Semester: Sommersemester 2015

4.02.008 Weiterleben – aber wie? Antwortversuche nach der Shoah von Ruth Klüger und Jean Améry


Veranstaltungstermine

  • Fr., 10.07.2015, 10:00 - 12:00
  • Fr., 15.05.2015, 10:00 - 12:00
  • Fr., 17.04.2015, 10:00 - 12:00
  • Fr., 17.07.2015, 10:00 - 13:00
  • Fr., 22.05.2015, 10:00 - 12:00
  • Fr., 26.06.2015, 10:00 - 12:00

Beschreibung

Wie beschreiben Auschwitz-Überlebende ihr Überleben? Mit Jean Amérys "Jenseits von Schuld und Sühne" und Ruth Klügers "weiter leben" liegen uns zwei literarische Texte vor, die inzwischen zum Kanon der deutschsprachigen Shoah-Literatur gehören. Beide Texte 'zeugen' vom Überleben und weisen zugleich darüber hinaus. Das führt zu der Frage, wie Améry und Klüger sich in verschiedenen historischen Kontexten schreibend erinnern.
Die in den 1960er Jahren von Améry verfassten Essays geben Auskunft über Bedingungen, die sein Weiterleben nach der Shoah bestimmen. Auf der Grundlage der "Bewältigungsversuche eines Überwältigten" - so der Unteritel seines Essaybandes - wollen wir den Bedingungen nachgehen, die sich stets an den Grenzen der Sprache bewegen. Demzufolge wird unsere Suche in den Antwortversuchen von Améry und Klüger auch ein Erkunden von Darstellungsmöglichkeiten sein, ein Weiterleben nach der Shoah zu versprachlichen. Während Améry bereits 1945 beginnt, die traumatischen Erfahrungen unter der NS-Diktatur literarisch aufzuarbeiten, vergehen bei Klüger mehr als 40 Jahre. Aus dem zufällig geglückten Überleben wird ein nüchtern klingendes "weiter leben": klein geschrieben und unauffällig - lebt man einfach weiter.
Trotz des zeitlichen Abstands widmen sich beide Lebenserzählungen sowohl dem Verlust der Heimat als auch dem Bezug zum Judentum. Deshalb ist auch die Frage zu stellen, wie sich Améry und Klüger zu ihren 'Wurzeln' und ‚ihrem Jüdisch-Sein’ verhalten. Literarische Selbstbehauptung von Überlebenden und ‚jüdische’ Identität, als ein von „der Gesellschaft über mich verhängtes Urteil“ (Améry) und verweigerter Anerkennung als Auschwitz-Überlebende (Klüger), gilt es in den Themenkomplex miteinzubeziehen. Wie vielschichtig Amérys und Klügers Antwortversuche auf ein Weiterleben nach der Shoah sein können, werden wir anhand ihrer literarischen Texte erarbeiten, die sich durch Zeitungsinterviews, Rundfunkbeiträge und Dokumentationen ergänzen lassen.
Der erste Termin im April soll bereits dazu dienen, konkret ins Gespräch zu kommen. Auf der Basis der Einführung von Norbert Otto Eke in Norbert Otto Eke / Hartmut Steinecke (Hg.): Shoah in der deutschsprachigen Literatur. Berlin: Schmidt, 2006, S. 7-18 werden wir uns dieser Thematik zuwenden. Zudem empfiehlt es sich, die beiden Vorworte zu "Jenseits von Schuld und Sühne" - Vorwort von 1966 und Vorwort zur Neuausgabe 1977 - zu lesen, die Améry seinem Essayband voranstellte. (Beide Vorworte befinden sich in der im Klett-Cotta-Verlag erschienenen Ausgabe.)

DozentIn

Studienmodule

  • ges143 Geschichte des 19./20. Jahrhunderts
  • ges144 Westeuropäische Geschichte des 19./20. Jahrhunderts
  • VM 4 Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts: Europäische Vergleichs-, Verflechtungs- und Wahrnehmungsgeschichte

Studienbereiche

  • PM 3: Religion, Geschichte und Philosophie
  • Studium generale / Gasthörstudium

Für Gasthörende / Studium generale geöffnet:
Ja

Lehrsprache
deutsch

empfohlenes Fachsemester
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