14.09.2017 – Campus-Leben,Forschung,Studium,Köpfe

Was uns als Gesellschaft verbindet

  • Zur zweiten Auflage der "Oldenburg School" sind Masterstudierende, Nachwuchswissenschaftler und die Öffentlichkeit bis Ende September ins Schlaue Haus am Schlossplatz eingeladen. Foto: 3GO

Breite und vielschichtige Nachwuchsförderung: Vier Fakultäten laden Masterstudierende und Promovierende, Postdoktorandinnen und Postdoktoranden zur zweiten Auflage der „Oldenburg School“ für Geistes- und Gesellschaftswissenschaften ein. Eine Reihe an Veranstaltungen steht allen Interessierten offen.

Die Grundlagen gesellschaftlicher Solidarität oder historische Diskursanalyse, unsagbare Fettleibigkeit oder Unternehmensgründung für Geisteswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler – mit diversen Workshops und Vorträgen, mit Summer School und Forschungswerkstatt deckt die zweiwöchige „Oldenburg School“ erneut ein breites Themenspektrum ab. Sie führt die vielfältigen Angebote für den akademischen Nachwuchs unter dem Dach der Graduiertenschule für Geistes- und Gesellschaftswissenschaften (3GO) zusammen. Die meisten Veranstaltungen finden in diesem Jahr im Schlauen Haus am Schlossplatz statt.

Geisteswissenschaftlich studiert, eventuell auch promoviert, und dann gründen? „Klar geht das – sehr gut sogar!“, betonen Prof. Dr. Stephanie Birkner, Juniorprofessorin für Female Entrepreneurship, und Gründungscoach Cindy Stern vom Gründungs- und Innovationszentrum der Universität. In ihrem Workshop „Geistreich gründen“ am Freitag, 22. September, von 9.30 bis 14.00 Uhr geht es darum, was erfolgreich Gründende auszeichnet und welche Gründungstalente die Workshop-Teilnehmenden mitbringen. Gemeinsam entwickelt die Gruppe erste Ansätze für Gründungsideen und durchläuft abschließend ein kleines „Pitch Training“. Einige Plätze sind noch frei, eine Anmeldung ist online möglich.

Dass die historische Diskursanalyse zu Unrecht den Nimbus einer Geheimwissenschaft innehat, soll ein Workshop mit dem Düsseldorfer Historiker und Experten Prof. Dr. Achim Landwehr am Mittwoch, 27. September, von 9.00 bis 16.30 Uhr vermitteln. Sein Ziel ist es, die hinter dem Ansatz stehenden theoretischen Erwägungen nachvollziehbar zu machen, und zwar anhand der Diskussion aktueller Arbeiten der Teilnehmenden. Diese können Fragestellungen und Herangehensweisen ihrer Abschlussarbeiten oder Dissertationen einbringen, aber auch "Baustellen" aus einzelnen Kapiteln laufender Projekte. Hier gibt es ebenfalls noch wenige freie Plätze, für die Interessierte sich anmelden können.

Auch für ihre zweitägige Summer School „Empirische Forschung und normative Theorie“ am 28. und 29. September mit deutsch- und englischsprachigen Beiträgen nimmt die 3GO noch Anmeldungen entgegen. Die Referenten reisen unter anderem aus Groningen, Utrecht und Amsterdam, Göttingen, Heidelberg, Stuttgart, München und Kiel an. Sie beleuchten diverse Themen von „Empirischer Sozialforschung in der Medizinethik“ über moralische Präferenzen im Kindergartenalter bis zur Unvollkommenheit von Gerechtigkeit und den ihr zugrunde liegenden Theorien.

Spontan und ohne Anmeldung lassen sich die verschiedenen öffentlichen Vorträge besuchen, die die Veranstalter aus den Fakultäten I bis IV organisiert haben. Über die Grundlagen von Solidarität und die Frage, was uns als Gesellschaft verbindet, referiert der Berliner Soziologe und Migrationsforscher Dr. Serhat Karakayali am Dienstag, 19. September, 18.00 Uhr, ebenfalls im Schlauen Haus. Sein Vortrag „Solidarität als Fernstenliebe“ eröffnet die „Oldenburg School“ und ist Teil einer Masterclass, die das an der Universität koordinierte Promotionsprogramm „Migrationsgesellschaftliche Grenzformationen“ ausrichtet.

Die nächsten öffentlichen Vorträge folgen am Montag, 25. September. Der Amsterdamer Philosoph Prof. Dr. Paul Cobben referiert um 10.00 Uhr über „‚Die Bildung des freien Subjekts‘ oder ‚Die Überwindung der Todesangst‘“. Er ist auf Einladung des Oldenburger DFG-Graduiertenkollegs „Selbst-Bildungen“ zu Gast, ebenso wie die Konstanzer Medienwissenschaftlerin Prof. Dr. Beate Ochsner. Sie hält ab 11.00 Uhr einen Keynote-Vortrag mit dem Titel „(Ge-)Wichtige Bilder oder: Audiovisuelle Produktion von Fettleibigkeit“. Darin geht es unter anderem um die Gratwanderung zwischen dem, was sichtbar und was sagbar ist.

Der Mainzer Theologe Dr. Marcus Held wirft am Dienstag, 26. September, 18.15 Uhr, die Frage auf: „Bleibt uns nur noch zu schweigen?“ Held, der mehrere Jahre lang an der Universität Oldenburg tätig war, zeigt Artikulationsformen von Religion in einer säkularen Welt auf, in der die Vernunft immer stärker vor die Religion tritt.

„Die Konzeption von Normativität bei Habermas“ steht am Donnerstag, 28. September, 18.00 Uhr, beim öffentlichen Vortrag des emeritierten Oldenburger Soziologen Prof. Dr. Stefan Müller-Doohm im Mittelpunkt. Müller-Doohm gilt als ausgewiesener Kenner von Jürgen Habermas und dessen Philosophie und veröffentlichte vor einigen Jahren die erste umfassende Biografie des Denkers. Der Vortrag ist Teil der Summer School der 3GO, die am folgenden Tag zum Abschluss auf den Campus Haarentor einlädt: Am Freitag, 29. September, referiert der Stuttgarter Philosoph Prof. Dr. Philipp Hübl über moralisches Denken und Argumente gegen die Kraft der Emotionen. Der Vortrag mit dem Titel „Taming the Elephant“ („Den Elefanten zähmen“) beginnt um 15.00 Uhr im Senatssitzungssaal der Universität (Hörsaalzentrum A14, Uhlhornsweg 86, Raum 1-111).