OME-Lexikon

Elbogen/Loket

1. Toponymie

Deutsche Bezeichnung

Elbogen

Amtliche Bezeichnung

tschech. Loket

Lateinische Bezeichnung

Cubitum

Etymologie

Das tschechische Wort loket und das lateinische Wort cubitum bedeuten auf Deutsch "Ellenbogen". Die Stadt liegt auf einem an drei Seiten von der Eger (Ohře) umflossenen Felsrücken, von dem sich der Name ableitet. Der deutsche, der tschechische und der lateinische Name wurden in den 1230er Jahren zeitgleich verwendet.

2. Geographie

Lage

50° 11′ nördlicher Breite, 12° 45′ östlicher Länge. Auf einem Felshügel gelegen, überragt die Burg Elbogen die gleichnamige Stadt. Elbogen liegt ca. 10 km südwestlich von Karlsbad/Karlovy Vary.

Region

Staatliche und administrative Zugehörigkeit

Tschechische Republik. Elbogen gehört zum Bezirk Falkenau (Okres Sokolov) in der Region Karlsbad (Karlovarský kraj).

3. Geschichte und Kultur

Gebräuchliche Symbolik

Der Wappenschild wird von einem Löwen gehalten, der sich hinter dem Schild befindet und mit seiner Rechten einen Schlüssel greift. Das redende Stadtwappen in Rot zeigt eine silberne, von Zinnen bekrönte Mauer mit Tor, über der sich ein Schwertarm befindet. Die beiden inneren Zinnen sind jeweils mit einer von einem silbernen Balken durchzogenen Rose versehen.

Mittelalter

Fundamentreste belegen eine Befestigungsanlage in der Mitte des 12. Jahrhunderts. Burg und Ort wurden zu Beginn des 13. Jahrhunderts von den Staufern erworben und in das Königreich Böhmen eingegliedert. Die Siedlung erhielt noch vor der Mitte des 13. Jahrhunderts das Marktrecht und wurde Ende des 13. Jahrhunderts zur Stadt erhoben. 1240 erhielt der Orden der Kreuzherren mit dem roten Stern von König Wenzel I. das Patronat u. a. über die Burgkirche von Elbogen. Otakar II. Přemysl förderte die Niederlassung deutscher Siedler in der Region.

Elbogen ist der (legendäre) Ort der Annäherung Wilhelm Hases von Waldeck (Vilém Zajíc z Valdeka), der zu Beginn des 14. Jahrhunderts an der Spitze des böhmischen Adels stand, und des böhmischen Königs Johann von Luxemburg, der die Stellung des böhmischen Adels 1318 im sog. Frieden von Taus/Domažlice anerkannte.

Die Burg war durch ihre Lage an der Handelsstraße von Prag/Praha nach Eger/Cheb von (politischer) Bedeutung; mehrere Aufenthalte von Regenten sind belegt. Zudem war Elbogen der Ausstellungsort zahlreicher Urkunden.

Burg und Stadt Elbogen wurden mehrfach verpfändet, u. a. 1434 von König Sigismund an seinen Kanzler Kaspar Schlick, dessen Familie die Pfandschaft bis Mitte des 16. Jahrhunderts innehatte.

Neuzeit

Mitte des 16. Jahrhunderts wurden Burg und Stadt vom Habsburger Ferdinand I. konfisziert, vorübergehend unter die Herrschaft der Herren von Plauen gestellt und zum Ende des 16. Jahrhunderts an Kaiser Rudolf II. und somit an die böhmische Krone verkauft. Die Stadt verlor ab dem 17. Jahrhundert an wirtschaftlicher und administrativer Bedeutung.

Bevölkerung

1885: 3.298 Einwohner, überwiegend Deutsche; 1939: 3.594; 1950: 2.255; 1980: 1.822; 2012: 3.144 Einwohner.[1]

Kirchengeschichte

Graf Sebastian Schlick erließ im Jahre 1522 in Elbogen die erste evangelische Kirchenordnung in Böhmen.

Wirtschaftsgeschichte

Das reichhaltige Kaolinvorkommen in der Karlsbader Region begünstigte, wie auch im nahen Schlaggenwald/Horní Slavkov, die Etablierung von Porzellanmanufakturen und -fabriken. 1815 gründeten die Brüder Eugen und Rudolf Haidinger aus Wien in Elbogen eine Porzellanfabrik, die ab 1918 als "Epiag" firmierte.

Ab 1925 betrieb der spätere NS-Politiker Karl-Hermann Frank (ab 1943: Reichsminister im Protektorat Böhmen und Mähren) in Elbogen eine Buchhandlung, die zu einer wichtigen Anlaufstelle für nationalistische und nationalsozialistische Kräfte unter der deutschsprachigen Bevölkerung Westböhmens wurde.

Kunstgeschichte

Aus der frühesten Zeit der Befestigungsanlage haben sich Überreste einer kleinen Rotunde (2. Hälfte 12. Jh.), die als Sakralraum genutzt worden war, erhalten. Die Burg wurde um unter Wenzel IV. in der Zeit um 1400 umfassend umgestaltet. Die Stadtbrände von 1480, 1504 und 1725 gingen jeweils mit starken Zerstörungen der Bebauung einher.

Das Rathaus von 1686 (errichtet nach Plänen von Abraham Leuthner von Grundt) und die Dreifaltigkeitssäule von 1719 dominieren den Marktplatz. Die barocke Annenkapelle wurde 1744 von der Stadt aus Dank dafür erbaut, dass diese von den Zerstörungen der französischen Armee im Österreichischen Erbfolgekrieg verschont geblieben war. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfolgte der Neubau der barocken Pfarrkirche St. Wenzeslaus unter Wolfgang Braunbock und seinem Sohn. Der Hochaltar wurde vermutlich von Jakob Eberl, die Altarbilder von Peter Brandel und Elias Dollhopf geschaffen.

Gedächtnis- und Erinnerungskultur

1953 hat die Stadt Illertissen die Patenschaft für die Vertriebenen aus dem Kreis Elbogen übernommen, aus der sich eine Städtepartnerschaft entwickelte.[2] Die in Illertissen entstandene Heimatsammlung wurde kontinuierlich erweitert und präsentiert sich heute als Egerländer-Elbogener Heimatmuseum.

4. Bibliographische Hinweise

Literatur

  • Ivan Hlaváček: Elbogen. In: Robert-Henri Bautier u. a. (Hg.): Lexikon des Mittelalters. Bd. 3: Codex Wintoniensis bis Erziehungs- und Bildungswesen. München, Zürich 1986, Sp. 1778.
  • Joachim Rogall: Elbogen. In: Joachim Bahlcke, Winfried Eberhard, Miloslav Polívka (Hg.): Handbuch der historischen Stätten. Böhmen und Mähren. Stuttgart 1998 (Kröners Taschenausgabe 329), S. 133-136 (u. a. mit tschechischsprachiger Bibliographie).

Weblinks

Anmerkungen

[1] Vgl. Rogall: Elbogen, S. 135; und http://www.czso.cz/csu/2012edicniplan.nsf/t/00002BD91A/$File/13011203.pdf (Počet obyvatel v obcích České republiky k 1. 1. 2012 [Volkszählung in den Kommunen der Tschechischen Republik zum 1. Januar 2012]).

[2] Siehe unter http://www.bkge.de/heimatsammlungen/index.html.

 

 

 

Zitation

Marco Bogade: Elbogen/Loket. In: Online-Lexikon zur Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, 2013. URL: ome-lexikon.uni-oldenburg.de/54209.html (Stand 28.10.2015).

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