30.08.2012 – Forschung

Luther und der Nordwesten

  • Wittenberg: 1517 schlägt Luther seine 95 Thesen an die Kirchtür der Schlosskirche an. (Foto: ErdeundMeer/PIXELIO)

  • Luther und die Reformation im Nordwesten: Lutherstatue der Oldenburger Lambertikirche (Foto: Concord/Wikimedia Commons)

2017 jährt sich Luthers Thesenanschlag zum 500. Mal. Wissenschaftler des Projekts „Freiheitsraum Reformation“ erkunden in den nächsten fünf Jahren die Bedeutung der Reformation für die Nordwest-Region. Auftakt ist am Sonntag, 2. September.

Wittenberg im Oktober 1517. Martin Luther schlägt – so will es die Überlieferung – seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche Wittenberg. Thesen, die sich kritisch mit dem Ablass und dem Handel von Ablassbriefen auseinandersetzen.Das Ereignis, das traditionell als Beginn der Reformation in Deutschland gedeutet wird, führte zu einer nachhaltigen religiös-kulturellen Differenzierung und Pluralisierung der europäischen Gesellschaft.

„Freitheitsraum Reformation“ nennt sich ein großangelegtes Kooperationsprojekt der Universität Oldenburg. Anlässlich des 500. Reformationsjubiläums im Jahr 2017 setzt es sich mit den Folgen und der Aktualität der Reformation für den Nordwesten Deutschlands auseinander. In dem Vorhaben - geleitet von der Oldenburger Historikerin Prof. Dr. Dagmar Freist - kooperieren in den kommenden fünf Jahren die Institute für Geschichte und für Evangelische Theologie der Universität mit Partnern aus Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft. Gefördert wird der diesjährige Projektauftakt vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Staatsminister Bernd Neumann.

In Vorträgen, Konzerten, Ausstellungen, Inszenierungen, wissenschaftlichen Tagungen, in Gemeindearbeit und Schulprojekten soll das Reformationsjubiläum „eine eigene, nordwestdeutsche Handschrift erhalten“, so Projektleiterin Freist. Denn gerade der Nordwesten sei seit dem 16. Jahrhundert von einem Neben-, Mit- und Gegeneinander von Lutheranern, Reformierten, Katholiken, Mennoniten, Baptisten, Juden und vielen anderen religiösen Minderheiten geprägt. Die Oldenburger Theologin und Mitorganisatorin Prof. Dr. Andrea Strübind ergänzt: „Das Kooperationsprojekt nimmt aber nicht nur christliche Konfessionen in den Blick.“ Pluralität, Toleranz und Konfrontation in der heutigen Gesellschaft, Erinnerungskultur, Sinnsuche und Identität gehören ebenso zu den Schwerpunkten der Veranstaltungen.

„Die Reformation war für die kulturelle Zukunft des Oldenburger Landes und Nordwestdeutschlands von unschätzbarer Wichtigkeit“, betont Thomas Kossendey, Präsident der Oldenburgischen Landschaft, die zu den Kooperationspartnern des Projekts zählt. „Wir begrüßen es nachdrücklich, dass sich Partner aus Nordwestdeutschland und besonders aus dem Oldenburger Land mit ,Freiheitsraum Reformation’ am 500. Reformationsjubiläum beteiligen. Für die Unterstützung, die wir durch Staatsminister Neumann erfahren, sind wir sehr dankbar“, so Kossendey.

Der Auftakt von „Freiheitsraum Reformation“ findet am Sonntag, 2. September, 12.00 Uhr, in der Oldenburger Exerzierhalle statt. Freist und Strübind stellen dann die Ziele und Inhalte des Projekts vor. Schließlich sollen innerhalb der kommenden fünf Jahre durch „Freiheitsraum Reformation“ neue Formen der künstlerisch-kulturellen Vermittlung erprobt werden. Einer der Höhepunkte des Projekts: In Kooperation mit dem Oldenburgischen Staatstheaters entsteht ein Theaterstück, das die Religionsfreiheit im Nordwesten zum Thema hat.
Ebenfalls an der Auftaktveranstaltung nehmen teil: Universitätspräsidentin Prof. Dr. Babette Simon, Thomas Kossendey, Präsident der Oldenburgischen Landschaft, Helmut Collmann, Präsident der Ostfriesischen Landschaft, und Oldenburgs Bürgermeisterin Germaid Eilers-Dörfler. Für den musikalischen Rahmen sorgen Ensemblemitglieder des Oldenburgischen Staatstheaters sowie das Ensemble La Dolcezza. Freist und Markus Müller, Generalintendant des Oldenburgischen Staatstheaters, moderieren die Veranstaltung. Bereits um 10.00 Uhr findet in der Oldenburger Lamberti-Kirche (Neuer Markt 17), ein feierlicher Gottesdienst statt. Er steht unter dem Motto „Musik macht fröhliche Leute“ und rückt Musik zu Texten Martin Luthers in den Mittelpunkt.

Neben der Universität Oldenburg sind unter anderem folgende Partner an „Freiheitsraum Reformation“ beteiligt: die Oldenburgische Landschaft, das Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE), die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg, die Evangelisch-Reformierte Kirche (Leer), die Evangelisch lutherische Landeskirche Hannovers (Sprengel Ostfriesland), die Johannes a Lasco Bibliothek Emden, die Landesbibliothek Oldenburg, das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg, das Oldenburgische Staatstheater sowie die Ostfriesische Landschaft.  


 

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Kontakt

Prof. Dr. Dagmar Freist
Institut für Geschichte
Tel: 0441-798/4640
dagmar.freist(at)uni-oldenburg.de