²1991. Jörg Lauster: Die Verzauberung der Welt. Eine Kulturgeschichte des Christentums. München: Beck 2014, 42016. Jörg Lauster: Der Gott der Vernunft. Protestantismus und vernünftiger Gottesgedanke. Tübingen: Mohr Siebeck 2009. Burkhard Gladigow: Religionswissenschaft als Kulturwissenschaft. Stuttgart: Kohlhammer 2005.

DozentIn

Studienmodule

  • phi250 Geschichte und Theorie der Religion

Lehrsprache
deutsch

empfohlenes Fachsemester
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