Struktur und Profil des Instituts für Sozialwissenschaften

Für die Sozialwissenschaften steht das Spannungsverhältnis zwischen individuellen Handlungen und sozialen Strukturen im Zentrum des Interesses. Darüber hinaus setzen die Oldenburger Sozialwissenschaften auf eine Verknüpfung von Soziologie und Politikwissenschaft und orientieren sich am zentralen Unterschied zwischen diesen beiden Disziplinen: Während die Soziologie gesellschaftliche Ordnungen als Bedingung und Folge individuellen Handelns analysiert, stehen für die Politikwissenschaft das wissenschaftliche Studium politischer Prozesse und damit die Bedingungen und Folgen kollektiven Handelns im Mittelpunkt. 

Das Profil der Sozialwissenschaften in Oldenburg entsteht aus der Operationalisierung des Handlung-Struktur-Problems im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen Institutionen und Vergesellschaftungsprozessen. Aufbauend auf einem Theorie-Methoden-Fundament, das diesen Zusammenhang aus der Perspektive der Sozial- und Gesellschaftstheorie zu durchdringen sucht und mit einer soliden methodischen Basis verknüpft, wird die allgemeine Frage nach dem Verhältnis von Handlung und Strukturen für zwei Gegenstandsbereiche spezifiziert:

In der einen Säule wird das Spannungsverhältnis zwischen institutionellen Strukturen und Vergesell­schaftungsprozessen unter dem Titel Europäisierung und trans­nationale Prozesse aus der inter­sub­jektiv objektivierten Perspektive betrachtet. Der Wandel moder­ner Institutionen und Vergesell­schaf­tungsprozesse in einem zugleich entgrenzten und neu begrenzten sozialen Raum erfordert die Ana­lyse von Vergesellschaftungsprozessen und politischen Prozessen sowohl oberhalb als auch un­ter­halb der nationalstaatlichen Ebene, die zugleich Bezugsrahmen dieser Prozesse bleibt.

In der anderen Säule wird dieses Spannungsverhältnis aus der Ereignis- und Prozessperspektive betrachtet. Im Mittelpunkt stehen hier unter dem Titel "Selbstbildungen zwischen Inklusion und Exklusion" die die moderne Gesellschaft kennzeichnenden mehrstufigen Regime von Inklusion und Exklusion. Diese werden zum einen jeweils gesondert und zum anderen in ihrem inneren Zusammenhang analysiert und in ihrer Bedeutung für die Selbstbildung moderner Subjekte, ihrer Identitäten und ihrer Lebensformen untersucht.

Gekrönt werden diese beiden Säulen von empirischen Analysen von Vergesellschaftungs- und Regulierungsprozessen (etwa in Dissertationsprojekten und drittmittelfinanzierten Forschungsprojekten).