Partizipantenbezogene Adverbien im Polnischen und Russischen

Martin Renz

Polnisch und Russisch sind Sprachen, die – in ähnlicher Weise wie das Englische – mit formalen (d.h. morphologischen) Mitteln zwischen Adjektiven und Adverbien unterscheiden. Sowohl Adjektive als auch Adverbien können in diesen Sprachen in der Funktion eines Adjunkts auftreten, also als fakultative, nicht-obligatorische (“weglassbare”) Satzelemente. Die ausdrucksseitige Differenzierung Adjektiv–Adverb spiegelt in dieser syntaktischen Funktion (zumindest typischerweise) eine inhaltliche Differenzierung zwischen Partizipanten- und Ereignisbezug wider. In einem polnischen Satz wie z.B. Piotr poszedł do domu bosyADJ ‘PeterP ist barfußP nach Hause gegangen’ signalisiert die Kodierung des Adjunkts bosy ‘barfuß’ als (in Kasus, Numerus und Genus kongruierendes) Adjektiv dessen inhaltliche Orientierung auf den Ereignisbeteiligten Peter. (Ein in der Linguistik weit verbreiteter Terminus für derartige partizipantenbezogene Adjunkte ist “sekundäres Prädikat”.) In einem Satz wie beispielsweise poln. Piotr szybkoADV poszedł do domu ‘Peter ist schnellE nach Hause gegangenE’ signalisiert hingegen die Kodierung des Adjunkts szybko ‘schnell’ als Adverb, dass dieses Satzelement inhaltlich auf das Ereignis bezogen ist (hier z.B. spezifiziert es die Geschwindigkeit, mit der das Ereignis vonstatten geht). Neben dieser – nicht nur für das Polnische, sondern u.a. auch für das Russische – typischen Konstellation, bei der Partizipantenbezug von (in verschiedener Weise kongruierenden) Adjektiven und Ereignisorientierung von Adverbien ausgedrückt wird, begegnen jedoch (insbesondere im Polnischen) auch solche Konstruktionen, bei der ein inhaltlich klar partizipantenbezogenes Adjunkt nicht wie zu erwarten als Adjektiv, sondern als Adverb ausgedrückt wird, so z.B. in poln. Piotr poszedł do domu bosoADV ‘PeterP ist barfußP nach Hause gegangen’. Mit dem Dissertationsprojekt zu partizipantenbezogenen Adverbien im Polnischen und Russischen ist auf Grundlage von Korpusanalysen in erster Linie eine Beschreibung der Distribution solcher Adverbien beabsichtigt, wobei (ggf. unter Zuhilfenahme von Methoden der analytischen Statistik) geklärt werden soll, welche lexikalisch-semantischen Klassen von Adverbien in welchen syntakto-semantischen Klassen von sekundären Prädikaten überhaupt eine Rolle spielen und – im Falle von morphosyntaktischer Variation zwischen partizipantenbezogenen Adverbien und Adjektiven – mit welchen Faktoren die Wahl von Adverb bzw. Adjektiv korreliert.

Weitere Informationen hier PDF-Dokument (Poster für den DoktorandInnen-Tag 2009 der Fakultät III, Universität Oldenburg)