Semester: Wintersemester 2015/2016

4.08.001 Die Mosaische Unterscheidung oder die Spur des Anderen: Kontroverse Judaistik im Spiegel der Kunstmoderne


Veranstaltungstermine

  • Fr., 23.10.2015, 14:00 - 16:00
  • Sa., 05.12.2015, 10:00 - 18:00
  • Sa., 07.11.2015, 10:00 - 18:00
  • Sa., 16.01.2016, 10:00 - 18:00
  • Sa., 19.12.2015, 10:00 - 18:00
  • Sa., 30.01.2016, 10:00 - 18:00

Beschreibung

Mit zwei Büchern hat der Heidelberger Ägyptologe Jan Assmann (s.u.) die Diskussion über das Wesen des Montheismus anhand der biblischen Mosesgestalt und dessen Rezeption neu entfacht. Bezüge zur heutigen Situation in Israel und Palästina fallen dabei nicht nur beiläufig in den Blick. Die mosaische Unterscheidung ist für Assmann jene, die zwischen wahr und falsch, zwischen rein und unrein, zwischen heilig und profan eine Grenze gezogen hat, den überwundenen Polytheismus negativ zeichnend. Der (polytheistische) „Moses der Ägypter“ wird dem (monotheistischen) „Moses der Hebräer“ gegenübergestellt, als der eigentliche Moses . Inwieweit Assmann sich dabei auf Überlegungen Sigmund Freuds zum „Mann Moses und die monotheistische Religion“ stützen kann, wird zu fragen sein, da Freud Moses zwar als Ägypter vorstellt - in der Differenzqualität des Monotheismus jedoch auch einen Dialog erkennt und auf das Nachwirken des Polytheismus im Monotheismus aufmerksam macht.
In diesem Seminar wird es darum gehen, Moses u.a. als Figur der Erinnerung zu rekonstruieren, als Träger der Differenzerfahrung von Sinnlichkeit und Reflexion welcher eng mit der Auseinandersetzung um Kultbild und Bilderverbot, aber vor allem mit der Einführung des ersten referenzlosen Zeichensystem, den hebräischen Buchstaben, verbunden ist. Damit ist der Diskurs der Kunst-Moderne aufgerufen, in welchem es u.a. um den Ausstieg aus dem (verdächtig gewordenen) Bild als (trügerischem, massenmedial gewordenem) „Fenster zur Welt“ geht, gepaart mit einer Aufwertung des Konzeptionellen, fokussiert auf zur Simulation fähigen Zeichenkonstellationen. Konfrontiert werden die Thesen Assmans obendrein mit jenen Deutungen Emmanuel Lévinas, die aus der Differenzqualität jüdischer Tradition nicht die Diskriminierung des Anderen, sondern ganz im Gegenteil, die Dialogstruktur judaischen Bewusstseins hervorhebt, als Aufnahme der „Spur des Anderen“ beispielsweise. Auch dies ein Paradigma, das die Kunst-Moderne zu zahlreichen Kommentaren inspirieren konnte.

Einführende Literatur:

  • Jan Assmann, Die Mosaische Unterscheidung oder der Preis des Montheismus,
München 2003
  • Jan Assmann, Moses der Ägypter. Entzifferung einer Gedächtnisspur, München 1998
  • Sigmund Freud, Der Mann Moses und die monotheistische
Religion. Schriften über Religion, Frankfurt am Main 1981
  • Sigmund Freud, Der Moses des Michelangelo, in: Sigmund Freud, Gesammelte Werke,
zehnter Band, Frankfurt am Main 1981 (7. Aufl.), S. 172 – 201
  • Edward W. Said, Freud und das Nichteuropäische, Zürich 2004
  • Friedrich Wilhelm Graf, Moses Vermächtnis. Über göttliche und
irdische Gesetze, München 2005
  • Emmanuel Lévinas, Die Spur des Anderen, Freiburg/München 1986
  • Emmanuel Lévinas, Eigennamen. Meditationen über Sprache und Literatur,
München/Wien 1988
  • Thomas Freyer/Richard Schenk (Hg)., Emmanuel Lévinas – Fragen an die Moderne,
Wien 1996
  • Cilly Kugelmann, Nicola Lepp und Daniel Tyradellis (Hgg.) Psychoanalyse.
Sigmund Freud zum 150. Geburtstag,Ausst.Kat. Jüdischen Museum Berlin, Berlin 2006
  • Jaques Derrida, Dem Archiv verschrieben. Eine Freudsche Impression, Berlin 1997

DozentIn

Studienmodule

  • PB 184 Jüdische Kultur und europäische Moderne
  • pb184 Jüdische Kultur und europäische Moderne
  • pb265 Interkulturelle Jüdische Studien
  • the941 Judentum in Vergangenheit und Gegenwart (Jüdische Studien)

Studienbereiche

  • PM 3: Religion, Geschichte und Philosophie
  • Studium generale / Gasthörstudium
  • Weitere Veranstaltungen

Für Gasthörende / Studium generale geöffnet:
Ja

Lehrsprache
deutsch

empfohlenes Fachsemester
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