Semester: Wintersemester 2017/2018

3.01.057 Theorien zur Fantastik


Veranstaltungstermin

  • Montag: 08:00 - 10:00, wöchentlich

Beschreibung

Das Seminar gehört zur Übung 3.01.058. Nach Anmeldeschluss werden die Teilnehmer des Seminars 3.01.057 in die zugehörige Übung 3.01.058 importiert.


„Wenn es Wirklichkeitssinn gibt, muß es auch Möglichkeitssinn geben“ (Robert Musil)

In der fantastischen Literatur trifft man auf das (zunächst scheinbar) Andere, Fremde. Unheimliche Orte, Situationen und Wesen begegnen den Protagonistinnen und Protagonisten sowie auch den Leserinnen und Lesern. Die Gesetze und Vorstellung von der eigenen Realität werden in Frage gestellt, Unschlüssigkeiten über die eigene Wahrnehmung spielen ebenfalls eine Rolle. Damit fragt die fantastische Literatur ganz grundsätzlich danach, wie Welten aussehen könnten bzw. wie unsicher das scheinbar als sicher Wahrgenommene sein kann. Fantastische Literatur zeigt die Fähigkeit, „alles, was ebensogut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist“ (Musil).
Was genau ‚Fantastik‘ oder 'Phantastik' bedeutet, darüber wurde lange gestritten, unterschiedlich weite Definitionen wurden erprobt, Abgrenzungen zu anderen Genres vorgenommen (Fantasy, Science-Fiction, Märchen…). An diesem kritisch-theoretischen Diskurs möchte das Seminar anknüpfen und neben einem theoretischen Überblick einen historischen Abriss mithilfe ausgewählter fantastischer Texte wagen.
Die Primärtexte sind so gewählt, dass die konjunkturellen Hochphasen des Genres berücksichtigt werden. Die Romantik wird oft als Ausgangspunkt der modernen Fantastik bezeichnet. In ihren Texten finden sich Strukturen und Motive, die bis heute fantastische Texte prägen. Aus diesem Grund startet der historische Durchgang mit den um 1800 entstandenen Texten von E.T.A. Hoffmann. Nach einem Seitenblick auf die Fantastik im Ausland (Poe, Shelley, Stoker, Caroll) wird ein weiterer Schwerpunkt auf der fantastischen Literatur nach 1900 liegen, wobei hier insbesondere Texte von Franz Kafka in den Blick geraten.
Vor allem in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert sich dann im deutschsprachigen Raum eine kinder- und jugendliterarische Fantastik, die sich zur All-Age-Literatur entwickelte und mit Michael Ende ebenfalls in diesem Seminar berücksichtigt wird. Letztlich wird auch Phantastik der Gegenwart betrachtet, die in ihren verschiedenen medialen Ausprägungen sich in den letzten Jahren besonderer Popularität erfreut.

In dem Seminar wird es neben den gattungstheoretischen Fragestellungen auch darum gehen, nach den spezifischen Erzählweisen des Phantastischen und seinen typischen Motiven Ausschau zu halten und damit grundsätzliche literaturwissenschaftliche Techniken der Textanalyse- und interpretation zu wiederholen und zu festigen.
Die konkrete Seminarlektüre wird zu Beginn der Veranstaltung bekannt gegeben.

Prüfungsart: Referat + Ausarbeitung

DozentIn

TutorIn

Lehrsprache
deutsch

empfohlenes Fachsemester
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