18.08.2015 – Hochschulpolitik

„Solidarität auf dem Campus ist unverzichtbar”

Mehr Professuren, mehr Bewilligungen, mehr Projekte: Mit ihrem wachsenden Erfolg kommt die Universität Oldenburg an räumliche Grenzen. Jörg Stahlmann, Vizepräsident für Verwaltung, über landesrechtliche Vorgaben – und über Lösungen auf dem Campus. 

FRAGE: Herr Stahlmann, circa 9.000 Quadratmeter fehlen der Universität an Räumen – das haben Sie auswerten lassen. Müssen Wissenschaftler ihre Vorlesungen bald im Freien abhalten?

STAHLMANN: Nein, so weit wird es nicht kommen. Aber das Raumdefizit ist schon beträchtlich. Stichtag unserer Auswertung war der 31. Dezember 2013. Und seitdem hat es ja schon wieder neue Bewilligungen gegeben. Kleiner geworden ist das Problem also nicht. 

FRAGE: Woran liegt es denn, dass ein so beträchtliches Raumproblem entstanden ist?  

STAHLMANN: An den wachsenden Erfolgen in der Drittmittelakquise, zusätzlichen Professuren, wie zum Beispiel in der Biologie und Physik oder im Rahmen der Exzellenzcluster-Bewilligung. Aber auch an den stark gestiegenen Studierendenzahlen – nur drei Aspekte, die zeigen, wie erfolgreich sich die Universität in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Wenn es Projektbewilligungen gibt, bedeutet das in der Regel auch, dass Personen eingestellt werden. Und das heißt wiederum: Es sind Arbeitsplätze zu schaffen. Nehmen wir nur die neuen Nachwuchsgruppen, die neuen Promotionsprogramme an der Universität oder die Sonderpädagogik. Im Zuge des Ausbaus der Sonderpädagogik kommen ab dem Wintersemester über die nächsten drei Jahre neun neue Professuren dazu. Und an unserem naturwissenschaftlichen Campus Wechloy wird der Raumnotstand auch nicht abnehmen – trotz der bereits vor Jahren geplanten neuen Forschungsbauten wie NeSSy oder Windlab. 

FRAGE: Die Erfolge konnte man im Sinne einer langfristigen Raum- und Bauplanung nicht antizipieren?

STAHLMANN: Als Landesbetrieb stecken wir da in einem gewissen Dilemma. Denn wir sind nicht Eigentümer der Gebäude. Eine vorausschauende Akquise von Grundstücken und Räumlichkeiten, das vorausschauende Planen, Bauen, aber auch Anmieten, ist durch die landesrechtlichen Vorgaben sehr schwierig. Denn im Grunde muss man zunächst erfolgreich sein, um entsprechende konkrete Raumbelegungspläne erstellen zu können – erst dann hat man überhaupt die Chance, eine Baumaßnahme für den Haushalt anzumelden oder eine Anmietung genehmigt zu bekommen. 

FRAGE: Das heißt: Die Personen, die Büros benötigen, sind eigentlich schon da, bevor es einen neuen Gebäudeplan gibt? 

STAHLMANN: Richtig. Zwar gibt es die mittelfristige Bauplanung der Universität. Darin weisen wir gegenüber dem Land aus, wie der Raumbedarf perspektivisch ist. Aber das Land wird immer nur dann aktiv, wenn man den entsprechenden tatsächlichen Bedarf darstellen kann. Das kann man erst, wenn zum Beispiel die Drittmittel tatsächlich eingeworben worden sind. Und das dann einsetzende Verfahren ist langsam: Vom Feststellen des Bedarfs bis zur Realisierung eines Gebäudes – über die gesamte Haushaltsplanung gesehen, die Bauausführung bis hin zur Inbetriebnahme – vergehen mindestens fünf bis sechs Jahre. Hinzu kommt: Das Land legt den Schwerpunkt derzeit auf notwendige Sanierungsmaßnahmen, um die bauliche Substanz der Hochschulgebäude zu erhalten. Damit sind die finanziellen Mittel für Neubauten sehr begrenzt. 

FRAGE: Kann die Universität auch selbst Bauprojekte finanzieren – unabhängig von konkreten Zuweisungen des Landes?  

STAHLMANN: Das ist eine Möglichkeit, und wir nutzen sie, wo wir können: Die Erweiterung eines Gebäudeflügels in Wechloy oder die Laborcontainer für die Medizin sind zum Beispiel von der Uni finanziert worden. Aber auch für solche eigenfinanzierten Projekte gilt das beschriebene Verfahren – wie für alle Baumaßnahmen.  

FRAGE: Welche Lösungswege gibt es aus Ihrer Sicht noch? 

STAHLMANN: Wir regeln derzeit viel über zusätzliche Anmietungen. Grundsätzlich ist uns aber wichtig, die formalen Verfahren in Sachen Bauten und Anmietungen zu verschlanken, um wirklich langfristig planen und vor allem schneller agieren zu können. Genau darüber sind wir mit den anderen Hochschulen in Niedersachsen in Gesprächen, denen es ähnlich geht – ausgenommen die Stiftungshochschulen, die rein rechtlich ja selbst als Bauherren tätig sein dürfen. Unverzichtbar ist auf dem Campus jetzt eine gewisse Solidarität untereinander: Vielleicht gibt es Räumlichkeiten, die derzeit nicht genutzt werden und die – zeitweise – abgegeben werden können? Ein Beispiel: Die Uni-Bibliothek stellt einen Teil ihrer Räume in Wechloy bereit, um Lehrende der Biologie unterzubringen. 

FRAGE: Auf das Dezernat für Gebäudemanagement kommt einiges zu … 

STAHLMANN: Genau. Dezernent Meik Möllers führt für die weitere Flächenplanung Gespräche mit allen Einrichtungen – wo werden Flächen frei, welche Flächen sind welchen Fakultäten sinnvoll zuzuordnen? Ein höchst komplexes Puzzlespiel. Aber das gesamte Team im Dezernat leistet hervorragende Arbeit. Und Meik Möllers ist sehr gut vernetzt, gerade seine persönlichen Kontakte ins Staatliche Baumanagement oder ins Ministerium sind Gold wert, um vieles unkompliziert zu klären.