Semester: Wintersemester 2015/2016

3.06.302 Repräsentationen des Politischen in Kunst und visueller Kultur


Veranstaltungstermine

  • Di., 26.01.2016, 18:00 - 20:00
  • Dienstag: 14:00 - 18:00, zweiwöchentlich

Beschreibung

Dass mit Bildern Politik gemacht wird, ist nicht erst mit den Kriegen und Terrorakten der jüngsten Zeit offensichtlich geworden; angesichts aktueller Flucht- und Vertreibungsbewegungen und der vielen im Mittelmeer Umgekommenen wird dieses Phänomen selbst sogar in der Bildzeitung thematisiert und reflektiert. Aber was ist "Politik"? Meist denkt man dabei an Regierende und deren Gesten, an Parteien, das Parlament, also etablierte, mit Macht ausgestattete Institutionen, die sich auf unterschiedliche Weise repräsentieren. Deren Darstellung(-geschichten) sind Gegenstand eines sich spätestens seit den achtziger Jahren aus der Disziplin der Kunstgeschichte heraus etablierten Schwerpunkts, nämlich der "Politischen Ikonografie". Verschiedene Einführungen, Handbücher und durchaus spannende historische Untersuchungen liegen vor. Was aber können wir heute angesichts unübersichtlicher politischer Verhältnisse, widerstreitender Bewegungen und angesichts einer durch die Entwicklung der Kommunikationstechnologien beschleunigten und zunehmend globaler werdenden Mobilität von Bildern mit den historischen Untersuchungen der Darstellungstraditionen anfangen, die sich nicht selten in reiner Motivgeschichte erschöpfen?
In der neueren, von Hannah Arendt und von poststrukturalistischen Befragungen essentialistischen Denkens inspirierten Politiktheorie wird eine Unterscheidung gemacht, die auch für Studien der visuellen Kultur eine nützliche Herausforderung darstellt: "Das Politische" oder die "politische Dimension" wird von "der Politik" unterschieden. Wird letztere als die Gesamtheit der Diskurse und Institutionen begriffen, deren Ziel es ist, Ordnung zu schaffen, so werden mit "dem Politischen" oder der "politischen Dimension" eher die Prozesse der Artikulation von Gemeinsamkeiten c und Abgrenzungen – gemeint (vgl. z.B. Bedorf &Röttgers 2010). Damit geht es um Praktiken der Subjektivierung auf dem Feld des Visuellen – in der Perspektive einer "radikalen Demokratie" (Chantal Mouffe) auch um die Hinterfragung jeder essentialistisch verstandenen "Identität".
Diese Perspektive lässt sich produktiv verbinden mit einem Begriff der Repräsentation im Sinne der Cultural Studies (Stuart Hall), die darunter nicht nur Stellvertretung eines Abwesenden, Nicht-Abbildbaren erfassen, sondern auch die Herstellung von Bedeutungen bzw. des Bedeuteten. Damit sind die Praktiken der Produktion von Sichtbarkeiten (und folglich auch des Unsichtbaren) in den Fokus zu rücken. – "visuelle Politiken" – von Fotograf_innen, Bildjournalist_innen, Künstler_innen und von auf verschiedenen Bühnen des Politischen Agierenden.
Wir werden uns gemeinsam über die thematischen Schwerpunkte bzw. Felder des Politischen in Gegenwart und Geschichte verständigen (Wünsche und spezifische können – sollen – eingebracht werden!). In der vierstündigen Seminarsitzungen werden sowohl Fallstudien als auch theoretische Texte bearbeitet und diskutiert werden.
Zur Vorbereitung und Anregung steht ein Handapparat in der Bibliothek zur Verfügung.

DozentIn

TutorIn

Studienmodule

  • inm720 Medientheorie und -geschichte: visuelle Medien
  • kum710 Theorie und Geschichte von Kunst und Medien
  • kum830 Kunst- und Mediengeschichte: Paradigmen und Interdependenzen

Lehrsprache
deutsch

empfohlenes Fachsemester
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