05.10.2012 – Forschung

Nachwuchs für die Forschung

  • Sich an den Kenntnissen der Schüler orientieren: Im Promotionsprogramm „Lernprozesse im Übergangsraum" gehen Nachwuchswissenschaftler der schwierigen Doppelrolle von Lehrern nach - als Lehrende und Lernende. Foto: photocase

Lehrerbildung, Erneuerbare Energien, Neurowissenschaften: In diesen Bereichen fördert das Land Niedersachsen künftig drei neue Promotionsprogramme an der Universität Oldenburg. Das bedeutet 45 Promotionsstipendien für Doktorandinnen und Doktoranden.

Im Zuge der Neuausschreibung des Niedersächsischen Promotionsprogramms des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK) hatten die Niedersächsischen Hochschulen 29 Anträge eingereicht. Elf wurden bewilligt, drei allein an der Universität Oldenburg, die damit die erfolgreichste Hochschule war. Der Förderzeitraum beträgt vier Jahre, jedes Promotionsprogramm erhält 15 „Georg-Christoph-Lichtenberg-Stipendien“. Insgesamt beläuft sich die Förderung auf 2,9 Millionen Euro.

 „Die neuen Promotionsprogramme sind thematisch in der Lehrerbildung, den Erneuerbaren Energien und den Neurowissenschaften angesiedelt – und damit in drei herausragenden Forschungsschwerpunkten der Universität Oldenburg“, so Prof. Dr. Katharina Al-Shamery, Vizepräsidentin für Forschung. Der wissenschaftliche Nachwuchs liefere wichtige Impulse für die Forschung der Universität und trage dazu bei, sie weiter voranzutreiben. „Wir begreifen die Bewilligung aber auch als Anerkennung unserer bisherigen Leistungen in der Nachwuchsförderung sowie als Ansporn, diesen Weg konsequent weiterzugehen“, so Al-Shamery.

Wie konsequent, das zeigt etwa die Graduiertenakademie, die seit dem vergangenen Jahr alle Angebote der Universität zur überfachlichen Beratung, Weiterbildung und Förderung von NachwuchswissenschaftlerInnen aller Qualifikationsstufen bündelt. Die Graduiertenakademie bildet die übergreifende Struktur für zwei Graduiertenschulen in den Bereichen Naturwissenschaften und Technik (OLTECH) sowie Gesellschafts- und Geisteswissenschaften.

„Lernprozesse im Übergangsraum – Praxisphasen von Lehramtsstudierenden empirisch untersuchen und modellieren“, so lautet das Thema des ersten der drei neuen Promotionsprogramme. Antragssteller waren Arbeitsgruppen der Fachdidaktiken aller Fakultäten und die Bildungswissenschaften einschließlich des Didaktischen Zentrums (diz).

Doppelrolle als Lernende und Lehrende

Das Promotionsprogramm behandelt die Doppelrolle der Lehramtsstudierenden als Lernende und Lehrende während ihrer Praxisphase im Studium. In dieser Phase unterrichten Lehramtsstudierende zum ersten Mal. Sie müssen ihren Unterricht so strukturieren, dass er sich an den Kenntnissen, Fähigkeiten und Denkpositionen der SchülerInnen orientiert. Gleichzeitig sind die Studierenden auch Lernende.

Sie setzen ihr fachliches und fachdidaktisches Wissen ein, um ihren Unterricht zu reflektieren und in ihren Planungen darauf zu reagieren. Die DoktorandInnen analysieren die Lernprozesse von Studierenden beim Planen, Durchführen und Reflektieren von Unterricht in der Praxisphase. Damit arbeiten sie das Wechselspiel zwischen Lehren und Lernen und dessen Bedeutung für die Lehrerbildung heraus.

Funktionsfähige Energieversorgung aus regenerativen Quellen

Mit der Integration Erneuerbarer Energiequellen in das elektrische Netz setzt sich das Promotionsprogramm „Systemintegration Erneuerbare Energien“ auseinander. Antragsteller waren die Fakultät II Informatik, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften und die Fakultät V Mathematik und Naturwissenschaften der Universität sowie der Fachbereich Bauwesen und Geoinformation der Jade Hochschule.

Im Mittelpunkt des Promotionsprogramms stehen Leistungsprognose und Netzbetriebsführung sowie die Entwicklung neuer Technologien und Systeme, die zu einer funktionsfähigen, versorgungssicheren und wirtschaftlichen Energieversorgung aus regenerativen Quellen führen sollen. Forschungsschwerpunkte der DoktorandInnen sind dabei Prognosemodelle für Wind- und Solarenergie, die Betriebsführung und Steuerung von Smart Grids, Speicher- und Hybridsysteme für Erneuerbare Energien sowie geographische und ökonomische Systemplanung von regenerativ geplanten Energienetzen.

Automatische Spracherkennung und Signalverarbeitung


Die Modellierung kognitiver Prozesse im menschlichen Gehirn bei der Verarbeitung von visuellen, auditiven und haptischen Signalen sowie die Erforschung von assistiven Technologien – beispielsweise in der Hörakustik – stehen im Mittelpunkt des bewilligten Promotionsprogramms „Signals and Cognition“.

Den Antrag stellten die Institute für Psychologie, Physik und Niederlandistik der Universität Oldenburg, das Institut für technische Assistenzsysteme der Jade Hochschule und die Fraunhofer Projektgruppe für Hör-, Sprach- und Audiotechnologien des Fraunhofer Instituts für Digitale Medientechnologie (IDMT). Die DoktorandInnen des Promotionsprogramms forschen unter anderem zu Themen wie Automatische Spracherkennung, Signalverarbeitung bei assisitiven Systemen oder Modellierung individueller Wahrnehmungs- und Verarbeitungsleistungen.