Warum studieren so wenig Frauen Physik?,

fragte Dorothea Witt aus Oldenburg, SarahFalke antwortete

Dafür gibt es eigentlich gar keinen Grund! Ich werde dennoch versuchen die Ursachen und Gründe für den zwar in den letzten Jahren deutlich angestiegenen, jedoch mit 15% - 25% immer noch geringen Frauenanteil beim Physikstudium beleuchten. Ein Problem ist, dass viele Mädchen bereits während ihrer frühkindlichen Entwicklung bis hin zur Pubertät ein Rollenbild vorgelebt bekommen, zum Beispiel durch Fernsehsendungen oder im familiären Bereich, bei dem wenig Wert auf technischen Verständnis oder mathematische Fähigkeiten gelegt wird. Dabei ist im Gegenteil unser heutiges Leben so durchdrungen von Technik wie noch nie.

Häufig herrscht für Mädchen und junge Frauen zudem einen Mangel an weiblichen Vorbildern im Bereich der Physik, da sowohl der Frauenanteil im Berufsstand Physiklehrer als auch im Rahmen der öffentlich bekannten Physikerinnen extrem gering ist. Seit einiger Zeit wird gezielt versucht, Interesse für Berufe im sogenannten MINT-Bereich (Mathematik-Informatik-Naturwissenschaften-Technik) bei Schülerinnen zu wecken. Die aktuellen Zahlen der Studienanfänger in Physik an der Universität Oldenburg zeigen mit einem Frauenanteil von fast 40% einen ersten Hinweis auf den Erfolg dieser und ähnlicher Initiativen.

Eine weitere Hemmschwelle für die Aufnahme eines Physikstudiums sehe ich in dem häufig verbreiteten Bild des Physikers als genialen Alleswisser und Überflieger. Durch dieses überzeichneten Bild können sich Schülerinnen abgeschreckt fühlen. In der Realität wird von Studierenden aber keineswegs erwartet, bereits alles zu wissen.

Grundsätzlich ist das "Berufsbild Physik" sehr vielfältig. Die Arbeitsbereiche erstrecken sich von der theoretischen Beschreibung physikalischer Phänomene in der Astrophysik über sehr praktisch orientierten Themen, wie zum Beispiel im Bereich der medizinischen Physik oder Hörforschung, bis hin zu physikfremden Berufsfeldern (Unternehmensberatung, Banken, Versicherungen). Mit dem Studienabschluss in Physik eröffnen sich nahezu unbegrenzte Berufsmöglichkeiten. Da die Arbeit eines Physikers/ einer Physikerin hauptsächlich mit dem Kopf und zum Teil mit den Händen verrichtet wird, ist der berufliche Erfolg entsprechend keineswegs geschlechtsabhängig.

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Sarah Falke (sarah.m.falke@uni-oldenburg.de) promoviert an der Universität Oldenburg in der Arbeitsgruppe "Ultraschnelle Nano-Optik" im Bereich der ultraschnellen und Nanospektroskopie an organischen Halbleitermaterialien für die Photovoltaik.