Semester: Wintersemester 2014/2015

4.08.001 NS-Ästhetik als antijüdisches Blickregime


Veranstaltungstermine

  • Fr., 31.10.2014, 14:00 - 16:00
  • Sa., 07.02.2015, 10:00 - 18:00
  • Sa., 13.12.2014, 10:00 - 18:00
  • Sa., 15.11.2014, 10:00 - 18:00
  • Sa., 17.01.2015, 10:00 - 18:00
  • Sa., 20.12.2014, 14:00 - 18:00

Beschreibung

Der Skandal um die erst im Jahre 2012 entdeckte Sammlung Cornelius Gurlitt, die im Wesentlichen aus Werken der sogenannten "entarteten Kunst" besteht, ist Anlass, erneut über die NS-Kunstpolitik und ihre Auswirkungen nachzudenken. Die Sammlung setzt sich zu großen Teilen aus jener Raubkunst zusammen, die zur Zeit der NS-Diktatur aus dem Bestand jüdischer Sammlungen entwendet bzw. aus deutschen Museen beschlagnahmt wurden. Sie belegt eine Ideologie, die sich auch in der Kunst als ein antijüdisches Blickregime zu etablieren versuchte.

Medien und Kunst im NS-System sind als komplexe Verflechtung zu verstehen. Diese lässt sich aus der Perspektive totalitärer Propaganda deuten wie aus der Entwicklungsgeschichte der Künste herleiten. Alltag wie Feierlichkeiten durchzog eine mehrgleisige Konstruktion der Macht, getarnt als motivische Rückwendung in medialer Modernität. Ferner erscheinen dort Eros und Krieg, „Blut und Boden“, Körper und Künstlichkeit, Geschlechterrollen und deren Bild-Konstruktionen eingebettet in die Atmosphäre von Harmlosigkeit und Gewalt.

In dem Seminar werden wir u.a. versuchen, die Tragweite einer mittels dieser Atmosphäre inszenierten und in allen Gattungen/Medien der NS-Kunstpolitik ebenso wirksamen wie antisemitisch ausgerichteten Bild-Rhetorik zu bestimmen, mit welcher einerseits das Bild des Juden diffamiert sowie andererseits das „arische Ideal“ zum repräsentativen Leitbild aufgebaut werden sollte.

Einführende Literatur:

Anson Rabinbach/Sander L. Gilman, „The Third Reich“. Sourcebook, Berkeley, 2013

Saul Friedländer, Kitsch und Tod. Der Widerschein des Nazismus,
Frankfurt am Main 1999.

Rüdiger Sünner, Schwarze Sonne. Entfesselung und Mißbrauch der Mythen
in Nationalsozialismus und rechter Esoterik, Freiburg/Basel/Wien 1999.

Claudia Lenssen, Unterworfene Gefühle. Nationalsozialistische Mobilisierung und emotionale Manipulation der Massen in den Parteitagsfilmen Leni Riefenstahls, in: Claudia Benthin u.a. (Hg.), Emotionaltität. Zur Geschichte der Gefühle, Köln 2000, S. 198-212.

Klaus Herding/Hans-Ernst Mittig; Kunst und Alltag im NS-System.
Albert Speers Berliner Straßenlaternen, Gießen 1975.

Frauen und Film, Heft 44/45: Faschismus, Frankfurt am Main 1988.

Kathrin Hoffmann-Curtius, Die Kampagne „Entartete Kunst“. Die
Nationalsozialisten und die moderne Kunst, in: Funkkolleg Moderne Kunst, Studienbegleitbrief 9, ebd. S. 49-88.

DozentIn

Studienmodule

  • PB 184 Jüdische Kultur und europäische Moderne
  • pb184 Jüdische Kultur und europäische Moderne
  • the941 Judentum in Vergangenheit und Gegenwart (Jüdische Studien)

Studienbereiche

  • PM 3: Religion, Geschichte und Philosophie
  • Studium generale / Gasthörstudium

Für Gasthörende / Studium generale geöffnet:
Ja

Hinweise zum Inhalt der Veranstaltung für Gasthörende
Der Skandal um die erst im Jahre 2012 entdeckte Sammlung Cornelius Gurlitt, die im Wesentlichen aus Werken der sogenannten "entarteten Kunst" besteht, ist Anlass, erneut über die NS-Kunstpolitik und ihre Auswirkungen nachzudenken. Die Sammlung setzt sich zu großen Teilen aus jener Raubkunst zusammen, die zur Zeit der NS-Diktatur aus dem Bestand jüdischer Sammlungen entwendet bzw. aus deutschen Museen beschlagnahmt wurden. Sie belegt eine Ideologie, die sich auch in der Kunst als ein antijüdisches Blickregime zu etablieren versuchte. Medien und Kunst im NS-System sind als komplexe Verflechtung zu verstehen. Diese lässt sich aus der Perspektive totalitärer Propaganda deuten wie aus der Entwicklungsgeschichte der Künste herleiten. Alltag wie Feierlichkeiten durchzog eine mehrgleisige Konstruktion der Macht, getarnt als motivische Rückwendung in medialer Modernität. Ferner erscheinen dort Eros und Krieg, „Blut und Boden“, Körper und Künstlichkeit, Geschlechterrollen und deren Bild-Konstruktionen eingebettet in die Atmosphäre von Harmlosigkeit und Gewalt. In dem Seminar werden wir u.a. versuchen, die Tragweite einer mittels dieser Atmosphäre inszenierten und in allen Gattungen/Medien der NS-Kunstpolitik ebenso wirksamen wie antisemitisch ausgerichteten Bild-Rhetorik zu bestimmen, mit welcher einerseits das Bild des Juden diffamiert sowie andererseits das „arische Ideal“ zum repräsentativen Leitbild aufgebaut werden sollte.

Lehrsprache
deutsch

empfohlenes Fachsemester
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