Aktuelle Nachrichten des Bereichs Sozialstrukturanalyse und Europaforschung

CES-Konferenz in Glasgow vom 12. bis 14.07.2017

Horizontal Europeanization: Europe as an emerging social entity between the national and the global sphere
Vorsitz: Martin Heidenreich

The Contested Constitution of Wage Coordinating Institutions in Social Services from a Multi-Scalar Perspective.
Nele Dittmar, Universität Linz

Diskutant: Juan Medrano, Universidad Carlos III de Madrid

Diskussionsveranstaltung „Demokratiekrise und soziale Ungleichheit in der EU“

Die Veranstaltung findet am Montag, 24.04.2017 im Rahmen unserer Vortragsreihe: „Europa zwischen Auflösung und Neustart“ statt. Es diskutieren: Prof. Dr. Hauke Brunkhorst, Professor für Soziologie an der Universität Flensburg und Prof. Dr. Martin Heidenreich, Professor für Sozialstrukturanalyse an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Leiter des Jean Monnet Centre for Europeanisation and Transnational Regulations (CETRO).

Flyer

Call Summer School "Identifications and Solidarity in Europe"

Internes Treffen der DFG-Forschergruppe in Siegen

Vom 23. auf den 24. März traf sich die DFG-Forschergruppe „Horizontal Europeanization“ in Siegen zu ihrem zwei Mal im Jahr stattfindenden Projektreffen, um sich über die noch bevorstehenden Vorhaben und  die ersten Ergebnisse auszutauschen.  Im Mittelpunkt des Treffens stand das Autorenmeeting für das geplante Sonderheft bei der Österreichischen Zeitschrift für Soziologie zum Thema Macht und Gegenmacht. Weiterhin wurden erste Ergebnisse der zweiten Förderphase aus den einzelnen Teilprojekten präsentiert, sowie zwei laufende Promotionsvorhaben des wissenschaftlichen Nachwuchses der Forschergruppe.

Disputation Katharina Zimmermann

Katharina Zimmermann hat ihr Promotionsverfahren mit dem Titel "Europäisierung durch Regionalpolitik – die Rolle des Europäischen Sozialfonds in der lokalen Arbeitsmarktpolitik" am 27.02.2017 erfolgreich verteidigt.

Erstgutachter Martin Heidenreich, Zweitgutachter Paolo Graziano – Uni Padua
weitere Kommissionsmitglieder: Prof. Dr. Markus Tepe, Prof. Dr. Jannika Mattes, Prof. Dr. Ingo Mose (alle Uni Oldenburg)

 

 

Zusammenfassung

Katharina Zimmermann
Europäisierung durch Regionalpolitik – die Rolle des Europäischen Sozialfonds in der lokalen Arbeitsmarktpolitik

Europäische Wohlfahrtstaaten haben in den letzten Jahren viele Veränderungen erlebt; hierzu gehört auch eine verstärkte Tendenz zur Dezentralisierung von finanzieller und administrativer Verantwortung und eine stärkere Betonung lokaler Autonomie in der Umsetzung von Politikprogrammen. Gerade im Zuge von Aktivierungspolitiken werden vor allem auf lokaler Ebene angesiedelte soziale Dienstleistungen mit traditionell national regulierten Arbeitsmarktpolitiken verknüpft. Auf der europäischen Ebene können wir zudem seit den späten 1980er Jahren beobachten, dass die Steuerungsinstrumente der EU-Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik vor allem die Implementationsstrukturen der Mitgliedstaaten in den Fokus nehmen, und darauf abzielen, über prozedurale Mechanismen eine verstärkte Koordination und Harmonisierung der nationalen Politiken zu erreichen. In diesem Zusammenhang hat der Europäische Sozialfonds (ESF) eine große Bedeutung erlangt. Eine Förderung für Mitgliedstaaten aus dem ESF ist sowohl an inhaltliche Umsetzungsbedingungen als auch prozedurale Anforderungen gebunden, und die Implementationsmechanismen des ESF sind stark regionalisiert.

Vor diesem Hintergrund untersucht die vorliegende Studie die Rolle des ESF in lokalen Arbeitsmarktpolitiken in 18 europäischen Städten. In jeweils drei Fällen in sechs verschiedenen europäischen Wohlfahrtstaaten (Italien, Frankreich, Polen, Schweden, Vereinigtes Königreich und Deutschland) wurde unter Rückgriff auf Feldtheorien und die politikwissenschaftliche Europäisierungsliteratur untersucht, unter welchen Bedingungen lokale Akteure den ESF nutzen und wann es zu einem ESF-induzierten Wandel lokaler Felder kommt. Die Ergebnisse zeigen, dass Nutzung und Wandel größtenteils unabhängig von nationalen Wohlfahrts- und Aktivierungssystemen erfolgt, und dass sich drei verschiedene Typen von Nutzung und Wandel abzeichnen. Im ersten Typus kann weder Nutzung noch Wandel beobachtet werden, was damit erklärt werden kann, dass in diesen Fällen ein stabiles Feld, geringe Fördermöglichkeiten, und eine eher schwache Ausstattung der lokalen Akteure mit den relevanten Handlungsressourcen gegeben ist. Im zweiten Typus kann Nutzung beobachtet werden, jedoch kein Wandel. Hier sind die lokalen Akteure vor dem Hintergrund eher instabiler lokaler Situation stärker an den ESF-Geldern interessiert. Allerdings fehlt eine tiefergehende kognitive Nutzung des ESF, was in Kombination mit einer nur schwach ausgeprägten öffentlichen Unterstützung und Legitimierung dazu führt, dass sich die Nutzung nicht in das Routineprogramm des Feldes einfügen kann und einen tiefergreifenden Wandel verhindert. Dies ist im dritten Typus – in dem sich sowohl Nutzung als auch Wandel finden – anders; hier kann beobachtet werden, dass die öffentliche Hand die ESF-Nutzung legitimiert und unterstützt, und dass die Nutzung der Gelder ein tiefergehender Prozess ist. Dies führt vermutlich zu dem gemessenen Wandel in verschiedenen Dimensionen der lokalen Felder.

14:00 Uhr, Campus Haarentor, A6-4-411

Drawing on Easton’s political system approach we identify the 2004, 2009 and 2014 European elections and the financial and economic crisis as inputs to the EU political system. On the output side, social policy has been substantially removed from the priorities of the EU political agenda already prior to the crisis. To understand this discrepancy between input and output we ask if and how inputs have altered power relationships among core actors in the system. We argue that although crisis-generated demand could have predicted European social policies becoming more relevant in order to cope with the crisis, support in form of election results empowered actors interested in deepening economic integration and austerity policies. We present new empirical data contributing to this argument from different perspectives and sources.

Disputation Norbert Petzold

Norbert Petzold hat sein Promotionsvorhaben mit dem Titel “Individualisation as a way to exit long-term benefit receipt? The link between long-term beneficiaries’ appropriations of German minimum income scheme and their life planning" am 15.02.2017 erfolgreich abgeschlossen.

Erstgutachter war Prof. Dr. Martin Heidenreich, Zweitgutachterin PD Dr. Irene Dingeldey (Universität Bremen). Weitere Kommissionsmitglieder waren Prof. Dr. Michael Feldhaus, Prof. Dr. Jannika Mattes und Prof. Dr. Ute Koglin (nicht auf dem Foto).

Zusammenfassung

PhD thesis Norbert Petzold “Individualisation as a way to exit long-term benefit receipt? The link between long-term beneficiaries’ appropriations of the German minimum income scheme and their life planning regarding benefit receipt”

Against the background of a high incidence of long-term benefit receipt, i.e. entitlement duration of two years and more, and an increasing focus of interventions on the individual beneficiary, the dissertation of Norbert Petzold studies how individualised policies within the German minimum income scheme (German MIS) serve long-term beneficiaries as a way out of benefit receipt. In this regard, individualisation can be considered as a paradigm and strategy of activation policies, which puts an emphasis on individual beneficiaries in order to increase chances and effectiveness of their exits from minimum income schemes. It is argued that the individualisation paradigm is institutionally manifested in three dimensions (“integrated services”, “conditionality”, “personalisation”), which address previously separated action fields of appropriating the institutional context of a minimum income scheme and individual life planning regarding benefit receipt in a combined way: beneficiaries are requested to exit entitlement by means of individualised policies. This means that beneficiaries of the German MIS are expected to make use of services in order to improve their individual employability, to meet conditions of conduct in order to prevent welfare dependency, and to inform their case workers on their personal situation in order to allow specifying reasons for and solutions of their entitlements.

By applying an agency approach considering different temporal orientations of actors and a qualitative research design, the link between the two strands of appropriating the institutional context, on the one hand, and individual life planning regarding benefit receipt, on the other hand, is reconstructed and presented in the form of an empirically grounded typology. The systematic analysis of 22 problem-centred interviews with long-term beneficiaries of the German MIS shows that individualised policies are ridden with prerequisites, which impede exiting from benefit entitlement by means of the institutional context. First, the empirical data reveals that subjective balances of one’s life are decisive for life plans, which can be in opposition to assumptions made by the individualisation paradigm. Second, only „expertise“ appropriations of the institutional context allow beneficiaries to use individualised policies as means to implementing plans, while the kind of individual life planning is decisive for how these means are applied. Overall, the limitations of individualised activation are illustrated by the fact that it requires the specific combination of “expertise” appropriations of the institutional context of the German MIS and a long-term life planning directed at improving individual employability in order to be meaningfully translated at the individual level.

13:00 Uhr, Campus Haarentor, A6-4-411

Inwiefern beeinflussen die institutionellen Bedingungen der Tarif- und Mindestlohnsysteme oder die Branchenbedingungen die Strategien der Tarifpartner im Hinblick auf die Anhebung der unteren Löhne? Der Vergleich der verschiedenen Systeme soll dazu dienen, die Wirkmächtigkeit des seit 2015 eingeführten Mindestlohns einzuschätzen

Disputation Sabine Israel

Sabine Israel hat ihre Dissertation mit dem Titel "Essays on the political economy of health and living conditions in Europe" am 14.06.2016 erfolgreich verteidigt. 

Erstgutachter war Prof. Dr. Martin Heidenreich,
Zweitgutachter Prof. Dr. Olaf von dem Knesebeck.

Zusammenfassung

Das Ziel des Dissertationsprojekts ist es, die europaspezifischen Einflussfaktoren auf sozial verursachte Gesundheitsrisikofaktoren zu klären. Während die EU schon vor der Finanzkrise durch ihre Rolle als Gesetzgeber, Koordinierungsplattform und globaler Akteur einen starken Einfluss auf öffentliche Gesundheit hatte, ist dieser durch ihre finanzpolitischen Steuerungsmaßnahmen in den letzten Jahren noch gewachsen. Das Theorem der politischen Ökonomie der Gesundheit besagt, dass solche makroökonomischen Veränderungen die öffentliche Gesundheit nachhaltig beeinflussen. Im Rahmen der Wirtschafts- und Sozialkrise in Europa kann man dies unter anderem daran festmachen, dass Haushalte vermehrt schlechten Lebensbedingungen, sowie Deprivation und Schuldenproblemen ausgesetzt sind. Auch der universelle Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen konnte nicht in allen Ländern der Peripherie garantiert werden. Personengruppen mit geringem sozio-ökonomischem Kapital, insbesondere in Ländern der Peripherie, sind deshalb einem höheren Risiko krank zu werden ausgesetzt. Eine zentrale Frage ist deshalb wie sich der Gesundheitsstatus von Personen mit geringem Einkommen in der EU verändert hat und durch welche Mechanismen ein erhöhtes Risiko wieder verringert werden kann. Können Sozial- und Gesundheitspolitiken einkommensbezogene Gesundheitsungleichheiten schlichten? Mit Hilfe von EU-SILC Querschnittsvergleichen soll das Projekt genau diese Fragen beleuchten und einen Überblick über den Einfluss der Europäisierung der öffentlichen Gesundheit bieten.

Disputation Katharina Krüth

Katharina Krüth hat Ihre Dissertation REGIONALE INNOVATIONSNETZWERKE IN FRANKREICH
Das Zusammenspiel von Nähe, Kooperation und Lernen innerhalb der pôles de compétitivité
erfolgreich verteidigt. Erstgutachter war Prof. Dr. Christoph Barmeyer, Zweitgutachter Prof. Dr. Martin Heidenreich.

Unter den Bedingungen des globalen Wettbewerbs sind Unternehmen heutzutage zunehmend auf externes Wissen für die Hervorbringung von Innovationen angewiesen. Sowohl für die Entwicklung als auch für die Vermarktung von neuen Produkten müssen Unternehmen mit externen Wissensanbietern wie z.B. Konkurrenten und Zulieferern, Anbietern von wissensintensiven Dienstleistungen, gemeinnützigen Organisationen und Stiftungen, Forschungseinrichtungen und Universitäten zusammenarbeiten. Dieses von unterschiedlichen Akteuren stammende, oft hochspezialisierte und heterogene Wissen muss in Innovationsprozesse kohärent integriert werden. Vor diesem Hintergrund können die Organisation und Koordination interorganisationaler Wissenstransfer-und Lernprozesse als entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit und das Wachstum von Unternehmen und Industrien gesehen werden.

Die Konferenz rückt aktuelle Themen kollaborativer Innovationsprozesse, der Organisation verteilter Wissensproduktion und daraus resultierende Herausforderungen für das Innovationsmanagement in den Fokus. Das Ziel der Konferenz liegt im Aufdecken der zugrundliegenden Faktoren, zu denen z.B. sektorale Rahmenbedingungen, unternehmensübergreifende
Innovationsstrategien, interorganisationale Strukturen, Governance von Wissenstransfer, sowie die Rekontextualisierung von Wissen zählen.

Über soziale Ungleichheiten in den Mitgliedsstaaten der EU mit ihren gesellschaftspolitischen Auswirkungen u. a. auf die Flüchtlingskrise und auf den Zusammenhalt in der EU spricht Moderator Adolf Schröder mit Prof. Dr. Martin Heidenreich vom Jean Monnet Centre for Europeanisation and Transnational Regulations, das am Institut für Sozialwissenschaften an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg an gesiedelt ist.

Midterm-Workshop

Am 24. und 25. September 2015 hat die Forschergruppe Europäische Vergesellschaftung einen Midterm-Workshop veranstaltet zum Thema Dynamiken transnationaler sozialer Ungleichheiten in Europa. Eine doppelte Dualisierung der europäischen Gesellschaften?

SSH perspectives on the new policy initiative for the Long-Term Unemployed

On September 17 the European Commission adopted a proposal for a Council Recommendation on the integration of the Long-Term Unemployed (LTU) into the labour market. Long-term unemployment is one of the key challenges of the jobs and growth agenda set out in the Commission’s Annual Growth Survey 2015 . President Juncker’s Political Guidelines identify the toll of unemployment as a key political challenge and the initiative is in line with the President's vision for a "Social Triple A".