Projekt:

Förderung konstruktiver Konfliktbewältigung an der Schule: Implementierung und Evaluation eines Konfliktschlichtertrainings an niedersächsischen Schulen


In diesem Projekt begleiten und evaluieren wir eine spezifische Maßnahme zur Gewaltprävention an Schulen: die Ausbildung von SchülerInnen zu KonfliktschlichterInnen. Diese Evaluationsstudie wird durch den Forschungsverbund Friedens- und Konfliktforschung in Niedersachsen gefördert. Die erste Phase der Studie ist abgeschlossen und in dem Band "Friedens- und Konfliktforschung in Niedersachsen" erschienen. Zur Zeit führen wir eine Follow-up-Studie der mittelfristigen Effekte durch.

Im Rahmen dieses Programms werden SchülerInnen der 8. Klassenstufe an verschiedenen Schulen über ein Schuljahr hinweg zu KonfliktschlichterInnen ausgebildet. Begleitend dazu werden an den erstmalig teilnehmenden Schulen jeweils zwei Lehrer qualifiziert, die das Programm längerfristig eigenständig an der Schule weiterführen sollen.

Die Ausbildung der Mediatoren übernimmt der Jugendhof Steinkimmen, eine Jugendbildungsstätte, die ein entsprechendes Konzept zu Konfliktschlichterschulungen erarbeitet und an verschiedenen Schulen durchgeführt hat. Grundidee dieses Programms ist es, kommunikative Kompetenzen von SchülerInnen zu trainieren, so dass sie als MediatorInnen schlichtend in Schülerkonflikte eingreifen können. Zugleich werden LehrerInnen zur Ausbildung von Schüler-MediatorInnen qualifiziert. Damit wird das Potential des sozialen Netzwerks der SchülerInnen genutzt, ohne direktes Eingreifen von Erwachsenen Konflikte zu schlichten und Gewaltopfer zu unterstützen. Durch die gleichzeitige Schulung von Lehrkräften soll eine nachhaltige Verankerung des Programms an der Schule gewährleistet werden.

Inhaltlich behandelt die Ausbildung der Konfliktschlichter folgende Bausteine:

  • Baustein I: Einstiegsphasezum Kennenlernen und Festlegen der Gruppenregeln
  • Baustein II: Konflikte: Erkennen-Analysieren-Diagnostizieren
  • Baustein III: Kommunikation: Wahrnehmungsschärfung, Kommunikationsübungen
  • Baustein IV: Entscheidungen: Macht, Regeln, Interessenausgleich
  • Baustein V: Mediation: Verfahren, Gesprächsphasen, Training
  • Baustein VI: Implementierung in den Schulalltag: Regelstrukturen entwickeln und verankern

In der Evaluation begleiten wir das Konfliktschlichterprogramm an verschiedenen (Haupt- und Real)Schulen. Eine der Schulen setzt das Konfliktschlichterprogramm bereits seit zwei Jahren um, die anderen führen es mit Beginn unserer Studie erstmalig durch.

In unsere Erhebung beziehen wir sowohl die angehenden und bereits tätigen Schüler-MediatorInnen ein als auch ihre MitschülerInnen der Klassenstufen 6 bis 9 sowie die an dem Programm beteiligten Lehrkräfte. Zum einen werden summativ die Trainingserfolge der teilnehmenden SchülerInnen und die Effekte des Konfliktschlichtertraininings auf den Umgang mit Konflikten und das sozial-emotionale Klima der Schulklassen überprüft. Zudem wird im Sinne einer formativen Evaluation untersucht, welche Bedingungen des Trainings sowie des schulischen Umfelds die beteiligten Schüler und Lehrer als günstig bzw. hemmend für die Umsetzung des Konfliktschlichtermodells erleben.

Hierbei werden sowohl qualitative als auch quantitative Methoden der Datenerhebung - und auswertung eingesetzt. Trainings- und Lernerfolge der teilnehmenden Jugendlichen werden nach Trainingsabschluss sowie in einer Follow-up-Erhebung geprüft. Hinsichtlich des Erfolgs der Implementierung werden die Nachfrage und Zufriedenheit mit dem Konfliktschlichterangebot erhoben. Auch werden die Konfliktschlichter zu ihren Erfahrungen befragt. Zur Prüfung der Effekte des Konfliktschlichterprogramms auf das soziale Miteinander an den beteiligten Schulen werden zu verschiedenen Messzeitpunkten die Prävalenz von (verbaler und physischer) Gewalt, die Verfügbarkeit konstruktiver Konfliktlösungen sowie das sozial-emotionale Klima der Schulklassen erfasst.

Auf diese Weise können wir das Konfliktschlichtertraining auf verschiedenen Ebenen einschätzen:

  • Einschätzung der Lern- und Trainingseffekte der KonfliktschlichterInnen:Vermittelt die Ausbildung zum Konfliktschlichter erfolgreich das gewünschte soziale Wissen und die sozialen Fertigkeiten? Kennen die KursteilnehmerInnen nach Abschluss die Grundregeln der Mediation? Haben sie, wie beabsichtigt, soziale Fertigkeiten hinzugewonnen? Verfügen sie auch einige Zeit nach Abschluss des Trainings noch über diese Kenntnisse und Fertigkeiten und wenden diese in der Konfliktschlichtung an?
  • Einschätzung der Effekte des Konfliktschlichterprogramms auf das soziale Miteinander an der Schule: Verändert sich das soziale Klima der Klassen? Vermindern sich Gewaltvorfälle in der Schule und setzen die SchülerInnen der beteiligten Schulen zunehmend konstruktive Konfliktlösungen ein?
  • Einschätzung der längerfristigen Umsetzung und der Akzeptanz an der Schule: Welche Erfahrungen haben die LehrerInnen und SchülerInnen der Schule, die das Schlichterkonzept bereits seit längerem umsetzt? Wird das Programm von KollegInnen bzw. MitschülerInnen akzeptiert und genutzt? Welche Arten von Konflikten werden in erster Linie in Schlichtungsgesprächen thematisiert? Gibt es bestimmte für die Umsetzung des Programms förderliche oder auch hinderliche Bedingungen an der Schule?
 

Kontakt

Prof. Dr. Ulrich Mees; Dr. Annette Schmitt
Abteilung Umwelt und Kultur
Fakultät IV, Institut für Psychologie
Universität Oldenburg