Windenergie und Turbulenzforschung

Internationale Fachtagung an der Universität Oldenburg

Oldenburg. "Wind Energy and the Impact of Turbulence on the Conversion Process" (Windenergie und die Auswirkung von Turbulenz auf den Umwandlungsprozess) - so lautet der Titel des EUROMECH Kolloquiums 528, das vom 22. bis 24. Februar an der Universität Oldenburg stattfindet. ForWind, das Zentrum für Windenergieforschung der Universitäten Oldenburg, Hannover und Bremen, veranstaltet die Fachtagung, zu der mehr als 80 ExpertInnen aus 17 Nationen erwartet werden. Die Tagung steht unter der Schirmherrschaft der European Mechanics Society (EUROMECH), einer international und gemeinnützig arbeitenden wissenschaftlichen Gesellschaft, die die Entwicklung der Mechanik auf dem Gebiet der Naturwissenschaften sowie der Ingenieurwissenschaften in Europa unterstützt. Die wissenschaftliche Leitung der Tagung haben der Oldenburger Physiker und ForWind-Vorstand Prof. Dr. Joachim Peinke und Prof. Dr. Stefan Ivanell, Hochschullehrer für Energie Technologie an der Königlich Technischen Hochschule (Schweden), inne. Turbulenzen seien ein alltägliches Phänomen, sie ließen sich allerdings nur sehr schwer berechnen, erklärt Peinke. "Gerade im Bereich der Windenergie sind Turbulenzen wenig erforscht. Die aktuellsten Forschungsergebnisse werden von der Windindustriebranche kaum beachtet. Die Tagung rückt diese Problematik in den Fokus und vernetzt die Turbulenzforschung mit dem schnell wachsenden Bereich der Windenergieindustrie", so der Wissenschaftler.

Turbulenz und im speziellen Böigkeit zeichnet sich durch schwankende Windverhältnisse auf kleinen, mittleren und großen Skalen aus. Dies hat zur Folge, dass Windenergieanlagen in 20 Jahren Betriebszeit bis zu 100 Millionen Windstößen ausgesetzt sind - und dies bedeutet extremste Herausforderungen an Technik und Material. Die internationalen WissenschaftlerInnen widmen sich daher Fragen zur Aerodynamik, Meteorologie und zur grundlegenden Turbulenz in atmosphärischen Windfeldern. Außerdem untersuchen sie, wie Turbulenzen an Rotorblättern beeinflusst und kontrolliert werden können oder wie sich Materialermüdung, hervorgerufen durch Wechsellasten, an Windenergieanlagen frühzeitig erkennen lässt.

Weitere Themen der Tagung sind die Strömungsverhältnisse bei einzelnen Windenergieanlagen und ihre Wechselwirkung innerhalb großer Offshore-Windparks, wie sie in Nord- und Ostsee errichtet wurden. Die ExpertInnen präsentieren den neusten Forschungsstand bei laser-optischen Messverfahren (z.B. MultiLIDAR), mit denen sich Windströmungen, Verwirbelungen und Abschattungen von Windenergieanlagen untersuchen lassen und diskutieren über Simulationsmodelle zu Wind-Strömungsverhältnissen in komplexen Gelände.

Den Hauptvortrag hält Prof. Dr. Peter Tavner, Hochschullehrer für Neue & Erneuerbare Energie und Leiter der School of Engineering der Durham University, am Mittwoch, 22. Februar, 9.00 Uhr. Tavner ist amtierender Präsident der European Academy of Wind Energy (EAWE). In seinem Vortrag erörtert Tavner, wie Turbulenzen die Zuverlässigkeit von Windenergieanlagen und ihren Komponenten beeinflussen.

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Kontakt: Prof. Dr. Joachim Peinke, Institut für Physik, Tel.: 0441/798-3536, E-Mail: peinke(at)uni-oldenburg.de

[13. Februar 2012]