OME-Lexikon

Sathmar/Satu Mare

1. Toponymie

Deutsche Bezeichnung

Sathmar

Amtliche Bezeichnung

rum. Satu Mare

Anderssprachige Bezeichnungen

ung. Szatmárnémeti; jidd. Satmar, Satmer oder Sacmer, lat. Satmarinum

Etymologie

Der offizielle Name der Stadt wurde 1919 in Satu Mare geändert; zuvor waren im Rumänischen die Bezeichnungen Sătmar oder Sătmar-Mintiu gebräuchlich. Bezüglich des Ursprungs des Ortsnamens gibt es mehrere konkurrierende Theorien, die von der Ableitung aus dem deutschen „Salzmarkt“ bis hin zur Zurückführung auf den Personennamen „Zothmar“ oder die rumänische Bezeichnung für großes Dorf „sat mare“ reichen. Der ungarische Name für Mintiu „Németi“ kommt aus dem slawischen „nemci“, das heißt „Deutsche“.

2. Geographie

Lage

Sathmar liegt auf 47° 47′ nördlicher Breite, 22° 52′ östlicher Länge im nordwestlichen Grenzgebiet Rumäniens, etwa 10 km von der rumänisch-ungarischen Grenze entfernt sowie etwa 70 km nordwestlich von Frauenbach/Baia Mare/Nagybánya.

Topographie

Die Stadt befindet sich im Nordwesten der historischen Region Sathmar, die auch heute ungarische Gebiete umfasste. Sie liegt am Fluss Somesch (rum. Someş, ung. Szamos) auf einer Meereshöhe von 126 m. Bis zur Regulierung der Flüsse Somesch und Crasna (ung. Kraszna) sowie der Entwässerung des Ecsedi-Moors im 18. beziehungsweise 19. Jahrhundert war die Gegend sumpfig mit ausgedehnten Wäldern.

Region

Sathmar ist Teil des historischen Partiums (Gen. Pl. von Partes regni Hungariae adnexae), das zusammen mit dem Banat und dem historischen Siebenbürgen (rum. Ardeal, ung. Erdély) die heute als Trans(s)ylvanien (rum. Transilvania, ung. Erdély) bezeichnete Großregion bildet. Das Partium, also die ostungarischen Komitate jenseits der Theiß (ung. Tisza, rum. Tisa), gehörte von der Mitte des 16. Jahrhunderts bis ins späte 17. Jahrhundert zum Herrschaftsgebiet der siebenbürgischen Fürsten.

Staatliche und administrative Zugehörigkeit

Rumänien. 1952–1960 gehörte Sathmar zum Kreis Frauenbach (auch Neustadt, rum. Baia Mare, ung. Nagybánya), 1960–1968 zum Kreis Marmarosch (rum. Maramureş, ung. Máramaros) und seit 1968 ist es Hauptstadt des gleichnamigen Kreises.

3. Geschichte und Kultur

Gebräuchliche Symbolik

 

Das Stadtwappen mit einer Krone, die das Munizipalrecht symbolisiert, zeigt auf blauem Grund eine Burg mit zwei Rittern. Im Eingang steht als verbreitete Figur der Heraldik ein doppelschwänziger Löwe mit ausgestreckter Zunge.

Mittelalter

Die Städte, aus denen das heutige Sathmar hervorging, lagen an den beiden Ufern des Somesch, südlich Sathmar, nördlich Mintiu. Letztere gehörte zu den ersten deutschen Ansiedlungen (1006) unter dem Schutz der Königin Gisela von Ungarn (984/985-1060), Gattin des hl. Stefan (969-1038). Die Burg Zothmar existierte schon vor der Ankunft der Ungarn, eine genaue Datierung lässt sich jedoch nicht mehr vornehmen.

Die deutsche Ortschaft wurde urkundlich erstmals in einem Freibrief von 1230 genannt, der den Siedlern Privilegien gewährte. 1241 verwüsteten die Tataren die Gegend, sodass die damalige Erdburg wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt zerstört wurde. Ab 1310 durften Klosterbrüder ihr Salz in der Stadt verkaufen, wodurch die Ortschaft zu einem Zentrum des Salzhandels aufstieg.

Neuzeit

Die Burg spielte in der Verteidigung der Region jahrhundertelang eine zentrale Rolle und wechselte oft ihren Besitzer. Sie gehörte unter anderem König Matthias Corvinus (1443–1490), dem Somlyó-Zweig der Báthory-Dynastie, Fürst Gabriel Bethlen (um 1580–1629), Fürst Stefan Bocskay (1557–1606), Georg Rákóczi I. (1593–1648) und Emmerich Thököly (1657–1705). Im 16. Jahrhundert, als die Báthorys die Burg erhielten, ließen sie diese befestigen. Durch die Neuregulierung des Flusses lag sie nun auf einer Insel, wodurch ihr strategischer Wert erheblich stieg. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts wurde die Umgebung Schauplatz heftiger Kämpfe und mehrfach verwüstet. Die siegreichen kaiserlichen Truppen befestigten die Burg, und Kaiser Maximilian II. (1527–1576) sowie Kaiser Rudolf (1552–1612) bekräftigten 1571 beziehungsweise 1577 die Privilegien beider Städte, die viermal jährlich Markt halten durften. Ein weiterer Meilenstein war die Ansiedlung deutscher Soldaten; zwischen ihnen und der örtlichen Bevölkerung kam es später zu mehreren Konflikten, die in einer bewaffneten Auseinandersetzung kulminierten, nach welcher König beziehungsweise Kaiser Leopold I. (1640–1705) über die aufständischen Adligen eine Reihe von Sanktionen, unter anderem Todesstrafen, verhängte.

Als 1705 Franz Rákóczi II. (1676–1735) die Burg eroberte und sie abtragen lassen wollte, konnten sich die Bewohner der Stadt noch erfolgreich wehren, später setzte jedoch Alexander Károlyi (1669–1743) den Abbau durch. Vor dem Frieden von Sathmar 1711 wurde die Stadt abwechselnd von Kuruzzen und Labanzen geplündert.[1] Ein Jahr später vereinigten sich Sathmar und Mintiu, wobei die praktische Umsetzung dieser vom Pressburger Landtag getroffenen Entscheidung trotz der baldigen Erteilung des Status einer freien königlichen Stadt (1715) noch Jahrzehnte dauerte.

Nachdem die Pest die Bevölkerung zweimal (1719, 1742) dezimiert hatte, begann nach einem großen Erdbeben 1834 eine eindrückliche Entwicklung: Die dörfliche Erscheinung der Stadt veränderte sich durch zahlreiche neue Bauten; in den folgenden Jahrzehnten entstanden unter anderem das Kasino und das Theater, die bis heute das Stadtbild prägen.

Zeitgeschichte

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Sathmar Rumänien zu. Während des Zweiten Weltkriegs, nach dem „Zweiten Wiener Schiedsspruch“ von 1940, gehörte es kurzzeitig zu Ungarn. 1944 internierten die ungarischen Behörden 17.000 Juden aus der Stadt sowie der Umgebung im örtlichen Ghetto; nur wenige entkamen anschließend dem Tod im deutschen Vernichtungslager. Nachdem das Sathmar-Gebiet 1945 wieder an Rumänien gefallen war, folgte die Deportation von 5.000 Schwaben aus dem Kreis Sathmar zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion, von denen nur ein Teil bis 1949 zurückkehren konnte, da die Überlebenden auch nach Deutschland entlassen wurden. Dies schwächte die deutsche Minderheit erheblich. (Siehe „Sathmarschwaben“).

Die weiteren Maßnahmen des neuen kommunistischen Regimes, vor allem die Verstaatlichung der wichtigsten Fabriken, Enteignungen, Verhaftungen, Auflösung der Brüder- und Schwesterorden, veränderten die Stadt von Grund auf und führten zu einer zusätzlichen Marginalisierung der Schwaben.

Anfang der 1960er Jahre begannen im Sinne des im ganzen Land durchgesetzten politischen Programms die Bauarbeiten an den neuen Hochhaus-Stadtvierteln.

Nach dem Hochwasser von 1970, das viele Menschenleben und große Schäden an der Bausubstanz gefordert hatte, wurde der Bau weiterer Brücken beschlossen. Der berühmte Architekt Nicolae Porumbescu (1919–1999) plante ein neues Zentrum, das größte und teuerste Projekt der letzten fünfzig Jahre. Trotz aller stadtplanerischen Bemühungen blieb dieser Komplex ein Fremdkörper in der Stadt.

Während der landesweiten revolutionären Ereignisse von 1989 gab es in Sathmar sieben Tote.

Bevölkerung

Die Zahl der Einwohner stieg seit der ersten Volkszählung 1880 von 19.708 auf 34.892 im Jahr 1910. Bis zur Wende von 1989 war das Wachstum ununterbrochen, die Bevölkerung verdoppelte sich zwischen 1956 (52.096) und 1977 (101.860) und stieg bis 1992 auf 130.584 Einwohner an. Seitdem geht die Zahl drastisch zurück, 2011 wurden nur noch 102.411 Personen gezählt.[2]

1880 gaben 88,9 % Prozent der Bevölkerung Ungarisch als Muttersprache an, 5 % Rumänisch und 3,8 % Deutsch. Bis 1910 nahm der Anteil des Ungarischen noch zu, das 94,8 % der Einwohner als Muttersprache deklarierten; Rumänisch lag bei 2,8 %, Deutsch bei 1,8 %. Die Zugehörigkeit zum neuen Staat nach dem Ersten Weltkrieg zeigte sich auch in den Statistiken: 1920 wurden 66 % Ungarn, 12,2 % Rumänen, 0,4 % Deutsche sowie 21 % Juden gezählt. Die Zahlenangaben der offiziellen Volkszählungen verschoben sich in Folge der mehrfachen Machtwechsel so bedeutend, dass sie kaum als zuverlässige Angaben gelten können, sondern stattdessen für die Veranschaulichung der Machtpraktiken geeignet sind. 1966 waren 46,4 % der Bevölkerung Rumänen, 50,5 % Ungarn, 0,8 % Deutsche, 0,7 % Juden und 1,2 % Roma. Bis zur letzten Volkszählung 2011 verschoben sich die Anteile erneut: 54,2 % Rumänen, 34,6 % Ungarn, 1 % Deutsche (knapp 1.000 Personen unterschiedlicher Muttersprache, da der Sprachverlust weit vorangeschritten ist) und 1,2 % Roma.

Obwohl man nicht von einer kontinuierlichen Präsenz von Juden in Sathmar sprechen kann, prägten sie die Geschichte und das wirtschaftliche Leben maßgebend. Erst im 17. Jahrhundert erlaubte man ihnen, in die Stadt zu ziehen, vertrieb sie aber bald darauf. Für das 18. Jahrhundert gibt es widersprüchliche Angaben: Einerseits sollen im Jahr 1735 siebzehn Juden in Sathmar gelebt haben, andererseits gaben die späteren Volkszählungen keine jüdische Bevölkerung an. Offiziell kam es 1842 zur Gründung der jüdischen Gemeinde, und ab diesem Zeitpunkt wuchs das Judentum der Stadt kontinuierlich. 1910 waren 20,6 % der Sathmarer Bevölkerung jüdisch. Bis 1880 wurden 80 % der Juden ungarischsprachig, dieser Anteil stieg bis zum Ersten Weltkrieg auf fast 100 %. Ab 1950 setzte die Auswanderung nach Israel ein, was sich später durch Nicolae Ceauşescus (1918−1989) Politik intensivierte.

Für die Schwaben der Region ist Sathmar das kulturelle und politische Zentrum, hier befindet sich der Sitz des Demokratischen Forums der Deutschen des Kreises, der damit verbundenen Sathmarer Stiftung für internationale Zusammenarbeit sowie des Deutsch-rumänischen Wirtschaftsvereins für die Region Sathmar. Die Sathmarer Stiftung unterstützt seit über zwanzig Jahren kleine Betriebe und mittelständische Unternehmen in den umliegenden Ortschaften, wo Schwaben leben.

Wirtschaft

Die Wirtschaft beruhte in Sathmar jahrhundertelang auf dem in Zünften organisierten Handwerk. Seit dem 16. Jahrhundert wuchs die Zahl der Zünfte kontinuierlich, im 19. Jahrhundert lebten in der Stadt 1.075 Meister. Der Ausbau der Bahnstrecken Großkarol–Sathmar (1871), Sathmar–Marmaroschsiget/Sighetu Marmaţiei/Máramarossziget (1872) und Sathmar–Frauenbach (1884) gab der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt neuen Schwung. Zu Beginn des 20. Jahrhundert existierten mehrere Fabriken in der Stadt, zum Beispiel die 1912 eröffnete „Unio“, die Waggons produzierte. Zwischen den zwei Weltkriegen gab es in der Stadt knapp dreißig Banken. In der kommunistischen Zeit wurde die Industrie ausgebaut, besonders in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre kam es zur Erweiterung von Fabriken. Nach der Wende zog die günstige Lage mehrere Investoren in die Stadt, darunter sind die deutschen Unternehmen am wichtigsten, gefolgt von den dänischen und französischen. Von besonderem Gewicht sind der Maschinenbau sowie die Lebensmittel- und Textilindustrie.

Religion

Seit dem 13. Jahrhundert war das Sathmarer katholische Pfarramt Archidiakonat und dem Erzbischof von Gran/Esztergom direkt untergeordnet. 1527 erreichte die Reformation die Gegend; sie setzte sich so schnell durch, dass bald die katholischen Gemeinden in den Städten der Region aufgelöst wurden. Nachdem den ansässigen Ruthenen, Serben und Griechen die freie Ausübung ihrer orthodoxen Konfession gewährt wurde und die Osmanen 1660 die Stadt und Festung Großwardein besetzten, siedelten mehrere Serben und Griechen nach Sathmar über.

Für die Entwicklung der Stadt war die Gründung des römisch-katholischen Bistums 1804, nach dem Aufstieg von Erlau/Eger zum Erzbistum, ein wichtiger Meilenstein. Bischof János Hám (1781–1857), der 1848–1849 auch ungarischer Primas war, trug maßgebend zum Ausbau des modernen Sathmar bei, unter anderem indem er viele neue Gebäude errichten ließ, darunter zum Beispiel die Kalvarienkirche. Auch der von außen klassizistisch geprägte Dom erlangte seine aktuelle Form in dieser Zeit. Die Kapelle des Bischofspalastes ist wegen ihres Altars, der ursprünglich in der Kirche von Erdeed/Ardud/Erdőd stand und vor dem sich der ungarische Nationaldichter Sándor Petőfi (1823–1849) vermählt hatte, eine touristische Attraktion.

Unter den katholischen Kirchen der Stadt hat die Kalvarienkirche einen besonderen Status, da hier die Gottesdienste auf Deutsch, Ungarisch und Rumänisch gehalten werden; sie beherbergt eine rumänische sowie eine deutsche Gemeinde.

Im späten 17. Jahrhundert wurde die erste griechisch-katholische Gemeinde gegründet, die slawischsprachige Gottesdienste feierte. Da sich schrittweise das Ungarische als Kirchensprache durchsetzte, kam es zusätzlich 1803 zum Bau einer griechisch-katholischen Kirche für eine rumänischsprachige Gemeinde.

Die Gründung der orthodoxen Parochie erfolgte 1919, in der Zwischenkriegszeit wurde die orthodoxe Hauptkirche errichtet. An mehreren Orten der Stadt sind seit der Wende von 1989 weitere orthodoxe Kirchen gebaut worden.

Mitte des 19. Jahrhunderts errichtete die jüdisch-orthodoxe Glaubensgemeinschaft ihre erste Synagoge, Ende des Jahrhunderts kam es nach internen Spannungen zum Bruch, sodass man die Status-Quo-ante-Gemeinde gründete. In der Stadt gab es drei Synagogen und 25 Gebetshäuser. Die Synagoge im eklektizistischen Stil, die um 1890 gebaut wurde, kann bis heute besucht werden.

Bildung und kulturelle Institutionen

Sathmar ist seit Jahrhunderten mit zahlreichen Bildungsanstalten kulturelles Zentrum der Region. Schon im 13. Jahrhundert gab es in der Stadt eine Schule der Dominikanerbrüder. Während der Reformation wurden die katholischen Bildungsanstalten geschlossen und durch neue protestantische ersetzt. Das immer reicher werdende Angebot (u. a. das Jesuiten-, das Paulanerkolleg, das Mädchengymnasium, die bürgerliche, die israelitische, die römisch-katholische und die reformierte Schule oder die Lehrerinnenbildungsanstalten) zog im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele Jugendliche in die Stadt und trug hierdurch zu ihrer Entwicklung bei.

Zu den heute renommiertesten Schulen zählen das Mihai-Eminescu-Gymnasium, das 1997 gegründete Deutsche Theoretische Johann-Ettinger-Gymnasium (mit über 600 Schülern aller in Sathmar lebenden Ethnien) und das Ferenc-Kölcsey-Gymnasium. Nach 1990 wurden mehrere Hochschulen sowie Universitätsfilialen gegründet, unter anderem ein regionales Zentrum der Babeş-Bolyai-Universität Klausenburg/Cluj-Napoca/Kolozsvár.

Die Sathmarer Filiale der ASTRA (rum. Asociaţiunea Transilvană pentru Literatura Română şi Cultura Poporului Român, dt. Siebenbürgischer Verein für Rumänische Literatur und Kultur des Rumänischen Volkes), der Kölcsey-Kreis (ung. Kölcsey Kör) sowie das Demokratische Forum der Deutschen prägen durch ihre Kulturarbeit das kulturelle Angebot der Stadt.

Das erste, Mitte des 19. Jahrhunderts gebaute Theater musste abgetragen werden, das heutige klassizistische Gebäude wurde 1892 eingeweiht. Die Stadt beschäftigt seit 1956 eine ständige ungarische und seit 1968 auch eine rumänische Theatergruppe. Die 1921 ins Leben gerufene Sathmarer Philharmonische Gesellschaft wirkt nach mehreren Verwandlungen und Namensänderungen als Dinu-Lipatti-Philharmonie. In der Stadt gibt es mehrere Literaturkreise, die zum Beispiel nach Ioan Slavici (1848–1925) und Endre Ady (1877–1919) benannt sind.

Das Kreismuseum Sathmar (Muzeul Judeţean Satu Mare) hat eine historische und eine ethnographische bzw. Kunstsektion und führt zugleich internationale Forschungsprojekte durch, unter anderem auch zur schwäbischen Minderheit.

Kunstgeschichte

Auf dem Sathmarer Hauptplatz vermischen sich unterschiedliche Stile: Sezession, Klassizismus, Neugotik, Eklektizismus und der Baustil der kommunistischen Zeit. Der ehemalige Vécsey-Palast beherbergt heute das Kunstmuseum, eine Kunstgalerie ist im neuen Zentrum untergebracht.

Der Maler Aurel Popp (1879–1960), der zur zweiten Generation der sogenannten „Frauenbacher Malerschule“ gehörte, sowie der Grafiker Pál Erdős (1913–1996) lebten und arbeiteten in Sathmar.

Publizistik

Die erste Zeitung der Stadt war der Szatmáry Értesítő (Sathmarer Bote), welcher zahlreiche weitere folgten; in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden 24 neue Zeitungen in der Stadt gegründet. Heute gibt es mehrere rumänische und ungarische lokale Blätter; monatlich einmal wird auch die Schwabenpost (auf Deutsch, Ungarisch und Rumänisch) publiziert.

Literatur

Der ungarische Dichter Jenő Dsida (1907–1938) wurde in Sathmar geboren, ebenso stammen zwei bekannte zeitgenössische ungarische Autoren, Zsolt Láng und András Ferenc Kovács, aus der Stadt. Persönlichkeiten wie Ferenc Kölcsey (1790–1838), Verfasser der ungarischen Hymne, die ungarischen Schriftsteller Margit Kafka (1880–1918) und Gyula Krúdy (1878–1933) oder der rumänische Autor Ioan Slavici (1848−1925) gingen in Sathmar zur Schule.

4. Diskurse/Kontroversen

Anfang der 1920er Jahre gab es eine Debatte unter den rumänischen Intellektuellen, ob der von der Bevölkerung und einigen Historikern, unter anderem Nicolae Iorga (1871−1940), benutzte Name „Sătmar“ oder das von dem Politiker Vasile Lucaciu (1852−1922) propagierte „Satu Mare“ offiziell gelten solle.

Immer wieder kommt es heute zwischen Ungarn und Rumänen zu kleineren Diskussionen, wenn es um symbolische Themen wie Straßennamen oder sonstige öffentliche Repräsentationsangelegenheiten geht.

Die Identifikationsfrage der Schwaben, die überwiegend ungarischsprachig sind, wird hauptsächlich vor den lokalen Wahlen thematisiert und steht auch bei der Einschulung der Kinder zur Debatte, da von ihrer Anzahl die Existenz von Abteilungen oder Schulen abhängt. Die Position der deutschen Klassen wurde durch die ungarischen staatlichen Förderprogramme, die für Auslandsungarn gelten, geschwächt.

5. Bibliographische Hinweise

Literatur

  • Anders E. B. Blomqvist: Economic Nationalizing in the Ethnic Borderlands of Hungary and Romania. Stockholm 2014. URL: http://su.diva-portal.org/smash/get/diva2:753257/FULLTEXT01.pdf.
  • László Bura: Zsidó oktatás Szatmárba [Jüdisches Bildungswesen in Sathmar]. In: Satu Mare – studii şi comunicări XV−XVI [Sathmar – Aufsätze und Mitteilungen XV−XVI]. Satu Mare 1988–1989, S. 471–482.
  • László Bura: Iskolavárosunk Szatmárnémeti [Unsere Schulstadt Sathmar]. Csíkszereda 1999.
  • László Bura: Szatmárnémeti kialakulása és fejlődése épületei és műemlékei tükrében [Die Gründung und Entwicklung von Sathmar im Lichte seiner Gebäude und Denkmäler]. Szatmárnémeti 2005.
  • Viorel Ciubotă, Liuba Horvat, Mihailo Delegan: Biserica „Sfântul Nicolae“ din Mintiu – Satu Mare: istorie şi contemporanitate [Die Heiliger-Nicolae-Kirche in Mintiu – Sathmar: Geschichte und Gegenwart]. Satu Mare 2010.
  • Ioan Corneanu, Lacrima Camelia-Teocan: Evreii sătmăreni. Istorie şi destin [Die Sathmarer Juden. Geschichte und Schicksal]. Arad 2010.
  • Sándor Muhi: Szatmárnémeti városismertető [Stadtführer Sathmar]. 2., erw. Aufl. Szatmárnémeti 2003.
  • Josef Volkmar Senz: Geschichte der Donauschwaben. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Eine volkstümliche Darstellung. München 1987 (Beiträge zur donauschwäbischen Heimat- und Volksforschung III/37).
  • Patrik Tátrai: Etnikai Térszerkezet változásai a történeti Szatmárban [Die Veränderungen der ethnischen Raumstruktur im historischen Sathmar]. Budapest 2010.
  • András Vári, Judit Pál, Stefan Brakensiek: Herrschaft an der Grenze. Mikrogeschichte der Macht im östlichen Ungarn im 18. Jahrhundert. Köln, Weimar, Wien 2014 (Adelswelten 2).

Weblinks

Anmerkungen

[1] Die Kuruzzen (ung. kurucok, rum. curuţi, slow. kuruci) waren Mitglieder und Truppen der antihabsburgischen Aufstandsbewegung (1672−1711) in Ungarn. Die Anhänger der Habsburger waren die Labanzen (ung. labancok, rum. labanţi, slow. labanci).

[2] Für die hier und im Folgenden genannten Zahlen zur Bevölkerungszahl und -zusammensetzung gilt: Die Daten der rumänischen Volkszählungen sind auf der Seite des Rumänischen Statistischen Amtes zugänglich: http://www.recensamantromania.ro/istoric/lista-recensafmintelor-populaaiei/ (Abruf 12.02.2015), die Jahrbücher des Ungarischen Statistischen Amtes können unter http://epa.niif.hu/01600/01678 (Abruf 12.02.2015) nachgeschlagen werden.

Zitation

Enikő Dácz: Sathmar/Satu Mare. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2015. URL: ome-lexikon.uni-oldenburg.de/p32245 (Stand 16.09.2015).

Nutzungsbedingungen für diesen Artikel

Copyright © Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE), alle Rechte vorbehalten. Dieses Werk entstand im Rahmen des Projekts „Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa“ und darf vervielfältigt und veröffentlicht werden, sofern die Einwilligung der Rechteinhaber vorliegt. Bitte kontaktieren Sie: ome-lexikon(at)uni-oldenburg.de

Wenn Sie fachliche Hinweise oder Ergänzungen zum Text haben, wenden Sie sich bitte unter Angabe von Literatur- und Quellenbelegen an die Redaktion.