Nachhaltige Produktionswirtschaft

Erkenntnisinteresse

Unser gegenwärtiges Wirtschaften und unser Lebensstil sind langfristig nicht für die Erde tragbar. Der Klimawandel, die Versauerung und Verschmutzung der Meere, der Verlust an Biodiversität und chemische Umweltemissionen sind nur einige der Umweltprobleme, die globale Dimensionen erreicht haben. Zusätzlich bestehen soziale Probleme wie intolerable Arbeitsbedingungen und sogar Zwangsarbeit fort. In ökonomischer Hinsicht war die globale Finanzkrise 2008 durch systemische Risiken im Finanzbereich ausgelöst worden. Diese Nachhaltigkeitsprobleme werden zu weiten Teilen von den Produktions- und Dienstleistungsprozessen von Unternehmen verursacht. Bedauerlicherweise haben Unternehmen aufgrund von negativen Externalitäten und der Allmendeproblematik in aller Regel jedoch kein Eigeninteresse, aus gesellschaftlicher Sicht wünschenswerte Alternativen zu verfolgen. Das Forschungsgebiet des nachhaltigkeitsorientierten Produktionsmanagements beschäftigt sich daher mit der Fragestellung, unter welchen Bedingungen Unternehmen veranlasst werden (könnten), nachhaltigere Lösungen zu verfolgen und wie solche Lösungen aussehen. Es ist mithin generell durch ein Spannungsfeld zwischen der normativen Grundorientierung des Nachhaltigkeitspostulats und dem empirisch zu beobachtenden Unternehmenshandeln sowie durch eine interessante Dynamik zwischen den zwei Analyseebenen Unternehmen und System gekennzeichnet.

Forschungsschwerpunkte

Die Forschung des Lehrstuhls verfolgt wie in der folgenden Abbildung dargestellt vier Perspektiven, um Lösungen zu nachhaltigerem Produktionsmanagement zu erklären oder sogar zu antizipieren.

  1. Zunächst stellt das Nachhaltigkeitskonzept eine Klammer dar, unter der zahlreiche einzigartige Probleme subsumiert werden. Der durch den anthropogenen Treibhauseffekt induzierte Klimawandel wird momentan gemeinhin als das größte dieser Probleme betrachtet. Daher fokussiert sich der erste Forschungsstrang auf das Teilproblem Energieverbrauch und CO2 im Produktionsmanagement und beschäftigt sich speziell mit Fragen der Messung und Vermeidung.
  2. Unternehmen sind dann besonders geneigt, nachhaltige Lösungen in ihren Wertschöpfungsketten zu verfolgen, wenn das Nichtbefolgen mit wirtschaftlichen Risiken für sie verbunden ist. Deswegen beschäftigt sich der zweite Forschungsstrang mit dem besseren Verständnis solcher Nachhaltigkeitsrisiken als kausalem Mechanismus.
  3. Gelegentlich sind nachhaltigere Lösungen vorstellbar, die in der Realität noch nicht existieren. Der dritte Forschungsstrang beschäftigt sich mit solchen Nachhaltigkeitsinnovationen als Instrument.
  4. Das in der internationalen betriebswirtschaftlichen Forschung etablierte Rollenverständnis stellt fast ausschließlich darauf ab, die real existierende Welt möglichst gut zu erklären. Im Gegensatz dazu folgt aus dem Nachhaltigkeitspostulat die Notwendigkeit, neue Lösungen zu entwickeln. Daher wird im vierten Forschungsstrang das Rollenmodell der Betriebswirtschaftslehre kritisch hinterfragt. Im Zuge dessen beschäftigen wir uns mit dem besseren Verständnis der Lücke zwischen Forschung und Praxis sowie mit der Weiterentwicklung adäquater Forschungsmethoden.

Forschungsausrichtung

Wir beschäftigen uns mit Problemen, die wir für gesellschaftlich oder betriebswirtschaftlich besonders relevant erachten sowie mit Barrieren, die der Durchführung relevanter Forschung im Wege stehen. Diese Probleme wollen wir so rigoros wie möglich adressieren, um zu neuen Einsichten zu gelangen (konzeptionelle Relevanz) oder innovative Anwendungen in der Praxis zu ermöglichen (instrumentelle Relevanz) bzw. um neue Pfade für die Forschung zu eröffnen (Grundlagenforschung). Das Spektrum der in der Vergangenheit eingesetzten Methoden ist überaus vielfältig (vgl. die obige Abbildung), da wir stets die jeweils angemessensten Methoden einzusetzen bestrebt sind. Fallstudien, Sekundärdatenanalysen, designorientierte Forschung und konzeptionelle Analysen setzen wir besonders häufig ein. Die Ergebnisse unserer Forschung wollen wir primär in führenden internationalen Fachzeitschriften publizieren. Zur Förderung der Praxiswirkung verfassen wir außerdem gelegentlich Artikel in nationalen Transferzeitschriften.