OME-Lexikon

Karlsburg (früher Weißenburg)/Alba Iulia

1. Toponymie

Deutsche Bezeichnung

Weißenburg, Weissenbrich, ab 1718 Carlsburg, Karlsburg

Amtliche Bezeichnung

rum. Alba Iulia, früher rum. Bălgrad

Anderssprachige Bezeichnungen

ung. Gyulafehérvár, selten Károlyfehérvár, Erdélyfehérvár, Fehérvár; lat. Apulum, Alba Iulia, Alba Carolina, Caropolis; griech. (wohl nach dem dakischen Ortsnamen) Apoulon

Etymologie

Die Slawen nannten die Siedlung wegen ihrer Außenmauern aus weißem Kalkstein Bălgrad (= weiße Burg). Der Name wurde im Ungarischen (Fehérvár) und Deutschen (Weißenburg) übernommen. Die Namen Alba Iulia und Gyulafehérvár finden sich in lateinischen Urkunden des 13.–15. Jahrhunderts in mehreren Variationen: Alba Transilvaniae/Erdélyfehérvár, Alba Gyle, Alba Giule, Alba Iule. Ein gyula war der Anführer einer magyarischen Gruppe, die sich hier im 10. Jahrhundert niederließ. 1718 wurde der Ort nach Kaiser Karl VI. (König Karl/Károly III. von Ungarn) benannt.

2. Geographie

Lage

Karlsburg liegt auf 46° 4' nördlicher Breite und 21° 35' östlicher Länge, 270 m über NHN, etwa 100 km südlich von Klausenburg/Cluj-Napoca und 70 km nordwestlich von Hermannstadt/Sibiu.

Topographie

Karlsburg befindet sich im Zentrum der siebenbürgischen Hochebene, östlich des Trascău-Gebirges, das zu den Siebenbürgischen Westgebirgen gehört. Es liegt auf einer Terrasse über dem Fluss Mieresch (rum. Mureş), nahe der Mündung des Ampoi (ung. Ompoly) in den Mieresch.

Region

Siebenbürgen

Staatliche und administrative Zugehörigkeit

Rumänien. Karlsburg ist Hauptstadt des rumänischen Landkreises (judeţ) Alba und seit 1968 ein Munizipium (municipiu). Nach der Etablierung des Fürstentums Siebenbürgen wurde Weißenburg 1546 fürstliche Residenz. Hier befinden sich die Verwaltungssitze der rumänischen Planungsregion "Zentrum", einer der acht Wirtschaftsregionen Rumäniens. Zudem sind die Metropolitansitze eines rumänisch-orthodoxen und eines römisch-katholischen Erzbistums angesiedelt.

3. Geschichte und Kultur

Gebräuchliche Symbolik

Das Stadtwappen besteht aus einem dreieckigen Schild mit abgerundeten Kanten. Das obere Feld zeigt die eiserne Krone Rumäniens auf einem Hermelin, das linke Feld auf blauem Hintergrund den Goldenen Adler für die Walachei. Im rechten Feld, auf rotem Hintergrund, der Kopf eines Auerochsen für die Moldau. Das mittlere Feld stellt zwei stehende rote Löwen mit einem schwarzen Schwert auf sieben Hügeln dar. Über dem Schild erscheint die Burgkrone als Symbol des Munizipalrechts. Der Adler auf der Krone deutet auf den Rang des Ortes hin.

Archäologische Bedeutung, Vor- und Frühgeschichte, Antike

Auf dem heutigen Stadtgebiet wurden eine neolithische Siedlung und zahlreiche Gegenstände aus der Bronzezeit gefunden. Bei Sanierungsarbeiten in der Burg 2011 wurde in der Nähe des römisch-katholischen Doms, innerhalb des ehemaligen Kastells, ein römischer Tempel mit einer Statue der Göttin Nemesis entdeckt. Unweit davon wurde damals auch die erste christliche Kirche Siebenbürgens aus der Mitte des 10. Jahrhunderts ausgegraben. Archäologen vermuten, dass es sich um den Sitz des Bischofs Hyerotheos handelt, der als Missionar aus Byzanz in die Gegend kam.

Nach der Eroberung Dakiens durch die Römer wurde das dakische Apoulon zum castrum, später municipium, Apulum ausgebaut, war ab 107 n. Chr. Zentrum der römischen Besatzung (Legion XIII. Gemina), zeitweise Verwaltungssitz der Provinz Dacia Apulensis und mit ca. 30.000 Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt Dakiens. Nach dem römischen Rückzug unter Aurelian (271) wurden ostgermanische und halbnomadische Stämme hier ansässig. Diesen folgten im 7. Jahrhundert Slawen. Die Römerstadt verfiel, doch bestand in den schützenden Ruinen eine ländlich geprägte Siedlung fort.[1]

Mittelalter

Im 10. Jahrhundert baute hier eine magyarische Gruppe unter Führung eines gyula ein Herrschaftsgebiet aus, das von König Stephan I. dem Heiligen 1003 gewaltsam in das Königreich Ungarn integriert wurde. 1009 wurde ein römisch-katholisches Bistum gegründet, das bis heute besteht. 1241 wurde die Stadt durch einen Mongolenangriff verwüstet, 1277 und 1317 von Siebenbürger Sachsen, die ihre Eigenkirchlichkeit gegenüber dem siebenbürgischen Bischof verteidigen wollten. Da die Stadt dem Bischof unterstand, mit den freien siebenbürgisch-sächsischen Nachbarstädten nicht konkurrieren konnte und seit Ende des 14. Jahrhunderts wiederholten Angriffen der aus dem Miereschtal heranziehenden Osmanen ausgesetzt war, konnte sich Weißenburg im Mittelalter nie zu einer Handels- oder Handwerksmetropole entwickeln.

Der Ort war Sitz des Komitats Fehér, nach dessen Teilung des Komitats Alsó Fehér (rum. Alba Inferioară, dt. Unter-Weißenburg). Hier tagten wiederholt die siebenbürgischen Landtage, unter ihnen die für das rumänische Selbstverständnis wichtige Zusammenkunft von 1291, als neben den drei Ständen des ungarischen Adels, der Szekler und der Siebenbürger Sachsen auch die Rumänen teilnahmen. Der hier residierende Komitatsgespan (ispán) war in der Regel gleichzeitig Vizewoiwode Siebenbürgens. 1442 errang der Woiwode Johannes Hunyadi in der Nähe von Weißenburg einen Sieg über die Osmanen.

Neuzeit

Nach dem Zerfall des ungarischen Königreichs wurde die Stadt zwischen 1542 und 1690 Sitz der Fürsten von Siebenbürgen, die nach der Reformation und der Vertreibung des siebenbürgischen Bischofs in dessen Palais residierten. Die meisten Landtage dieser Zeit fanden in Weißenburg statt. 1542 wurde hier Johann II. Sigismund Szapolyai zum ungarischen König gewählt. In der ungarischen Geschichtsschreibung wird die Stadt als Hauptstadt des im Osten fortbestehenden Königreichs Ungarn bezeichnet. 1591 hielt der Sachsengraf Albrecht Huet in Weißenburg eine denkwürdige Rede, in der er die Privilegien der Siebenbürger Sachsen mit historischen und naturrechtlichen Argumenten verteidigte. 1599 zog der walachische Fürst Michael der Tapfere (Mihai Viteazul) nach der Eroberung des Landes in Weißenburg ein und wurde hier 1600 vom Landtag zum Fürsten von Siebenbürgen gewählt. Da Michael auch die Moldau besetzt hatte, unterstanden nun die drei später zu Rumänien gehörenden Provinzen Walachei, Moldau und Siebenbürgen erstmals, allerdings nur kurzzeitig (bis 1601), einem einzigen Herrscher. Die symbolisch überhöhte "erste Vereinigung der drei rumänischen Länder" sollte 1918 eine wesentliche Rolle bei der Einberufung der Nationalversammlung der Rumänen nach Karlsburg spielen.

1602 wurde der Ort von Truppen des habsburgischen Generals Giorgio Basta verwüstet, der der Herrschaft Michaels des Tapferen ein Ende setzte. Unter dem Fürsten Gabriel/Gábor Bethlen (1613-1629) wurde Weißenburg im "italienischen Stil" (Spätrenaissance/Frühbarock) wiederaufgebaut. 1657 wurde die Stadt von tatarischen Truppen in Brand gesetzt, die Siebenbürgen mit Duldung der Osmanen verwüsteten. 1661 eroberten Osmanen die Stadt.

Blick auf die im 18. Jahrhundert erbaute Festung [Wikimedia Commons. Codrinb CC BY-SA 3.0 RO].
Drittes Tor der Burg. Im Vordergrund: ein Schneelabyrinth in Form der Alba Carolina Burg (Sternform mit sieben Ecken) mit den sieben Bastionen [Foto (Februar 2012): Cornelia Guju].

1687 besetzten österreichische Truppen Weißenburg, das nun in die Habsburgermonarchie integriert wurde. 1704 wurde hier Franz II. Rákoczi, der Führer der antihabsburgischen Bewegung in Ungarn, zum Fürsten Siebenbürgens gewählt. Nach der Niederschlagung des Aufstandes (1711) ließ Kaiser Karl VI. den Ort ab 1714 nach Plänen von Giovanni Visconti zur Festung im Vauban-Stil ausbauen; die Arbeiten wurden 1738 abgeschlossen. Symbol der neuen Herrschaft war auch die Umbenennung der Stadt im Jahr 1718. Obwohl offiziell angeordnet, haben die Ungarn den Ort in den seltensten Fällen "Károlyfehérvár" genannt und den alten Namen beibehalten, während sich der deutsche Ortsname durchsetzen konnte. Karlsburg wurde in habsburgischer Zeit nicht mehr Hauptstadt Siebenbürgens, wohl aber die wichtigste Garnisonsstadt. Hier wurden 1785 die Anführer eines Aufstandes der siebenbürgischen Rumänen aufs Rad geflochten und hingerichtet. Während der Revolution von 1848/49 wurde Karlsburg kurzzeitig von ungarischen Revolutionären besetzt, dann von österreichisch-russischen Truppen zurückerobert.

Zeitgeschichte

Auf der Grundlage des Selbstbestimmungsrechtes der Völker trafen am Ende des Ersten Weltkrieges, während des Zerfalls der österreichisch-ungarischen Monarchie, am 1. Dezember 1918 in Karlsburg rund 10.000 Vertreter der Siebenbürger Rumänen zusammen und beschlossen auf einer Nationalversammlung den Anschluss Siebenbürgens an das Königreich Rumänien. Die damals verkündeten Beschlüsse von Karlsburg sagten auch den anderen Völkern der Region weitgehende Minderheitenrechte im neuen Staat Großrumänien zu. Nach der internationalen Anerkennung des Anschlusses durch den Friedensvertrag von Trianon (1920) wurde König Ferdinand I. von Hohenzollern-Sigmaringen in der zu diesem Zweck erbauten Vereinigungskathedrale (rum. Catedrala Sf. Treime, catedrala Reîntregirii Neamului şi a Încoronării) an symbolträchtigem Ort zum König von Großrumänien gekrönt.

Verwaltung

Die Stadt wird von einem Bürgermeister und einem Stadtrat (21 Sitze) geleitet. Es sind drei juristische Instanzen, das Obergericht (Curtea de Apel), das Berufungsgericht (Tribunalul Alba Iulia) und der Gerichtshof (Judecatoria) in der Stadt ansässig.

Bevölkerung

1785 hatte die Stadt 13.928 Einwohner, 1840 waren es 25.000. Die Zahl schrumpfte bis 1857 auf 20.615 und stieg dann bis 1880 wieder auf 22.761 an. 1880 gaben 76,07 % der Bevölkerung an, magyarischer, 4,76 % deutscher, 12,88 % rumänischer Sprachzugehörigkeit zu sein. 1910 wurden 58.481 Einwohner gezählt, davon 83,38 % mit magyarischer, 12,44 % mit rumänischer und 2,76 % mit deutscher Sprachzugehörigkeit.[2] Die höchste Zahl deutscher Bewohner wurde 1900 mit 1.343 Personen erreicht (8,11 % der Gesamtbevölkerung).[3] Bis in die 1990er Jahre ist die deutsche Einwohnerzahl aufgrund der Auswanderung stark gesunken. 1992 wurde der Höchststand der Einwohnerzahl erreicht: 71.168 Personen. Darunter waren noch 461 Deutsche. 2002 hatte Karlsburg 66.406, 2011 61.045 Einwohner.[4]

Wirtschaft

Karlsburgs Wirtschaft ist von der Bau-, Lebensmittel-, Textil- und Lederindustrie geprägt. Die Porzellanmanufaktur und der Weinbau zählen zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen der Stadt. Nach der Wende 1989/90 und insbesondere nach der Burgsanierung der letzten Jahre nahm die Bedeutung des Tourismus zu.

Religions- und Kirchengeschichte

Das römisch-katholische Bistum beherrschte die Stadt seit seiner Gründung (1009). 1991 wurde es zum Erzbistum erhoben. Unterstützt von einigen Fürsten entfalteten sich hier mehrere reformatorische Bewegungen, vor allem der Antitrinitarismus (Unitarismus) und der Calvinismus. Das römisch-katholische Bistum wurde zeitweise aufgelöst und erstand erst 1715, auf Druck der Habsburger, wieder. Umstritten ist die Frage, ob Michael der Tapfere 1600 in Karlsburg ein griechisch-orthodoxes Bistum oder nur eine Kirche gestiftet hat. 1698 beschloss die von Bischof Atanasie Anghel geleitete orthodoxe Synode von 38 Protopresbytern auf Initiative des Wiener Hofes die Vereinigung mit der römischen Kirche. Es entstand die griechisch-katholische (unierte) Kirche der Siebenbürger Rumänen. Der Sitz des Bistums der griechisch-katholischen Kirche war anfangs Karlsburg, dann Fogarasch/Făgăraş und Blasendorf/Blaj, wo er sich auch heute befindet. Die orthodoxe Kirche bestand jedoch in Teilen weiter und erstarkte im 18. Jahrhundert zunehmend. 1761 wurde der orthodoxe bischöfliche Sitz wieder besetzt, allerdings der Hermannstädter Orthodoxen Metropolie untergeordnet. 2005 wurde das Erzbistum Alba Iulia der neu gegründeten orthodoxen Metropolie Klausenburg zugeordnet.

1627 erhielten sephardische Juden – nur in Karlsburg – die Erlaubnis zur Niederlassung auf siebenbürgischem Boden und errichteten in der Unterstadt eine Synagoge.

Konfessionelle Zugehörigkeit der Stadtbewohner: 1880:[5] 35,60 % römisch-katholisch, 35,69 % calvnistisch,13,80 % griechisch-katholisch, 5,35 % mosaisch, 4,31% lutherisch, 3,45 % unitarisch (antitrinitarisch), 1,45 % griechisch-orthodox; 1910:[6] 34,08 calvinistisch, 31,28 % römisch-katholisch, 14,22 % griechisch-katholisch, 11,59 % mosaisch, 3,32 % lutherisch, 3,16 % unitarisch, 2,23 % griechisch-orthodox;1930:[7] 38,3 % orthodox, 21,4 % griechisch-katholisch, 14,7 % reformiert, 10,5 % römisch-katholisch, 7,2 % evangelisch, 6,5 % mosaisch; 2002:[8] 80 % orthodox, 2,6 % griechisch-katholisch, 1,2 % reformiert, 2,5 % römisch-katholisch, <1 % evangelisch.

Kulturelle Institutionen

Das Vereinigungsmuseum (Muzeul Naţional al Unirii) ist im ehemaligen Militärkasino (erbaut 1851–1853) untergebracht und beherbergte ursprünglich Funde archäologischer Ausgrabungen. Der Vereinigungssaal, in dem 1918 der Anschluss Siebenbürgens an Rumänien beschlossen wurde, ist ein Symbol des rumänischen Nationalbewusstseins.

Die Batthyaneum-Bibliothek (Biblioteca Batthyaneum) wurde 1780 im Barockgebäude einer ehemaligen Kirche eingerichtet. Sie beherbergt seltene Bücher und eine Sammlung von Inkunabeln, u. a. Teile des Lorscher Evangeliars, des Codex Aureus und des Codex Burgundus. 1792 wurde hier das erste astronomische Observatorium des Landes geschaffen.

Das 1952 eröffnete Puppentheater "Prichindel" ist eines der bekanntesten in Europa.

Bildung und Wissenschaft

Der siebenbürgische Fürst Gabriel/Gábor Bethlen gründete in Weißenburg am 1. Mai 1620 ein Kollegium, das 1622 in das "Akademische Bethlen-Kolleg" (Collegium Academicum Bethlenianum) umgewandelt wurde; unter anderen deutschen Gelehrten lehrte hier zeitweise auch der Dichter Martin Opitz. 1629 erhielt das Kolleg den Rang einer akademischen Schule und es wurden eine Theologische, eine Philosophische und eine Philologische Fakultät eingerichtet. 1658 zog es nach Strassburg am Mieresch/Aiud um. In Karlsburg sind heute das Nationalkollegium Horea, Cloşca şi Crişan, das Orthodoxe und das Römisch-Katholische Seminar sowie drei Hochschulen angesiedelt: die Universität "1. Dezember 1918" (Universitatea "1 Decembrie 1918"), die Akademie für Informatik, Technische Wissenschaften, Wirtschaft, Recht und Verwaltung (Academia Informatizată pentru Ştiinţe Tehnice, Economice, de Drept şi Administraţie) und die Rumänische Wirtschaftsschule der Industrie- und Handelskammer (Şcoala Română de Afaceri a Camerelor de Comerţ şi Industrie).

Kunstgeschichte

Das Stadtbild ist geprägt von der siebeneckigen, sternförmigen Festung im Vauban-Stil, die 1714 begonnen und an den Ecken mit Bastionen befestigt wurde. Mehrere reich gestaltete Torbauten (u. a. das Karlstor um 1720) ermöglichten den Zugang zur Festung.

Kathedrale St. Michael [Foto (2013): Wikimedia Commons. Daniel JURCA CC BY-SA 4.0]
[Foto (2009): Wikimedia Commons. Krzysztof Dudzik CC BY-SA 3.0].

Die römisch-katholische Kathedrale St. Michael, die in großen Teilen vor allem im 12. und 13. Jahrhundert im romanischen Stil errichtet und später erweitert worden war (frühgotischer Chorabschluss), ist einer der bedeutendsten Bauten der Romanik im alten Königreich Ungarn; die im 16. Jahrhundert angebaute Lázó-Kapelle ist ein schönes Beispiel der Frührenaissance in Siebenbürgen. Das Bischofspalais geht auf das späte 15. Jahrhundert zurück und wurde vor allem im 17. Jahrhundert erneuert. Aus dieser Zeit stammt auch das in den schlichten Formen der Spätrenaissance und des Frühbarock errichtete Hauptportal. Seit 1542 wurde es von den Fürsten Siebenbürgens bewohnt. Das Stadtpalais der ungarischen Adelsfamilie Apor ist der eindrucksvollste mittelalterliche Profanbau in Karlsburg; es wurde im 18. Jahrhundert im Barockstil umgebaut und ist heute Sitz des Rektorats der Universität.

Die als Nationaldenkmal fungierende Vereinigungskathedrale wurde in den 1920er Jahren an zentraler Stelle innerhalb der Festungsanlage gebaut.

Die Route der drei Festungsanlagen (Traseul celor 3 fortificaţii) ermöglicht Besuchern eine Reise durch drei Epochen: das römische castrum der Legion XIII. Gemina, die mittelalterliche und die frühneuzeitliche Burg.

Die Holzkirche "Michael der Tapfere" wird dem walachischen Fürsten zugeschrieben und war im 17. Jahrhundert vielleicht ein Zentrum des orthodoxen Bistums Siebenbürgen.

Buch- und Druckgeschichte

Zentrum des Buchdruckes in Siebenbürgen war bis 1590 Kronstadt, dann Karlsburg. Hier wurden u. a. 1648 die erste rumänische Bibelübersetzung und 1699 die erste rumänische Fibel (Bucoavna de la Bălgrad) gedruckt.

4. Diskurse/Kontroversen

Gedenktafel auf dem Festungsgelände − Erinnern an den Bauernaufstand von 1784/85: „Die Helden des rumänischen Volkes. Der Bauernaufstand geführt von Horea, Cloşca und Crişan“. [Foto (2011): Wikimedia Commons. Codrinb CC BY-SA 3.0 RO].

 

Mit Karlsburg stehen unterschiedliche historiographische und religionshistorische Kontroversen in Verbindung. Zum einen geht es um die Kontinuität der rumänischen Bevölkerung auf siebenbürgischem Boden (ununterbrochene Fortdauer der dakisch-römischen Bevölkerung von der Antike bis heute), die von der rumänischen Geschichtsschreibung als Argument für das historische Recht auf Siebenbürgen postuliert, von ungarischer Seite aber negiert wird. Zum anderen geht es um die Kontroversen zwischen verschiedenen Religionsgemeinschaften, für die Karlsburg eine symbolische Bedeutung hat. Die römisch-katholische Kirche beruft sich auf ihre tausendjährige Vergangenheit (große Millenniumsfeier 2009), die griechisch-orthodoxe Kirche betont die Existenz eines eigenen Bistums in Karlsburg seit der Zeit Michaels des Tapferen. Für die griechisch-katholische Kirche ist es der Ort der Gründung ihrer Glaubensgemeinschaft.

5. Bibliographische Hinweise

Literatur

  • Gheorghe Anghel: Cetăţile medievale de la Alba Iulia [Die mittelalterlichen Burgen in Weissenburg]. In: Apulum 13 (1975), S. 245-271.
  • Thomas Nägler: Alba Iulia. In: Harald Roth (Hg.): Handbuch der historischen Stätten. Siebenbürgen. Stuttgart 2003 (Kröners Taschenausgabe 330), S. 5-10.
  • Ernst Wagner (Bearb.): Quellen zur Geschichte der Siebenbürger Sachsen 1191–1975. Köln u. a. 1976 (Schriften zur Landeskunde Siebenbürgens 1), S. 258-271.

Periodika

Weblinks

Anmerkungen

[1] Vgl. Nägler: Alba Iulia, S. 5.

[2] Ernő Deák: Königliche Freistädte – Munizipalstädte. Das Städtewesen der Länder der ungarischen Krone (1780–1918). Teil II/1: Ausgewählte Materialien zum Städtewesen A. Wien 1989 (Österreichische Akademie der Wissenschaften. Veröffentlichungen der Kommission für Wirtschafts- Sozial- und Städtegeschichte 4), S. 365.

[3] Vgl. Varga Árpád: Fehér megye településeinek etnikai (anyanyelvi/nemzetiségi) adatai 1850–2002 [Ethnische Daten (Sprache/Staatsangehörigkeit) der Ortschaften des Kreises Alba zwischen 1850-2002] Online Dokument: http://www.kia.hu/konyvtar/erdely/erd2002/abetn02.pdf (Abruf 26.09.2013).

[4] Vgl. die Volkszählungswebseite Rumäniens http://www.recensamantromania.ro/wp-content/uploads/2012/02/Comunicat_DATE_PROVIZORII_RPL_2011_.pdf (Abruf 26.09.2013).

[5] Deák (wie Anm. 2), S. 366.

[6] Deák (wie Anm. 2), S. 366.

[7] Vgl. Recensământul general al populației României din 29 Decemvrie 1930 [Generalvolkszählung der Rumänischen Bevölkerung vom 29. Dezember 1930]. Bd. 2, S. 522.

[8] Vgl. Varga Árpád: Fehér megye településeinek etnikai (anyanyelvi/nemzetiségi) adatai 1850-2002 [Ethnische Daten (Sprache/Staatsangehörigkeit) der Ortschaften des Kreises Alba zwischen 1850–2002] Online Dokument: http://www.kia.hu/konyvtar/erdely/erd2002/abetn02.pdf (Abruf 26.09.2013).

Zitation

Cornelia Guju: Karlsburg (früher Weißenburg)/Alba Iulia. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2013. URL: ome-lexikon.uni-oldenburg.de/54273.html (Stand 29.10.2015).

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