Caspar David Friedrich und die Phänomene der Natur, 

danach fragte Benno Hubert, Annette Hammer vom Institut für Physik und Christian A. Gueymard von Solar Consulting Services, USA, antworteten

"Kann man physikalisch an einem Bild oder Foto nachweisen, ob es sich um einen Sonnenaufgang oder um einen Sonnenuntergang handelt, wenn man die Aufnahmekoordinaten nicht kennt? Das Friedrichsche Bild hat zwei Titel, welches ist der "wahre"?", wollte Benno Hubert aus Oldenburg wissen.
Diese spannende Frage berührt Aspekte der Physik, Meteorologie, aber auch der Kunstgeschichte.

Das Licht der Sonne setzt sich aus den Farben zusammen, die wir vom Regenbogen her kennen. Unsere Atmosphäre enthält Gase, Wolken und Aerosole, das sind feste Schwebeteilchen. Alle diese Bestandteile wirken sich auf die Farbzusammensetzung des Lichts aus, indem sie es unterschiedlich zerstreuen oder auslöschen.

Während der wolkenlose Himmel mittags blau erscheint, können wir bei niedrigem Sonnenstand ein prächtiges Rot beobachten. Bei tiefstehender Sonne muss das Licht, um zu uns zu gelangen, einen viel längeren Weg durch die Atmosphäre zurücklegen als bei hohem Sonnenstand. Durch die stärkere Streuung des blauen Lichts an den Gasteilchen gelangt nur noch wenig blaues aber viel rotes Licht zu uns, so dass die Sonne rot erscheint. Wolken am Himmel und kleinste Schmutzteilchen „in der Nähe“ der Sonne erstrahlen ebenfalls in Rottönen.

Können wir nun Abendrot vom Morgenrot unterscheiden? Dazu müsste die Atmosphäre abends stets andere Bestandteil enthalten als morgens. Dies ist aber nicht der Fall, wie eine bekannte Wetterregel zeigt: "Abendrot, Schönwetterbot´ - Morgenrot, schlecht Wetter droht!" Hier führen unterschiedliche Tageszeiten und völlig andere Wetteraussichten zum gleichen Rot am Himmel.

Caspar David Friedrich heiratete 1818 und fertigte das Gemälde seiner Frau an, die sich im Zentrum vor der tiefstehenden Sonne befindet. Zwei Jahre zuvor gab es in Europa das "Jahr ohne Sommer" mit einer großen Hungersnot infolge eines gewaltigen Vulkanausbruchs, der Vulkanasche und Schwefelverbindungen in die Atmosphäre geblasen hatte. Dies wird andere Himmelsfarben bewirkt haben, als wir heute gewohnt sind. Außerdem hat Friedrich seine Landschaften nicht immer naturgetreu, sondern auch aus seinem Gedächtnis heraus und seiner Stimmung entsprechend dargestellt. Da das Bild einer Phase entstammt, in der der Künstler noch Hoffnung und Vertrauen in sein Werk hineingebracht hat, können wir bei diesem Bild davon ausgehen, dass ein Sonnenaufgang, als Symbol für Hoffnung, dargestellt wurde.

Bild Bild