Zur Variation zwischen reinem Dativ und präpositionaler Markierung mit dla 'für' in ostpolnischen Dialekten

Dr. Lars Behnke

Ostpolnische Dialekte befinden sich in der sprachlichen Kontaktzone zwischen polnischen, ostslavischen und litauischen Varietäten und weisen eine Vielzahl kontaktbedingter Phänomene auf. Die Studie nimmt den Gebrauch von präpositionalen Konstruktionen mit dla 'für' in dativischen Kontexten in den Blick und zeigt auf der Grundlage einer empirischen Korpusstudie, dass der als expansiv wahrgenommene Gebrauch von ostpolnischem dla als Kompromissform, oder "Fudge", zwischen konkurrierenden Konstruktionen in den Kontaktsprachen aufgefasst werden kann und nicht als weiteres Entwicklungsstadium im "internen" Ausbreitungsprozess von dla, der unabhängig von der Kontaktlage in allen slavischen Kontaktsprachen registriert wird, darunter auch in ostpolnischen Dialekten selbst. Die Studie schließt sich an Untersuchungen an, die "Variation" zwischen konkurrierenden morphosyntaktischen Markierungen von Nominalgruppen als synchrone Momentaufnahme diachroner Wandelprozesse begreifen und wendet die Ergebnisse dieser Forschung auf dialektales Material an, wobei sie neben strukturellen Einflussfaktoren der Markierungswahl auch unterschiedliche areale Präferenzen beschreibt.