Spezifika der Konstituierung des belarussischen Literaturfeldes

Gemeinhin gilt das Jahr 1905 als das ‚Geburtsjahr‘ der modernen belarussischen Nationalliteratur und gelten die 1920er Jahre bereits als deren ‚Blüte‘, die durch die Repressionen der 1930er Jahre beendet wird. Die im Rahmen dieses Teilprojekts entstehende Monographie nimmt die derart in das Modell ‚Geburt – Blüte – Niedergang‘ eingeschriebenen drei Jahrzehnte erstmals unter feldtheoretischer Perspektive systematisch in den Blick. Vermittels feldtheoretischer Parameter wie Institutionalisierung und Autonomisierung wird die Entwicklung der belarussischen Literatur als ein zwischen ‚Konstituierung‘ und ‚Perversion zum Apparat‘ aufgespannter hochkomplexer Prozess konzeptualisierbar. Dieser Ansatz betreibt einerseits eine gewisse ‚Entmythologisierung‘ der belarussischen Literatur, z. B. hinsichtlich ihrer Anschlussfähigkeit an die europäische Moderne; gleichzeitig treten auf institutioneller, poetologischer und ästhetischer Ebene Spezifika in den Blick, die bislang unbeachtet bzw. unhinterfragt geblieben sind.

Die Ergebnisse dieses Projektes leisten einen Beitrag sowohl zur systematischen Erschließung der belarussischen Literatur als auch zur Flexibilisierung des feldtheoretischen Modells, insbesondere hinsichtlich seiner Tauglichkeit zur heuristischen Beschreibung ‚kleiner‘ Literaturen.

 

Projektbearbeitung: Gun-Britt Kohler