01.11.2016 – Forschung

Ministerin Wanka besucht Meeresforscher

  • Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka (Mitte) schaute sich die Meeresforschung an der Universität Oldenburg an, begleitet von (v.l.) ICBM-Direktor Prof. Dr. Bernd Blasius, Oberbürgermeister Jürgen Krogmann, AWI-Direktorin Prof. Dr. Karin Lochte und Universitätspräsident Prof. Dr. Dr. Hans Michael Piper.

Hoher Besuch für das Institut für Chemie und Biologie des Meeres (ICBM) der Universität Oldenburg: Bundesforschungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka informierte sich am Dienstag persönlich über die jüngsten Erfolge der Oldenburger Meeresforschung.

Im Mittelpunkt des Termins standen das neue Helmholtz-Institut für Funktionelle Marine Biodiversität, das gemeinsam mit dem Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut (AWI) in Oldenburg entsteht, sowie das künftige Niedersächsische Zentrum für Marine Sensorik am Außenstandort der Universität in Wilhelmshaven.

„Der größte Lebensraum unseres Planeten ist bedroht: Überfischung, Klimawandel und Vermüllung. Allein das Thema Mikroplastik hat gravierende Auswirkungen auf die Natur und den Menschen. Das Meer braucht unsere Hilfe dringend. Jedes Jahr gelangen 13 Millionen Tonnen Müll in die Meere. All diese Probleme können wir nur mit Unterstützung exzellenter Meeresforschung, wie sie hier in Oldenburg betrieben wird, lösen“, sagte Bundesforschungsministerin Wanka bei ihrem Besuch.

An dem Helmholtz-Institut untersuchen Experten der Universität und des AWI ab dem kommenden Jahr gemeinsam, welche Konsequenzen der globale Wandel für die biologische Vielfalt der Meere und damit die Funktion mariner Ökosysteme hat. Das Land Niedersachsen will in den ersten vier Jahren den Aufbau des neuen Helmholtz-Instituts mit 23 Millionen Euro unterstützen; die Mittel sollen unter anderem in einen Neubau in Oldenburg fließen. Ab 2021 wird die Helmholtz-Gemeinschaft das Institut überwiegend tragen.

„Wir werden die Ansiedlung des Helmholtz-Instituts mit aller Kraft unterstützen. In unmittelbarer Nähe der Universität entwickeln wir derzeit einen Technologiepark, dort befindet sich ein passendes Grundstück für die Ansiedlung. Ich bekräftige unsere Zusage, dieses Grundstück für den Bau des Helmholtz-Instituts zu reservieren“, betonte Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann in seiner Ansprache vor der Ministerin. Universitätspräsident Prof. Dr. Dr. Hans Michael Piper zeigte sich erfreut: „Für die Universität Oldenburg ist der Schulterschluss mit der Stadt auch an dieser Stelle von hoher Bedeutung. Wir zeigen einmal mehr, was wir gemeinsam in dieser Region erreichen können“, betonte Piper und ergänzte: „Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler brauchen Forschungsgelder, Platz, beste Arbeitsbedingungen – und politischen Rückenwind. Heute ist ein Tag, an dem sich unsere überaus erfolgreichen Meeresforscher über all das freuen können“.

Informiert hat sich Ministerin Wanka auch über das kommende Niedersächsische Zentrum für Marine Sensorik (ZfMarS). Es soll voraussichtlich bis zum Jahr 2020 am Standort Wilhelmshaven des ICBM entstehen. Im Fokus der interdisziplinären und transferorientierten Forschungseinrichtung steht die Meeresmesstechnik als eine der Schlüsseltechnologien moderner Meerestechnik. Konkret erforschen die Wissenschaftler mögliche Einsatzfelder und die Zuverlässigkeit der Methoden. Die Kosten für den Neubau, der an das bestehende Gebäude des ICBM-Standorts Wilhelmshaven angeschlossen wird, belaufen sich auf knapp 5 Millionen. Euro. Sie werden mit 2,5 Millionen Euro vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert.

ICBM-Direktor Prof. Dr. Bernd Blasius dankte Bundesforschungsministerin Wanka für ihren Besuch. „Wir fühlen uns auf unserem Weg einer stark zukunftsorientierten Ausrichtung der Meereswissenschaften bestätigt. In den vergangenen drei Jahrzehnten seit Gründung hat sich der interdisziplinäre Forschungsansatz des ICBM bewährt. Der klassische Forschungsschwerpunkt in der Küsten- und Schelfmeerforschung wird nun zunehmend durch Ozeanforschung ergänzt – wie nicht zuletzt auch die Funktion als Heimatinstitut des hochmodernen Forschungsschiffs ‚SONNE‘ zeigt.“

 

Hintergrundinformationen

Helmholtz-Institut für Funktionelle Marine Biodiversität

Ziel des neuen Helmholtz-Instituts ist ein noch besseres Verständnis dafür, was Klimawandel und vom Menschen verursachte Einflüsse für die biologische Vielfalt in der Meeresumwelt bedeuten. Wissenschaftler von Universität und AWI wollen künftig gemeinsam herausfinden, welche Folgen dies für die Funktion und Leistung mariner Ökosysteme hat – liefern diese doch Nahrung und Rohstoffe, beeinflussen Luftqualität und Weltklima und vieles mehr. Das Entwickeln von Naturschutz- und Managementstrategien ist somit eine weitere Aufgabe. Das künftige Helmholtz-Institut führt bereits vorhandene Arbeitsgruppen zusammen, wird aber auch neue Professoren berufen und Nachwuchsforschergruppen einrichten. Institutsdirektor wird der Oldenburger Biodiversitätsexperte Prof. Dr. Helmut Hillebrand.

Bislang gibt es in Deutschland sieben Helmholtz-Institute. Es handelt sich dabei um Außenstellen von Helmholtz-Zentren auf dem jeweiligen Campus einer Universität.

 

Zentrum für Marine Sensorik (ZfMarS)

Die Wissenschaftler am ZfMarS setzen in ihrer Forschung drei Schwerpunkte: Im „Innovationslabor für Zuverlässigkeit und Bewuchsvermeidung“ forschen sie an Sensoren, die Offshore-Technologien noch zuverlässiger und effizienter überwachen. Das „Innovationslabor für Öl, Wasser, Eis“ soll Seetransporte umweltfreundlicher machen, indem es neue Messverfahren entwickelt. Ein weiteres Ziel: Energierohstoffe auch unter widrigen Bedingungen erkunden, gewinnen und lagern zu können, ohne die Umwelt zu gefährden. Im „Innovationslabor für marine Oberflächen“ geht es um Probe- und Messverfahren für Prozesse an der Wasseroberfläche, die im Zusammenhang mit Umweltverschmutzungen und Klimaveränderung stehen.

Das neue Zentrum deckt das gesamte Forschungsfeld der Wasser-Sensor-Wechselwirkungen ab – von der marinen Umwelt über Inlandgewässer bis zu Prozessen in Schiffen oder Aquakulturanlagen. Das ICBM arbeitet im ZfMarS eng mit der Jade Hochschule und der regionalen Industrie zusammen.