Forschungsstelle Kinder- und Jugendliteratur OLFOKI

Poetikvorlesung

Seit 2004 spüren Kinder- und Jugendbuchautorinnen und -autoren in öffentlichen Vorlesungen, die die Forschungsstelle Kinder- und Jugendliteratur und das Institut für Germanistik veranstalten, der Poetik der Kinder- und Jugendliteratur nach. Fragen sind unter anderen: Warum schreiben diese Autoren und Autorinnen Kinder- und Jugendliteratur? Welche Themen sind Ihnen wichtig? Welche Vorstellungen vom Schreiben für Kinder und Jugendliche und von Kindheit und Jugend haben sie, und wie nehmen sie das Feld der Kinder- und Jugendliteratur wahr?

 

 

Uwe Michael Gutzschhahn
Die Musik der Sprache

27.10.2016 um 14.15 Uhr im BIS-Saal, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Aus der Arbeit des Übersetzers und Autors Uwe-Michael Gutzschhahn

Der Schriftsteller, Lyriker und Übersetzer Uwe-Michael Gutzschhahn erzählt in seiner Gastvorlesung von der Bedeutung der Musik in der Sprache. Ob in seinen Kindergedichten oder in seinen Romanübersetzungen, immer geht es darum, den geeigneten Ton des Textes aufzuspüren. Beim Übersetzen heißt das, der Klangstruktur des Originals eine möglichst adäquate Stimme innerhalb des deutschen Sprachduktus zu verschaffen, dem Original in der anderen Sprache seine akustische Kraft wiederzugeben. Der Übersetzer ist somit vergleichbar dem Interpreten in der Musik, der der Originalkomposition seine individuelle Klangfarbe gibt, ohne die Komposition zu überspielen.

 

 

Die Beiträge früherer Poetikvorlesungen  (Lutz van Dijk, Alexa Hennig von Lange und Andreas Steinhöfel) sind in der Schriftenreihe (Band 4) erscheinen: 

Ute Dettmar/Mareile Oetken (Hrsg.): Poetikvorlesung zur Kinder- und Jugendbuchliteratur
2009 - 2011
ISBN 978-3-8142-2260-8, 12,80€

BIS Verlag Oldenburg

Anja Tuckermann
Geschichte und Geschichten in der Kinder- und Jugendliteratur (2014)

Die Berliner Autorin Anja Tuckermann hat im Mai 2014 an der Universität Oldenburg zwei Poetikvorlesungen zu geschichtserzählender Kinder- und Jugendliteratur gehalten. Unter dem Titel „Geschichte und Geschichten: Wann beginnt Geschichte?“ berichtete Tuckermann von kindlichem Geschichtsinteresse und der Inspiration für ihre eigenen zeitgenössischen Alltagsgeschichten für Kinder und Jugendliche. Bei der zweiten Vorlesung  ging es unter dem Titel „Wer sind wir? Geschichte als Erzählung der Gegenwart“ vor allem um vier Bücher Tuckermanns, die sich mit der Zeit der Diktatur in Deutschland befassen und mit Menschen, die in dieser Zeit Kinder. Die Autorin berichtete von i

hren ausgedehnten Gesprächen etwa mit KZ-Überlebenden, darüber, wie Erinnerung funktioniert, wie sie recherchierte und die literarische Form von Buch zu Buch der spezifischen Geschichte anpasste.

Die Oldenburger Forschungsstelle Kinder- und Jugendliteratur (OLFOKI) lehnt die Poetikvorlesungen an ihre Pläne zur Kinder- und Jugendbuchmesse KIBUM an. Die dortige OLFOKI-Ausstellung beschäftigt sich mit dem Thema „Das Kinderbuch erklärt den Krieg“.

 

 

Isabel Kreitz
Dachboden als geistiger Lebensraum (2012)

Die Verbindung von Comic und Literatur, die mit dem Erfolgsformat der Graphic Novels aktuelle Bezugspunkte hat, ist 2012 ins Zentrum der Poetikvorlesungen gerückt. Die Hamburger Zeichnerin Isabel Kreitz berichtet unter dem Titel Dachboden als geistiger Lebensraum. Comics von Isabel Kreitz über ihre Zugänge zur Literatur und über ihre Konzepte, Literatur in Comicpanels grafisch umzusetzen.

Isabel Kreitz ist eine vielseitige Künstlerin, debutierte 1996 mit ihrer Comicbearbeitung von Uwe Timm "Die Entdeckung der Currywurst". Zeithistorische Themen beschäftigen sie seither: So hat sie Spione verfolgt (Die Sache mit Sorge (2008)) und den Hannoveraner Massenmörder Haarmann (2010)porträtiert. Das Panorama der deutschen Nachkriegsgeschichte wird in Deutschland. Ein Bilderbuch (2011) anschaulich. Seit 2008 widmet sie sich intensiv den Kinderbüchern Erich Kästners. 2008 hat sie mit ihren Panels zu Der 35. Mai einen Meilenstein in der Comicerzählung von Kinderliteratur gesetzt. Auf Pünktchen und Anton (2010) folgt in diesem Jahr Emil und die Detektive (2012). Die drei Werke sind sowohl eine Hommage an den Autor als auch an den Zeichner Walter Trier. Dabei interessiert es Kreitz vor allem, neue Lesarten in der notwendigen Verdichtung der Geschichte zu entwickeln. Bevor sie zeichnet, muss sie die Geschichte wie einen Film denken können. Die Comics unterscheiden sich jedoch deutlich von den zahlreichen Kästner-Verfilmungen. Comics sind für Isabel Kreitz ein interaktives Medium. "Das Wichtigste ist nicht das Bild, sondern das, was zwischen zwei Bildern passiert. Der Leser muss mitdenken."

  

Poetikvorlesung mit Berliner Comic-Künstler Flix (2012)

Er zählt zu den renommiertesten deutschen Comic-Künstlern: Flix - bürgerlich Felix Görmann - stellt in zwei Vorlesungen an der Universität Oldenburg seine Comics vor: unter dem Titel "Mama! Der Felix spinnt wieder! - Über mein Leben als Comiczeichner", und zum Thema "Mitgefühl ist Voraussetzung - Über meine Arbeit als Comiczeichner".  Die Vorträge sind Teil der Poetikvorlesungen der Universität, die 2012 die Verbindung von Comic und Literatur ins Zentrum stellt.

Viele der Arbeiten von Flix sind autobiographisch geprägt, so die Beziehungsgeschichte "sag was" (2004) oder das Comic-Tagebuch "heldentage", das Flix seit 2006 online führt. Außerdem verarbeitet er literarische Klassiker zu Comics: 2009 entstand für die F.A.Z. in Fortsetzung Faust, 2011 folgte Don Quijote.
Flix studierte Kommunikationsdesign in Saarbrücken. Seine Abschlussarbeit, die 2003 unter dem Titel "held" erschien, machte ihn bekannt. Für seine Comics wurde er mittlerweile vielfach ausgezeichnet: Max-und-Moritz-Preis (2004 und 2012), Stuttgart Cartoon Award (2007), Münchner Comicpreis (2009).

 

 

Poetikvorlesungen früherer Jahre