Semester: Wintersemester 2017/2018

4.08.004 Die Künstler der New York School und die unerhörte Botschaft einer jüdischen Kunst nach der Shoah


Veranstaltungstermine

  • Donnerstag: 16:00 - 18:00, zweiwöchentlich
  • Fr , 20.10.2017 16:00 - 18:00

Beschreibung

Die Künstler der New York School und die unerhörte
Botschaft einer jüdischen Kunst nach der Shoah

Do. 16 -18 Uhr, mit Exkursion nach London: 20.-25. November 2017 Raum: (ab 26.10.) A01 0-009
1. Termin (Vorbesprechung): Fr. 20. 10. , 16.00 Uhr , Raum A04 0-022

Unbestritten ist der einschneidende und produktive Impuls, den die amerikanische Kunst nach 1945 für die Kunst der Moderne bedeutet. Mit Künstlern wie Newman, Pollock, Rothko, de Kooning, Reinhardt, Still, Morris z.B. ist eine radikale Wendung verbunden, die sich bis heute auf die Gegenwartskunst – nicht nur in Amerika – auswirkt. In der Forschung wenig beachtet wurde jedoch bisher, dass sich die künstlerischen Angebote der ersten, aber auch der zweiten Generation der New York School (Rauschenberg, Johns, Motherwell) wesentlich jüdischen Einfluss verdanken, artikuliert von Theoretikern wie Meyer-Schapiro, Clement Greenberg oder Harold Rosenberg z.B., wie von theoretisch reflektierenden Künstlern. Barnett Newman ist diesbezüglich besonders hervorzuheben. Ferner kommt der aus einem rabbinischen Haus stammenden Malerin und Frau Jackson Pollocks, Lee Krasner, eine bisher unterschätzte Schlüsselfunktion zu.

Dass Künstler ohne jüdischen Hintergrund auch an dieser Entwicklung partizipierten, ist eine der Thesen, die es in dem Seminar anhand von Formbefragungen zu entfalten gilt. Zunächst wird die Kunst der Hauptvertreter der New York School I und II nachgezeichnet und in den jeweils daran anschließenden Diskussionen bezüglich des die Nachkriegs-Avantgarde wirksam gewordenen Stellenwertes jüdischen Gedankengutes fokussiert. Dazu sind Denkhorizonte (resultierend etwa aus Bilderverbot und Talmud- Lektüre) zu erörtern, die gewöhnlich abendländisch orientiertem Denken und Handeln fremd sind. Auch im Zusammenhang mit bildkünstlerischen Reflexionen der Shoah von Künstlern, die die New Yorker Szene von Ferne beobachteten (Joseph Beuys z.B.), ist dies von Gewicht.

Parallel dazu und im Kontext der Beispiele und Thesen werden Kunstwerke der Gegenwart eine Rolle spielen, die mittelbar und unmittelbar im Dialog mit (bzw. in der Differenz zu) der New Yorker Avantgarde zur Entfaltung gelangten. Unter diesen Vorzeichen gesehen geraten u.a. Selbstbezüglichkeit und Autonomie der Moderne auf den Prüfstand, um neuen Begründungszusammenhängen zugeführt zu werden. Entsprechend ist eine Einführung in die Kunst nach 1945 bis zu heutigen Entwicklungen zu erwarten, die kontroverse Sichtweisen berücksichtigt und thematisieren wird. Die geplante Exkursion nach London wird uns u.a. zu den Museen führen (Tate-Modern, Tate-Britain), deren Werke für das Verständnis der Kunstentwicklung zwischen Amerika und Europa von entscheidender Bedeutung sind.

Exkursion: London, 20. – 25. November 2017
In Verbindung mit den Lehrveranstaltungen:
Denkräume des Exils: Aby Warburg, Erwin Panofsky, Ernst Cassirer, Edgar Wind, Rudolf Wittkower. Kulturwissenschaft, Kunst und jüdisches Denken als Pathosformel

Die Künstler der New York School und die unerhörte
Botschaft einer jüdischen Kunst nach der Shoah

20.11. Anreise / Treffpunkt: 15.30 - 18.00 Tate-Modern: Überblick über die

Sammlungen
21.11. 11.00 - 13.00 sowie 14.00 - 18.00 Tate-Modern:
Künstler der New York School sowie kontemporäre und folgende Entwicklungen
22.11. 10.00 - 12.00 Warburg-Library: Bibliothek und Ikonologie
14.00 – 15.30 Besuch des UCL mit Führung
16-00 - 18.00 British Museum: Antike Kunst im Kontext von kolonialer und
postkolonialer Ikonologie
23.11. 10.00 - 12.00 sowie 13.00 - 15.00 National-Gallery: Auf Warburgs Spuren.
Gewichtung auf die Entwicklung der Künste seit dem 16. Jahrhundert
15.00 – 18.00 National Portrait Gallery: Ikonen der Herrschaft und der Pop-
Kultur: Ikonologie und Moderne

24.11. 10.00 – 14.00: Victoria and Albert Museums: Arts and Crafts
15.00 - 18.00: Tate-Britain: Konzentration auf die Bereiche der Englischen Kunst
des 19. Und 20. Jahrhunderts. Besuch der William Turner – Sammlung

Im Anschluss findet ein Auswertungsgespräch statt (18.00 – 20.00)
20.00 Ende der Exkursion

25.11. Rückreise nach Oldenburg
Sofern es der Zeitplan erlaubt, werden wir noch die Serpentine Gallery , die Whitechapel Art Gallery oder die Cortauld Gallery besuchen.
Änderungen des Programms, das Studium zusätzlicher Ausstellungen
und Institutionen betreffend, werden in London bekannt gegeben.

Einführende Literatur:

Ziva Amishai-Maisels, Innenseiter, Außenseiter. Moderne jüdische Künstler im Portrait, in: Andreas Nachama u.a. (Hg.), Jüdische Lebenswelten. Essays, Frankfurt am Main 1991, S. 163 – 184.

Edward van Voolen, Jüdische Kunst und Kultur, München, Berlin, London, New York, 2006.

Georg Syamken, Mark Rothko und Barnett Newman. Ihr Verhältnis zu 2. Moses 20,4. In: Babylon. Beiträge zur jüdischen Gegenwart, Heft 12/1993, Frankfurt am Main 1993.

Martin Roman Deppner (Hg.), Die verborgene Spur. Jüdische Wege durch die Moderne, Bramsche 2008 (Ausst.Kat. Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück).

Norman L. Kleeblatt (Ed.), Action/Abstraction: Pollock, De Kooning, and American Art, 1940-1976, Ausst. Kat.: Jewish Museum New York, New York 2008.

Franz Meyer, Barnett Newman. The Stations of the Cross: Lema Sabachthani, Düsseldorf 2003.

Barnett Newman, Selected Writings and Interviews, Edited by John P. O´Neill, New York 1990.

Arnim Zweite, Ausst. Kat. Barnett Newman, Bilder. Skulpturen. Graphik, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, Ostfildern-Ruit 1997.

Serge Guilbaut, Wie New York die Idee der modernen Kunst gestohlen hat, Dresden/Basel 1997.

Clement Greeberg, Die Essenz der Moderne. Ausgewählte Essays und Kritiken, Dresden 1997.

Harold Rosenberg, Barnett Newman, New York 1978.

Vgl. Robert Rosenblum, Die moderne Malerei und die Tradition der Romantik. Von C.D. Friedrich zu Mark Rothko (London 1975), München 1981, S. 220-226.

Ausst. Kat. Amerikanische Kunst im 20. Jahrhundert. Malerei und Plastik 1913-1993, herausgegeben von Christos M. Joachimedes und Norman Rosenthal, Berlin/London, München 1993.

Max Imdahl, Newman. Who`s afraid of red, yellow and blue, III, Stuttgart 1971.

DozentIn

Studienmodule

  • pb265 Interkulturelle Jüdische Studien
  • the941 Judentum in Vergangenheit und Gegenwart (Jüdische Studien)

Studienbereiche

  • PM 3: Religion, Geschichte und Philosophie
  • Studium generale / Gasthörstudium
  • Weitere Veranstaltungen

Für Gasthörende / Studium generale geöffnet:
Ja

Lehrsprache
deutsch

empfohlenes Fachsemester
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