08.11.2017 – Campus-Leben

Lehrer aus Berufung

  • Der Preisträger Dr. Steffen Möller (r.) mit Nobelpreisträger und Namensgeber Prof. Dr. Klaus von Klitzing. Foto: EWE-Stiftung

Mit praktischen Projekten begeistert Biologie- und Chemielehrer Dr. Steffen Möller seine Schüler an der von Bülow Schule im thüringischen Neudietendorf auch für den Umweltschutz. Für sein Engagement hat er nun den Klaus-von-Klitzing-Preis 2017 erhalten. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung, die die Universität Oldenburg und die EWE Stiftung in Kooperation seit dreizehn Jahren vergeben, würdigt herausragendes Engagement in den MINT-Fächern – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

„Ich bin über die Maßen gerührt“  - mit diesen Worten bedankte sich Möller für die Auszeichnung am Abend der Verleihung in der Aula der Oldenburger Grad-Anton-Günther Schule. „Der Klaus-von-Klitzing-Preis ist Bestätigung und Ermutigung, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen, auch wenn man Gegenwind bekommt.“ Dieser Weg, von dem Möller spricht, ist geprägt von persönlicher Überzeugung und Leidenschaft: Er gründete eine Umwelt-AG, etablierte einen Tag der Artenvielfalt und das „Grüne Klassenzimmer“, um Unterricht unter freien Himmel zu ermöglichen. Ein schuleigenes Vivarium ermöglicht den Schülern, den Umgang mit exotischen Tieren zu lernen. „Ich möchte bei möglichst vielen Menschen ein Umweltbewusstsein entwickeln, das weit über den Tellerrand hinausreicht, naturwissenschaftlich begründet ist, von Eigenverantwortung getragen wird und zu echten Verhaltensänderungen führt“, so Möller selbst über sein Engagement. Das kommt an: bei ihrer Laudatio zeigten sich seine ehemalige Schüler Lara Simon und Niklas Renner nachhaltig beeindruckt von ihrer Schulzeit. „Selbst bei strömendem Regen sind wir raus in die Apfelstädt und haben Bachflohkrebse gesammelt.“ Auch die gemeinsame Fahrradtour, bei der sie die Wohnorte aller Klassenkameraden besuchten, blieb für die Schüler eine tolle Erinnerung.

Namensgeber und Physiknobelpreisträger Prof. Dr. Klaus von Klitzing übergab den Preis wie auch in den vergangenen Jahren persönlich. „Steffen Möller hat die Jury zu allererst fachlich überzeugt. Er ist Naturwissenschaftler mit Leib und Seele. Den Ausschlag für seine Nominierung hat aber seine Haltung gegeben. Denn er betreibt seine Tätigkeit nicht als Beruf, sondern aus Berufung und bemüht sich, möglichst viele Menschen mit seinen Projekten zu erreichen“, begründet von Klitzing die Juryentscheidung. Michael Heidkamp, Vorstandsvorsitzender der EWE Stiftung, ergänzt: „Steffen Möller betreibt angewandte Naturwissenschaften und leistet mit seinen Umweltprojekten einen überaus wichtigen Beitrag für eine enkel- und somit zukunftsfähige Gesellschaft. Man würde sich wünschen, dass es mehr von solchen Lehrerpersönlichkeiten gäbe.“ Der Klitzing-Preis unterstreiche den Stellenwert von MINT-Disziplinen für unser Bildungs-, Wirtschafts- und Wissenschaftssystem, so Heidkamp. Mit zwei Dritteln des von der EWE-Stiftung zur Verfügung gestellten Preisgeldes wird jährlich ein schulisches Projekt gefördert. Damit engagiert sich die EWE-Stiftung nachhaltig und zielgerichtet für den naturwissenschaftlich-technischen Unterricht.

„Als Universität mit einem Schwerpunkt in der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften und einem hohen Anspruch an forschungsorientiertes Lernen liegt es uns besonders am Herzen, herausragende Lehrerpersönlichkeiten auszuzeichnen und damit sichtbar zu machen“, kommentierte Prof. Dr. Dr. Hans Michael Piper, Präsident der Universität Oldenburg, die Auswahl des diesjährigen Preisträgers. Steffen Möller widme sich enorm ideenreich, fachlich versiert und mit hohem Problembewusstsein seinen Schülern, dem pädagogischen Alltag und der Schulentwicklung, so Piper. Prof. Dr. Sabine Kyora, Vizepräsidentin für Studium, Lehre und Gleichstellung, wies bei der Preisverleihung darauf hin, dass MINT-Fächer trotz umfangreicher Förderprogramme nach wie vor nicht sonderlich populär seien. "Es studieren immer noch zu wenig Frauen Fächer der Naturwissenschaften.“

Der Jury gehören neben von Klitzing Vertreter der Universität Oldenburg, der EWE Stiftung, die Geschäftsführung der IHK und der Schulleiter der Graf-Anton-Günther-Schule, Wolfgang Schoedel, an, der auch Gastgeber für die Feierstunde ist. In diesem Jahr wurde die Jury mit Noemi Wassermann durch eine Schülerin verstärkt, die die Bewerbungen aus Sicht der Zielgruppe sichtete.

Klaus von Klitzing, der die ersten Jahre seiner Schulzeit in Oldenburg verbrachte, ist unter anderem Direktor am Max-Planck-Institut für Festkörperforschung in Stuttgart und Mitglied des Internationalen Solvay Instituts. 1985 erhielt er den Nobelpreis für Physik, weil er fünf Jahre zuvor einen neuen Quanteneffekt entdeckt hatte. Damit hat er die Entwicklung moderner Computerchips wesentlich beeinflusst.