Vater der Oldenburger Akustik in den Ruhestand verabschiedet

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Zum Ende des Sommer-Semesters 2009 geht Professor Dr. Volker Mellert, Physik-Professor, Gründer und Leiter der Arbeitsgruppe Akustik des Instituts für Physik in den Ruhestand. Mit Mellert verlässt einer der Gründerväter der Universität Oldenburg und wesentlicher Motor und Gestalter der Oldenburger Physik den aktiven Dienst: Bereits 1974, als 31-Jähriger wurde er –zwei Jahre nach seiner Promotion in Göttingen über akustische Beugung am menschlichen Kopf als Grundlage der Kunstkopf-Stereophonie – auf die Professur für Akustik an die neu gegründete Reform-Universität Oldenburg berufen.

Obwohl aus der Retroperspektive viele der Aktivitäten und Konflikte in dieser Gründungsära längst dem Tagesgeschäft einer forschenden mittelgroßen Universität gewichen sind (etwa die einphasige Lehrerausbildung, das Projektstudium oder die Namensgebung der Uni) sind als Konstante über all die Jahre viele der positiven Charaktereigenschaften von Volker Mellert festzuhalten, mit denen er nicht nur den persönlichen kollegialen Umgang, sondern auch die Atmosphäre im Institut für Physik und in gewisserweise den Charakter der gesamten Universität geprägt hat: Die unvoreingenommene Offenheit und Hilfsbereitschaft allen Mitmenschen gegenüber, die Begeisterungsfähigkeit und Aufgeschlossenheit neuen Entwicklungen gegenüber, und die pragmatische und z. T. unkonventionelle Herangehensweise beim Lösen (nicht nur) physikalischer Probleme weisen Volker Mellert als einen der ganz Großen seiner Zunft aus, der viele Entwicklungen visionär voraussah. So gründete er zusammen mit Klaus Hinsch bereits 1998 den ersten auslandsorientierten Bachelor-Master-Studiengang „Engineering Physics“ zusammen mit der Fachhochschule Emden oder ermöglichte als Präsident der deutschen und europäischen akustischen Gesellschaft sowie als Schriftleiter der renommiertesten europäischen Fach-Zeitschrift „Acoustica“ deren Fusion mit der seinerzeit jungen Zeitschrift „acta acustica“..

Volker Mellert hat eine Reihe verantwortungsvoller und arbeitsreicher (Ehren-)Ämter engagiert ausgefüllt (u. a. Senatsmitglied, Dekan 1983, 1991 und 2000 und Vizepräsident der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg 1984 – 1986, sowie Sprecher des Graduiertenkollegs „Psychoakustik“). Der Erfolg seiner zahlreichen Aktivitäten ließ daher auch nicht lang auf sich warten: Die von ihm gegründete Arbeitsgruppe Akustik und von ihm verantworteten Aufbauarbeiten der Akustik- und Psychoakustik-Forschung (letztere zusammen mit Prof. August Schick und Dr. Reinhard Weber) legten den Grundstock zu dem derzeitigen Profilschwerpunkt „Hörforschung“, mit dem die Universität Oldenburg international sehr gut aufgestellt ist. Das von Mellert und seinen ehemaligen Studenten aufgebaute „Institut für Technische und Angewandte Physik“ (ITAP) ist als eines der ersten An-Institute der Universität wirtschaftlich eigenständig und erfolgreich. Mit der in den letzten Jahren von ihm intensivierten Forschung zur Kabinenakustik und Vibrations-Dämpfung im Flugzeug und bei Automobilen ist er in enger Verknüpfung mit der Großindustrie u. a. als Koordinator größerer EU-Verbundprojekte mit hohen Drittmitteln gefördert worden. Eine besondere persönliche Ehrung war daher die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande durch den Niedersächsischen Ministerpräsidenten.

Entsprechend der hohen Bedeutung von Professor Mellert ist das Festkolloquium anläßlich seiner Pensionierung am 10.07.2009 hochkarätig mit internationalen Referenten (u. a. aus Japan und den USA) besetzt. Es bleibt zu hoffen, dass uns Kollege Volker Mellert als Querdenker und Mentor noch lange erhalten bleibt – insbesondere, wenn ihn die kleinen Ärgerlichkeiten des Tagesgeschäfts in Zukunft kaum noch nerven dürften!

gez. Birger Kollmeier