Forschungswerkstatt Schule und LehrerInnenbildung

Bericht über eine Team-Forschung zum Thema "Rauswurf"

Im Rahmen des Seminars "Lehrerinnen und Studentinnen erforschen Schule und Unterricht" haben sich vier Studentinnen und eine Mitwirkende Lehrerin mit der Problematik der Verweisung von Schülern aus dem Unterricht ("Rauswurf') befasst.

Es wurde die Fragestellung "Wie nehmen Schülerinnen und Lehrerinnen den Rauswurf kognitiv und emotional wahr?" untersucht. Dazu wurden 7 sechste Klassen einer Oldenburger Orientierungsstufe und zwölf LehrerInnen mit einem Fragebogen befragt. Die Befragung der insgesamt 184 Schülerinnen und 12 LehrerInnen ergab einige interessante Ergebnisse:

Eindeutig wurde bestätigt, dass Jungen häufiger "rausgeworfen" werden als Mädchen. 43% der Jungen wurden bereits "rausgeworfen"; 26% der Mädchen haben schon einmal eine solche Erfahrung gemacht. Außerdem hatten alle befragten Lehrer schon einmal einen Schüler "rausgeworfen". 95,2% der Schüler gaben an, dass sie vor einem "Rauswurf' gewarnt werden. Sowohl Lehrerinnen (50%) als auch Schülerinnen (89%) gaben an, bei einem "Rauswurf' ein schlechtes oder negatives Gefühl zu haben. Auf die Frage "Wie hast Du Dich gefühlt als Du rausgeworfen wurdest?" antworteten die Schülerinnen häufig: "blamiert", "peinlich", "sauer", "unsicher".

Ein Ergebnis, das auch in der anschließenden Diskussion für Aufmerksamkeit sorgte, war die Aussage, dass 61,8% der Lehrerinnen die Frage, ob sie sich nach einem "Rauswurf" Gedanken über die Schülerinnen machten, bejahten. Im Gegensatz dazu glaubten 67% der Schülerinnen, dass die Lehrerinnen sich nicht weiter damit beschäftigten.

Diese und weitere Ergebnisse wurden vom Forschungsteam so interpretiert, dass Handlungsbedarf besteht. Das Team entwickelte mehrere Alternativvorschläge zur "Rauswurf"-Praxis , die als Anregung zur Weiterarbeit dienen sollten. Dabei entstanden unter anderem folgende
Ideen:

  1. Zwischenstopp: ein Tisch z.B. auf dem Flur, mit Beschäftigungsmöglichkeiten.
  2. Der freundliche Deal: Verlassen der Klasse in gegenseitigem Einverständnis, Schülerin bestimmt die Rückkehr selbst.
  3. Konzentrationsinsel: schöner Tisch etwas abseits in der Klasse mit Beschäftigungsmöglichkeiten.
  4. Sancho Pansa: die Schülerin darf einen Betreuer mitnehmen.
  5. Patenklasse: Schülerin nimmt am Unterricht einer Parallelklasse teil.


Im nächsten Schritt wurden die Ergebnisse der Untersuchung und die Alternativvorschläge den Schülerinnen vorgestellt. Dabei zeigten die Schülerinnen großes Interesse und Engagement. Sie machten konstruktive Vorschläge, äußerten aber auch Kritik. Einigkeit bestand hinsichtlich der Notwendigkeit neuer Maßnahmen, da der "Rauswurf' als Erziehungsmittel wenig geschätzt wird.
Nach der Rückmeldung an die Schüler wurden die Ergebnisse und die entwickelten Alternativvorschläge den Lehrerinnen vorgestellt.

Insgesamt wurde deutlich, dass im Kollegium in dieser Hinsicht kein Handlungsbedarf gesehen wird, was jedoch nicht mit mangelndem Interesse verwechselt werden darf. Die Mitwirkende Lehrerin wird das Thema weiterverfolgen und in ihrer Klasse selbst Modelle, um mit Unterrichtsstörungen umzugehen, ausprobieren. Auch einige andere Kolleginnen ließen erkennen, dass sie die durch die Forschung gewonnenen Erkenntnisse zumindest für sich persönlich umsetzen wollen.

Abschließend lässt sich sagen, dass es den Studentinnen durch die Teamforschung möglich war, schon im Studium die Schulpraxis kritisch zu durchleuchten. Der Lehrerin war es möglich, ihr eigenes Lehrerinnenhandeln kritisch zu hinterfragen. Team-Forschung ist ein Instrument, Probleme in der Schulpraxis anzugehen.

Weitere Einzelheiten zu dieser Teamforschung sind in einem Oldenburger Vor-Druck nachzulesen. (vgl: Kommentierte Bibliographie zur Oldenburger Teamforschung)

Verena Lennartz
Forschungswerkstatt
Schule und Lehrerlnnenbildung