Semester: Sommersemester 2014

4.03.812 Moralisch-Ästhetische Erziehung. Ausgewählte Schriften von Kant, Schiller, Goethe und Wilhelm v. Humboldt


Veranstaltungstermin

  • Dienstag: 14:00 - 16:00, wöchentlich

Beschreibung

Liebe Kommilitoninnen und Kommilitonen, seien Sie herzlich begrüßt und eingeladen, an dem Seminar zur klassisch-idealistischen deutschen Moralphilosophie und ihrer dazugehörigen Literatur teilzunehmen.
Am Leitfaden der wechselseitigen Durchdringung des Moralischen mit dem Ästhetischen und des Ästhetischen mit dem Moralischen soll anhand von Kants Schriften (ausgewählte Aspekte aus der zweiten und dritten Kritik, kleinere Essays), Schillers ästhetischen Briefen zur moralischen Erziehung des Menschengeschlechts, seiner Jenenser Antrittsvorlesung von 1789 und der Studie „Über Anmut und Würde“, Goethes kleiner Kant-Replik „Anschauende Urteilskraft“ und einigen ästhetischen Essays einschließlich Wilhelm von Humboldts Bildungstheorie gezeigt werden, dass innerhalb der Goethe-Periode die Grundidee des freien, vernünftigen, sich selbstbestimmenden, verpflichtenden und handelnden Menschen gelegt wurde.
Dabei könnte die Einsicht heranreifen, dass das Zeitalter um 1800 sich im teils undeutlichen, aber auch grundsätzlichen Widerstreit mit den vorhergehenden feudalen und absolutistischen Epochen befand, welche das individuelle Denken, das Wollen und das Handeln an eine von außen zu verpflichtende Norm festzubinden verstand, weil der alte, merkantile Staat – das Ancien Régime – seine immer unleidlicher und autoritärer sich gestaltenden Privilegien nicht freiwillig preisgab. Kurzum: Während in Frankreich durch die große Revolution zum ersten Mal die Menschenrechte im Gesetz aufgenommen wurden, musste sich der Gedanke der freien Menschheit in den deutschsprachigen Fürstentümern erst noch entwickeln, indem sich die philosophisch-poetisch Tätigen allerdings darauf beschränkten (oder wegen der Zensur darauf beschränken mussten), die inneren Gesetze der Persönlichkeit zu erforschen und kundzugeben.
Eine Frage, die aus heutiger Sicht – der Perspektive einer egoistisch vorherrschenden Ellenbogenmoral in Gesellschaft, Wirtschaft und Staat – vielleicht zu diskutieren wäre, könnte sich auf die vorgängigen Gründe des Verlusts emanzipierter Moralkonzepte der Aufklärungsperiode beziehen. Zu erörtern wäre ebenso Frage, ob die Bezeichnung ‚idealistisch‘ hinsichtlich der ausgewählten Schriften als ein generelles Bestimmungsmerkmal zutrifft oder ob sich darunter nicht auch moralphilosophische Argumentationsstränge befinden, die aus diesem Raster herausfallen, und die sich daher vielmehr als ‚antiidealistisch‘ oder sogar vielleicht als ‚utilitaristisch‘ charakterisieren lassen.

Erwartungen: Neugierde und Freude am Studium der Texte. Regelmäßige Teilnahme, um den Argumentations- und Diskussionsabläufen kontinuierlich folgen zu können.

Organisationsform: Impulsreferate von 5 bis 10 Minuten sind nach Absprache möglich. Aktive Teilnahme an den Seminargesprächen; kleine Essays als Leistungsnachweise.

DozentIn

TutorIn

Studienmodule

  • phi120 Grundlagen der Praktischen Philosophie und ihre Vermittlung

Für Gasthörende / Studium generale geöffnet:
Ja

Lehrsprache
deutsch

empfohlenes Fachsemester
--