Semester: Wintersemester 2017/2018

3.08.123 Queer-feministisches Ausstellen


Veranstaltungstermine

  • Do , 08.02.2018 10:00 - 18:00
  • Fr , 09.02.2018 10:00 - 18:00
  • Fr , 22.12.2017 10:00 - 12:00
  • Fr , 22.12.2017 12:00 - 17:00
  • Mo , 05.02.2018 10:00 - 18:00

Beschreibung

Weltweit existieren mittlerweile sieben Museen und viele weitere Institutionen, vornehmlich Archive und Bibliotheken, die wissenschaftlich zur LSBT*I/Q-(Kunst- und Kultur-)Geschichte sammeln und/oder Ausstellungen realisieren. Waren in den 1970er Jahren Ausstellungen, die sich explizit Fragen von Geschlecht und Sexualität widmeten, noch selten anzutreffen, ist vor allem in den letzten 10 Jahren die Anzahl an themenverwandten Ausstellungen rasant gestiegen. Dezidierte Analysen zu ganz alltäglichen und meist eher versteckten geschlechter- und sexualitätsspezifischen Zuschreibungen in Museen und Ausstellungen sind dagegen immer noch selten. Auch heute im Zeichen veränderter globaler Auseinandersetzung um Identität und Zugehörigkeit zeichnet sich das Museum vornehmlich dadurch aus, dass es von Machtstrukturen und hierarchischen Relationen durchzogen ist: Hier werden Besucher_innen konfrontiert mit tradierten Formen des Zu-Sehen-Gebens, der unausgesprochenen Definitionsmacht über Ein-/Ausschlüsse, der Vorbildfunktion der ‚hohen Kultur’, der Konstituierung von ‚Selbst- und Fremdbildern’ sowie der Auratisierung von Objekten. Wie aber kann das Museum zu einem Ort der Inklusion und des produktiven Konflikts werden? Inwiefern lässt sich die Vorstellung vom Museum als ‚Identitätsfabrik’ mit der Queer Theory und ihrer Kritik an essentialistischen, festgelegten Identitätskonzepten vereinen? Wann, unter welchen politischen Rahmenbedingungen, in welchen musealen Orten und mit welchen Implikationen findet eine Repräsentation von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten statt? Welche Funktion hat ihr Auftauchen? Wer darf und kann sich selbst repräsentieren? Wer ist autorisiert auf wen zu schauen? Mit welchen anderen Prozeduren und Diskursen wirken diese Repräsentationen zusammen? Und nicht zuletzt: Wie können Museen und Ausstellungen diskursive Foren werden, die Normalisierungen heterozentristischer Körper- und Sexualitätsdiskurse herausfordern, kritisieren und in Frage stellen?

Sinn und Zweck des inter- und transdisziplinär angelegten Seminars ist es, einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur Frage nach dem Stellenwert von Sexualitäts- und Genderthemen in der vergangenen und gegenwärtigen (inter-)nationalen Ausstellungs- und Vermittlungspraxis zu geben. Anvisiert wird eine enge Verbindung von theoretischen und methodischen Fragen der Kultur- und Kunstwissenschaft und kritischer Vermittlungsarbeit mit Gender Studies, Queer Studies und Critical Curatorial Studies. Einerseits soll die Annahme eines immer noch vorherrschenden heteronormativen Blickwinkels in der heutigen Museums- und Ausstellungspraxis überprüft werden. Andererseits sollen gemeinsame Überlegungen zu den Anforderungen einer queer-feministischen Ausstellungs- und Vermittlungspraxis angestellt werden. Im Rahmen des Seminares sind zwei Exkursionen angedacht: Wir werden nicht nur vorort den Ist-Zustand der Dauerausstellung im Oldenburger Stadtmuseum im Hinblick auf Ein- und Ausschlüsse kritisch unter die Lupe nehmen, sondern uns auch nach Berlin begeben, um uns dort u.a. der Ausstellungs- und Vermittlungspraxis des Schwulen Museums* widmen zu können.

DozentIn

Lehrsprache
deutsch

empfohlenes Fachsemester
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