Kohle aus der Biotonne: Experten erproben neues Verfahren

Innovationsverbund erhält 2,3 Millionen Euro Fördermittel / Aufbau einer Pilotanlage geplant

Ist es möglich, den Prozess der Kohle-entstehung technisch nachzuahmen, zu verkürzen und klimaneutral zu gestalten? „Hydrothermale Karbonisierung“ (HTC) heißt der neue Innovationsverbund, der Antworten auf diese Frage sucht. Unter der Leitung des Oldenburger Physikers Prof. Dr. Joachim Peinke forschen fünf Institute der Universität Oldenburg, der Hochschule Osnabrück, der Technischen Universität Braunschweig und der Ostfalia Hochschule Braunschweig/Wolfenbüttel an dem Verfahren.

BildDas Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) sowie des Landes Niedersachsen mit insgesamt 2,3 Millionen Euro gefördert. Wissenschaftsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka übergab Peinke auf der Hannover Messe den Bewilligungsbescheid. Weitere Unterstützung erfährt das Vorhaben „HTC in Niedersachsen“ durch zahlreiche Partner aus der Wirtschaft.

„Neue technische Herstellungsverfahren könnten zu klimaneutraler Kohle führen. Daher müssen die Einsatzmöglichkeiten der Bio-Kohle auch im Interesse der Umwelt weiter erforscht werden. Der Innovationsverbund bietet dafür beste Voraussetzungen“, betonte die Ministerin bei ihrem Messebesuch.

Der Prozess der Kohleentstehung dauert in der Natur Millionen von Jahren. Für das Verfahren, den Prozess der Kohleentstehung technisch nachzuahmen und zu verkürzen, kommt praktisch jede Art von Biomasse als Ausgangsstoff in Frage: Abfälle aus der Biotonne, Straßenlaub, Klärschlämme oder Gärreste aus Biogasanlagen. „Das Besondere an dem hydrothermalen Karbonisierungsverfahren ist, dass bei der Umwandlung der Biomasse in Kohle schon Energie freigesetzt wird, der Prozess also exotherm abläuft“, erklärt Peinke. „Die Herausforderung ist es, einen Prozessreaktor zu entwerfen, der Energie und Kohle gleichzeitig erzeugt.“