STEFANIE SCHNIERING

PromotionsstipendiatIN

Promotionsprojekt

Pflegende zwischen Fürsorge und Selbstsorge - die ambulantsche pflegerische Versorgung alleinlebender Menschen mit Demenz 

Zusammenfassung des Dissertationsvorhabens

Voraussetzung für gute Pflege ist neben korrektem instrumentellem und strategischem Handeln das Vorliegen einer ethischen Grundhaltung der Fürsorge. Diese Grundhaltung sorgt für die Motivation, auch tatsächlich das zu tun, von dem Pflegende wissen, dass es für die zu Pflegenden das Beste ist. Besonders im letzten Jahrzehnt haben sich die Arbeitsbedingungen in der Pflege erheblich verschlechtert, so dass Pflegende ihre Ansprüche an gute Pflege oftmals nicht mehr realisieren können. Eine Strategie des Umgangs mit diesem Konflikt besteht auf Seiten der Pflegenden darin, auf Kosten der eigenen Erholungszeit unentgeltlich erforderliche Pflegeleistungen zu erbringen. Der Konflikt spitzt sich im ambulanten Sektor zu, wenn der Erhalt oder Nichterhalt des Anspruchs auf Fürsorge und Patientenorientierung von notwendigen Pflegeleistungen aufgrund mangelnder Finanzierung und der fehlenden Unterstützung informeller Helfer, wie z.B. Angehörigen, ausschließlich von den involvierten Pflegenden und von ihrer Bereitschaft, Abstriche bei ihrer eigenen Selbstsorge zu machen, abhängig zu sein scheint. Aus diesen zugespitzten Situationen können nicht ausgewogene Fürsorge-Selbstsorge-Verhältnisse mit ungünstigen Folgen für Pflegende wie auch für zu Pflegende resultieren.

Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Forschungsfrage:

  • Welche Handlungs- und Deutungsmuster leiten Pflegende bei dem Widerspruch zwischen Fürsorge und Selbstsorge in der ambulanten Pflege am Beispiel alleinlebender Menschen mit einer Demenzerkrankung?

Anliegen dieses Promotionsprojekts ist es, die Situ­ation der Pflegenden in der ambulanten pflegerischen Versorgung alleinlebender Menschen mit Demenz theoretisch reflektiert empirisch zu untersuchen. Es zielt auf die Rekonstruktion des Stellenwerts von Fürsorge und Selbstsorge im Selbstbild der Pflegenden und auf der Ebene des alltäglichen Handelns im Bewusstsein der Pflegenden. Außerdem wird die Identifikation von äußeren und inneren Einflussfaktoren auf den Aushandlungs­prozess der Pflegenden zwischen Fürsorge und Selbstsorge angestrebt. Das Projekt verortet sich in der Kritischen Theorie.

Kurzvita

Stefanie Schniering studierte an der HAW Hamburg Pflege (Diplom). Seit 2010 arbeitet sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen, Institut für Public Health und Pflegeforschung im Studiengang Pflegewissenschaft und in Forschungsprojekten der Abteilung Qualifikations- und Curriculumforschung.

Arbeits- und Forschungsschwerpunkte

  • Sorge im Kontext von Pflege
  • Qualitative Forschungsmethoden
  • Neue Medien in der Pflegebildung

Posterpreis

1. Platz der wissenschaftlichen Posterpräsentationen im Rahmen des Wiener Pflegekongresses 2015. Titel des Posters: „,Da muss man wirklich aufpassen, dass man sich nicht zu sehr rein kniet‘ – Pflegende zwischen Fürsorge und Selbstsorge“.

 

Kontakt

Dipl.- Pflegewirtin Stefanie Schniering

Universität Bremen
Institut für Public Health und Pflegeforschung
Grazer Straße 4
D-28359 Bremen

E-Mail: stefanie.schniering(at)uni-bremen.de