Kann der Golfstrom aufhören zu fließen?

Prof. Dr. Jörg-Olaf Wolff antwortete

Der Golfstrom ist eine starke und warme Strömung auf der Westseite des Atlantischen Ozeans und "entspringt" im Golf von Mexiko. Er fließt auf ca. 100 km Breite und ein km Tiefe entlang der Ostküste der USA und dann Richtung Osten nach Europa. Er bringt warmes und relativ salziges Wasser aus den Tropen auf seinem Weg von Amerika nach Europa. Die über ihm wehenden Westwinde nehmen diese Wärme auf und bringen sie zu uns. Diese relativ warmen Winde sorgen für ein angenehmeres (maritimes) Klima in Westeuropa im Verhältnis zu dem (kontinentalen) Klima in Ost-Kanada. Es ist aber nicht der Golfstrom selber für unser mildes Klima verantwortlich sondern im Wesentlichen die sich über der weiten Fläche des Atlantiks aufwärmenden Westwinde.
Ob es den Golfstrom gibt oder nicht spielt dafür keine große Rolle.

Der Golfstrom hat zwei Ursachen. Zum einen wird er von dem globalen Windfeld angetrieben das sich aufgrund der großen Umwälzbewegungen in der Atmosphäre nicht wesentlich ändern wird. Diese Windgegensätze erzeugen eine Strömung im Ozean die im Uhrzeigersinn verläuft und aufgrund der Erdrotation eine stärkere Strömung im Westen des Ozeans bewirkt. Die zweite Ursache liegt begründet in der Art wie Meerwasser sinkt oder steigt. Je kälter und salziger, desto schwerer wird das Meerwasser. Auf ihrem Weg nach Norden kühlen sich die Wassermassen im Golfstrom ab und werden schwerer. Im Nordatlantik sinken die Wassermassen dann in die Tiefe ab und fließen zurück nach Süden. Das Absinken erzeugt einen "Sog", der auf diese Weise ebenfalls den Golfstrom antreibt.

Was könnte in der Zukunft in einem sich erwärmenden globalen Klima passieren? Da die Winde dann wärmer sind kühlt sich der Golfstrom weniger ab und durch die Frischwasserzufuhr der schmelzenden grönländischen Gletscher wird das Wasser weniger salzig und kann nicht mehr absinken.

Ergebnis: Kein Sog mehr, der den Golfstrom nach Norden zieht. Er wird dann möglicherweise südlicher verlaufen und wir bekämen für ein paar Jahre bis Jahrzehnte ein etwas kühleres Klima.
Fazit: Ein komplettes Erliegen des Golfstromes ist eher unwahrscheinlich und hätte aufgrund der globalen Klimaerwärmung für uns Oldenburger kaum Auswirkungen.

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Jörg-Olaf Wolff hat in Hamburg am Institut für Meereskunde studiert und am dortigen Max-Planck-Institut für Meteorologie promoviert. Danach ist er für sechs Jahre nach Australien ausgewandert und hat an der Universität von Tasmanien in einem Forschungsprojekt über theoretische und klimarelevante Aspekte des Südlichen Ozeans gearbeitet. Seit 1999 ist er Professor für Physikalische Ozeanographie (Theorie) im Institut für Chemie und Biologie des Meeres an der Universität Oldenburg. Er ist zudem Präsident der Deutschen Gesellschaft für Meeresforschung und Herausgeber der internationalen Zeitschrift Ocean Dynamics.

Weitere Fragen und Anmerkungen an: wolff(at)icbm.de