26.10.2017 – Campus-Leben

Zero Waste - null Müll

  • Ein Coffee-to-go im Pappbecher kommt für Caroline Hoops nicht infrage. Foto: Tobias Frick

Caroline Hoops lebt nahezu abfallfrei. In einem Blog schreibt die Oldenburger Studentin über ihre Erfahrungen. Wichtig sind ihr vor allem alltagstaugliche Tipps.

Sie isst keine tierischen Produkte, trägt Second-Hand-Kleidung und lebt ein weitgehend plastik- und müllfreies Leben: Caroline Hoops ist Veganerin und engagiert sich in der „Zero-Waste“-Bewegung. So manch einer öffnet da schnell die Schublade: öko, anstrengend, spaßfrei, überengagiert und Missionarin. Doch davon ist die blonde junge Frau weit entfernt. Die 23-Jährige will einfach „ihr Ding“ machen, niemandem ihre Vorstellungen von einem besseren, gesünderen Leben oktroyieren. „Nein, ich mache es für mich, weil ich merke, dass es mir damit besser geht. Aber wenn sich Gespräche oder Situationen ergeben, bin ich gerne bereit, über das Thema zu reden“, erzählt sie. So wie kürzlich auf dem „Street-Food-Festival“ in Bremen. Da war die Studentin der Umweltwissenschaften, die aktuell ihre Bachelor-Arbeit schreibt und zum Wintersemester den Masterstudiengang Sustainability Economics and Management aufnimmt, mit Freundinnen unterwegs. Für den kleinen Hunger zwischendurch bestellten sie sich Pommes: Während es für die Freundinnen die üblichen Pappschälchen gab, die gerne bei derartigen Veranstaltungen ketchup- und mayoverschmiert auf den Straßen herumfliegen, kramte Caro – wie Freunde sie nennen – Edelstahldose, Besteck und Stoffserviette aus ihrem Rücksack und ließ sich die Pommes abfüllen. „Superidee, Caro“, fanden ihre Begleiterinnen und schon entstand ein Gespräch.

Alternativen es zu Tesafilm und Allzweckreiniger

„Es geht gar nicht darum, ein perfektes umweltbewusstes Leben zu führen“, sagt Hoops. Vielmehr seien es Kleinigkeiten, die schon eine ganze Menge verändern – und da kann jeder mitmachen: Beim Einkaufen beispielsweise reicht im Kühlregal häufig ein Griff weiter nach links oder rechts: Milch in der Pfandflasche statt Tetrapak, Joghurt oder Sahne im Glas statt Plastikbecher. Oder das Brötchen beim Bäcker sich einfach in die Hand geben lassen – ohne Papiertüte. Caroline Hoops ist da schon viele Schritte weiter: Über ihre Erfahrungen, Erlebnisse und Erkenntnisse aus dem Zero-Waste-Alltag schreibt sie in losen Abständen in ihrem Blog „einbisschengruener.com“: Wie sie beispielsweise ein Festival plastikfrei genießt, welche Zero-Waste-Hotspots sie empfehlen kann und welche Alternativen es zu Tesafilm und Allzweckreiniger in Plastikflaschen gibt. Die Blog-Idee spukte ihr schon länger im Kopf herum: Sie fotografiert und designt leidenschaftlich gern, da passt ein ganz eigenes Projekt gut ins Bild. Irgendwann abends bei einem Gespräch mit ihrem Freund stellten beide fest, dass sie Lust auf einen eigenen Blog hätten. „Er hat schließlich seinen Musikblog ,reissnadel.com' gegründet und eine Karriere als Musikjournalist begonnen, und ich habe 2015 ,einbisschengrüner' auf den Weg gebracht“, erzählt sie.

„Da sprang der Funke entgültig über“

Als Bloggerin will sie ihre Ideen mit anderen Menschen teilen, ihnen den „Umstieg“ in ein müllfreies Leben erleichtern und für das Thema sensibilisieren. „Vor allem aber motiviere ich mich über den Blog immer wieder selbst“, sagt Hoops lächelnd. 

Seit knapp drei Jahren lebt die Studentin nach dem Zero-Waste-Motto „original unverpackt“. Auch wenn das Angebot in Oldenburg noch überschaubar ist, weiß Hoops, wo und wie sie welche Lebensmittel, Wasch-und Hygieneartikel am besten lose einkaufen kann: Kartoffeln, Möhren und Äpfel verstaut sie beispielsweise in selbstgenähten Stoffbeuteln, Bruchschokolade und Spülmittel lässt sie sich in Gläser abfüllen. Und Zahnpasta, Gesichtswasser oder Waschmittel stellt die gebürtige Staderin gerne selbst her. Aber damit nicht genug: Gemeinsam mit zwei Studentinnen hat Caroline Hoops kürzlich die Initiative „Lass was machen“ an der Universität ins Leben gerufen: „In Workshops stellen wir nachhaltige Alltagsprodukte wie Waschmittel oder Deo her“, erklärt Hoops. Ein erstes Treffen fand bereits statt und fand großen Zuspruch: Da wurden von Hand Bienenwachstücher als Frischhaltefolie-Alternative gefertigt. „Die Treffen sind auch eine Art Tauschbörse für plastikfreie Dinge wie Seifen, Cremes, Edelstahldosen – eben Sachen, die einem nicht gefallen oder die nicht mehr benötigt werden“, fügt Hoops hinzu.

„NachDenkstatt“ an der Uni

Nicht immer schon war die junge Frau Veganerin und lebte plastik- und müllfrei: Nach dem Abitur 2012 arbeitete sie in den USA auf einer Ranch. „Da gab es vor allem Rindfleisch, das mochte ich ohnehin nicht. Und auf Spare Ribs und Bacon-Bagels konnte ich gut verzichten“, erzählt sie. Eine Freundin vor Ort brachte den vegetarischen Stein  ins Rollen. Ein erster Schritt war gemacht: „Und es fühlte sich gut an!“, sagt die Studentin. Auf ein Leben ohne Plastik stieß sie erst über Umwege: „Ich las eine Geschichte über Lauren Singer aus der Zero-Waste-Bewegung“, so Hoops. Da sei ihre Neugierde geweckt worden, aber noch ohne Konsequenzen. Kurz darauf surfte sie durchs Internet auf der Suche nach alternativen Haarpflegeprodukten und stieß auf einen Zero-Waste-Blog. „Da sprang der Funke endgültig über, das ist jetzt gut drei Jahre her“, erinnert sie sich.

Inzwischen ist das alles gelebter Alltag für sie, seit 18 Monaten isst sie vegan – für sie ein weiterer und konsequenter Schritt in eine nachhaltige Zukunft. Wer sich dem Thema zunächst einmal behutsam nähern will, hat dazu auf der „NachDenkstatt“ der Universität Oldenburg vom 17. bis 19. November Zeit: Da organisiert Caroline Hoops einen Workshop zum Thema Plastikvermeidung, Zero Waste und Recycling. „Ein prima Einstieg“, findet die Studentin.


 

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