"Gedankenexperimente"

Gedankenexperimente sind provokant. Sie versprechen Erkenntnisgewinn ohne empirische Arbeit – was insbesondere vor dem Selbstverständnis der modernen Naturwissenschaften einer Absurdität gleichkommt.
"Was sind Gedankenexperimente" – so lautet der Titel des Vortrags von Prof. Dr. Ulrich Gähde (Universität Hamburg) am Donnerstag, 9. April, 18.15 Uhr, im Bibliothekssaal der Universität Oldenburg (Campus Haarentor, Uhlhornsweg). Er bildet den Auftakt zur Ringvorlesung "Gedankenexperimente" der Forschungsstelle "Erkenntnis: Methoden, Ziele und Begriffe" in Kooperation mit dem Institut für Physik.

Von Stevin, Galilei und Newton bis heute; wie ein roter Faden zieht sich das Forschen mit Gedankenexperimenten durch die empirischen Wissenschaften. Diese Tradition greifen international renommierte ExpertInnen in der Ringvorlesung auf und gehen der Frage nach, ob sich in der reichhaltigen Begriffs- und Methodengeschichte des Gedankenexperiments nicht bloß illusorische Hoffnungen finden lassen, sondern auch sinnvolle Einsatzmöglichkeiten. Neben der Physik werden dabei die Philosophie und die Wirtschaftswissenschaften im Blickpunkt stehen.

In dem Vortrag "Was sind Gedankenexperimente" gibt Gähde einen Ausblick auf die Blütephasen der Gedankenexperimente, die oftmals in Zeiten wissenschaftlicher Krisen und Umbrüche eine zentrale Rolle gespielt haben. Auch in der Philosophie sind Gedankenexperimente seit der Antike häufig angewandte intellektuelle Hilfsmittel. Dennoch ist der Begriff "Gedankenexperiment" trotz zahlreicher Präzisierungsversuche bis heute schillernd und mehrdeutig geblieben. Gähde geht in seinem Vortrag der Frage nach, was Gedankenexperimente auszeichnet und arbeitet die Gemeinsamkeiten zwischen philosophischen und naturwissenschaftlichen Gedankenexperimenten heraus.
Die Ringvorlesung findet im Rahmen der "Stadt der Wissenschaft" statt. Die Vorträge sind öffentlich und richten sich auch an interessierte Laien.