Forschungsstelle Kinder- und Jugendliteratur OLFOKI

Poetikprofessur 2016

Die Musik der Sprache

Aus der Arbeit des Übersetzers und Autors Uwe-Michael Gutzschhahn 

Der Schriftsteller, Lyriker und Übersetzer Uwe-Michael Gutzschhahn erzählt in seiner Gastvorlesung von der Bedeutung der Musik in der Sprache. Ob in seinen Kindergedichten oder in seinen Romanübersetzungen, immer geht es darum, den geeigneten Ton des Textes aufzuspüren. Beim Übersetzen heißt das, der Klangstruktur des Originals eine möglichst adäquate Stimme innerhalb des deutschen Sprachduktus zu verschaffen, dem Original in der anderen Sprache seine akustische Kraft wiederzugeben. Der Übersetzer ist somit vergleichbar dem Interpreten in der Musik, der der Originalkomposition seine individuelle Klangfarbe gibt, ohne die Komposition zu überspielen.

27.10.2016 um 14.15 Uhr im BIS-Saal,
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

 

 

 

Die Beiträge früherer Poetikvorlesungen  (Lutz van Dijk, Alexa Hennig von Lange und Andreas Steinhöfel) sind in der Schriftenreihe (Band 4) erscheinen:  

Ute Dettmar/Mareile Oetken (Hrsg.): Poetikvorlesung zur Kinder- und Jugendbuchliteratur
2009 - 2011 
ISBN 978-3-8142-2260-8, 12,80€

BIS Verlag Oldenburg

 

 

 

Ausstellung der Forschungsstelle zur Kibum 2016

Augen-Blick.
Orientierung in erzählten und realen Welten
     

06.11.-15.11.2016 in der Artothek, Peterstr.1
Täglich 10.00-18.00 Uhr

Nichts hat sich in der Kinderliteratur so dynamisch entwickelt wie die Illustration, die heute mit einer großen künstlerischen Vielfalt auf höchst unterschiedliche Weise auch sehr eigenständig zu erzählen vermag. Das wirft die Frage nach Umgang mit dieser Vielfalt auf. Wie orientieren wir uns eigentlich in diesen Bilderwelten? Die Ausstellung Augen-Blick. Orientierung in erzählten und realen Welten nähert sich möglichen Orientierungsstrategien auf unterschiedliche Weise.

Das Wimmelbilderbuch wurde bereits 1968 mit Rundherum in meiner Stadt von Ali Mitgutsch eingeführt und erfreut sich bis heute ungebrochener Beliebtheit. Studierende der Carl von Ossietzky Universität haben mit Dozent Thomas Robbers eine raumhohe Version mit vielen Szenen, die von ihren Erfahrungen mit dem Oldenburger Radverkehr erzählen, geschaffen. Orientierung kann hier auf unterschiedliche Weise erfahren werden, denn nicht nur die Vielfalt der Szenen, sondern auch die Größe des Formats lassen Übersicht nicht sofort zu. QR-Codes, mit denen durch Scanner und Smartphones kleine Video-Clips öffnen lassen, bieten zudem überraschende Möglichkeiten der filmischen Weitererzählung. Jeder Betrachter und jede Betrachterin muss sich fragen: Wo fange ich an, und wie verknüpfe ich die Szenen? Welche Clips wähle ich aus – oder will ich alle ansehen?

Andere visuelle Erzählweisen arbeiten dagegen explizit mit der Lenkung des Blicks. Das gilt für alle sequentiellen Erzählungen, etwa den Comic, aber ganz besonders für das Daumenkino. Das Daumenkino ist so alt wie die Sehnsucht nach bewegten Bildern selbst, verwiesen sei hier auf die laterna magica oder die Wundertrommel aus dem 18., bzw. 19. Jahrhundert. Die Ausstellung will mit Daumenkinos, die von Studierenden unter Anleitung der Dozentin Sabine Wallach nach aktuellen Bilderbüchern entwickelt wurden, die Lenkung des Blicks für die Betrachter nicht nur durch das Abblättern der Seiten, sondern auch durch künstlerische Mittel der Schärfe oder Unschärfe, durch die Perspektive, durch Kontrastsetzungen oder durch Stanzungen bewusst nachvollziehbar machen. wie seine gezielte Lenkung mit Daumenkinos (z. B. durch Zoom, Kamerabewegung), die Studierende unter Anleitung von Sabine Wallach auf Grundlage aktueller Bilderbücher entwickelt haben

Wie Kinder sich in einer unbekannten Umgebung orientieren, stand bei einem Besuch zweier Grundschulklassen im Botanischen Garten in Oldenburg, Philosophenweg,im Mittelpunkt einer Lehrveranstaltung der Dozenten PD Dr. Ines Oldenburg (Wissenschaftliche Direktorin der AG Sachunterricht, Institut für Pädagogik der Uni Oldenburg) und Dr. Klaus Bernhard von Hagen (Kurator des Botanischen Gartens und Lehrender in der Biologie). Aufgabe der beobachtenden Studenten war es, aus den dabei auftretenden Problemen kindgerechte Lösungen für eine eigenständige Orientierung im Botanischen Garten zu finden. Dazu wurden verschiedene Lösungen entwickelt, z.B. aufklappbare, fühlbare, einfacher aufgebaute oder zerknüllbare Orientierungspläne. Eine Auswahl der dabei entstandenen neuartigen Pläne werden in der Ausstellung gezeigt.

In einem zweiten Teil der Lehrveranstaltung sollten die verschiedene Möglichkeiten, die für Orientierung nutzbar sind (z.B. Magnet-, Tast-, Zeitsinn...), in tatsächliche Spielerlebnisse umgewandelt werden. Besucher werden also einige interaktive Objekte mit ungewöhnlichen Spielideen in der Begleitausstellung ausprobieren dürfen.

Eine Buchausstellung lädt ein, in aktuellen Bilderbüchern zu stöbern, die experimentelle Konzepte des Sehens und Wahrnehmens entwickelt haben. 

Drei Vorträge reflektieren das Ausstellungsprojekt aus neurobiologischer, aus kunstwissenschaftlicher und aus kunstdidaktischer Sicht für ein interessiertes Publikum.