14.07.2016 – Campus-Leben

Hotels: ökonomisch, ökologisch, sozial

  • Konferenzteilnehmerin Anna Lyubina: Die Masterstudentin bekam viel positives Feedback zu ihrem Vortrag. Foto: Daniela Reile/Universität Oldenburg

Im Juni lockte die Konferenz "forschen@studium" 140 Studierende aus ganz Deutschland nach Oldenburg. Sie alle wollten ihre Forschungsarbeiten vorstellen und sich Feedback dazu einholen. Eine von ihnen war die Oldenburger Studentin Anna Lyubina. Ihr Thema: Nachhaltige Hotels. 

Solaranlagen, Papierrecycling oder Lebensmittel aus regionalen Firmen: Hotelbesitzer können viel tun, um die Belastung der Umwelt durch ihren Betrieb zu minimieren. „Das Thema Nachhaltigkeit wird immer wichtiger – auch für Touristen. Deshalb werben viele Hotels damit“, berichtet Anna Lyubina. Sie hat sich für ihre Bachelorarbeit intensiv mit dem Thema beschäftigt. Dabei erkannte die Studentin ein Problem: Zwar seien Touristen durch den Klimawandel heute sensibilisiert, bei der Wahl des Urlaubsortes und des Hotels auf Nachhaltigkeit zu achten. Ein einheitliches Gütesiegel fehle jedoch. Wie können Interessierte erkennen, welche Hotels nachhaltig sind, und welche es nur vorgeben? Die „Sustainability Economics and Management“-Studentin ging auf Spurensuche und schaute sich die als bereits nachhaltig eingestufte Hotels einmal genauer an.

Als Quelle diente die Internetseite greenpearls.com, die sich selbst als „weltweit führende Datenquelle für nachhaltige Hotels“ bezeichnet. Unter allen Mitstreitern sei dieses Portal dafür am geeignetsten. Denn: „Sie legen ihre Kriterien für die Einstufung als nachhaltiges Hotel offen und überprüfen alle Maßnahmen“, berichtet Lyubina. „Die Betreiber haben bis Mai 2015, also dem Zeitpunkt meiner Bachelorarbeit, elf deutsche Hotels als nachhaltig eingestuft“, so Lyubina weiter. Als Vergleich: In Deutschland gibt es etwa 35.000 Betriebe, die der „Hotellerie“ zugeordnet werden, darunter Hotels, Gasthöfe und Pensionen. Um bei greenpearls.com als nachhaltiges Hotel zu gelten, müssen die Betriebe zwar viele Kriterien erfüllen, doch diese reichten längst nicht aus oder würden schlecht kontrolliert, befand Lyubina. „Deshalb habe ich mich nicht nur auf die Informationen des Portals verlassen, sondern auch die Internetseiten der Hotels genau überprüft und sie einzeln kontaktiert“, berichtet Lyubina. Um die Maßnahmen der Hotels vergleichen zu können, erstellte sie eine eigene Checkliste. „Ich habe drei übergeordnete Kategorien festgelegt, die alle eingehalten werden müssen, damit Hotels als ‚nachhaltig‘ gelten: Die ökologische, die ökonomische und die soziale Dimension.“

In der ökologischen Dimension hat sie Indikatoren wie den Energieverbrauch, Abfallmanagement, Architektur und Inneneinrichtung aus nachwachsenden Rohstoffen festgehalten. Die ökonomische Dimension bewertet, wie die lokale Wirtschaft durch den Hotelbetrieb profitiert. „Ich habe mir unter anderem angesehen, ob die Hotels ihre Lebensmittel zum Beispiel von lokalen Bauernhöfen beziehen oder doch im Großmarkt kaufen“, erklärt Lyubina. Als besonders wichtig empfindet sie die dritte Dimension, diese werde allerdings am ehesten missachtet. „Dabei geht es um die soziale Verantwortung gegenüber den Gästen, den Hotelangestellten und den Bewohnern in der Nähe des Hotels“, sagt Lyubina. Ihre Recherchen ergaben: Nur eines von den elf untersuchten Hotels widmet sich der sozialen Dimension in vollem Umfang. „Ein Hotel in Bayern fördert soziale, lokale und kulturelle Projekte, bezieht seine Produkte von regionalen Lieferanten, bietet senioren- und behindertengerechte Zimmer an und zeigt sich gegenüber seinen Angestellten mit einer „Charta der Vielfalt“ verantwortlich“, berichtet die Studentin. Die Charta sei eine Initiative für mehr Anerkennung, Wertschätzung untereinander und stehe für eine vielfältige Unternehmenskultur. „Dieses Haus ist wirklich vorbildlich, was die soziale Dimension betrifft. Es zeigt, wieviel Hotels auf dieser Ebene machen können“, findet Lyubina.

Lyubinas Gesamturteil über greenpearls.com fällt insgesamt wenig schmeichelhaft aus. Die Bewertungen dort seien teilweise fehlerhaft, denn ihre Auswertungen zeigten: „Lediglich fünf von elf als nachhaltig gekennzeichnete Hotels sind dies tatsächlich“, resümiert sie. Die anderen sechs hätten mindestens jeweils eine Dimension vernachlässigt. Lyubina gibt jedoch zu bedenken: „Diese fünf Hotels sind sicherlich nicht die einzigen, die wirklich nachhaltig sind. Sie sind nur diejenigen, die überprüfbar sind, weil sie Informationen dazu zur Verfügung stellen.“ Sie empfiehlt deshalb: „Wer Wert darauf legt, in einem nachhaltigen Hotel unterzukommen, sollte die Website der Hotels genau prüfen. Da lassen sich viele Maßnahmen gut nachvollziehen.“

 

Zur Konferenz:

Die an der Universität neu entwickelte Konferenz "forschen@studium" macht Erkenntnisse studentischer Forschung sichtbar. In Vorträgen und Posterpräsentationen stellen Studierende Themen ihrer Bachelor-, Master- und Hausarbeiten vor. Die Bandbreite reichte dabei von Astrophysik bis hin zu Fremdsprachendidaktik. Insgesamt nahmen 230 Besucher teil. Im angelsächsichen Raum sind Konferenzen dieser Art bereits fest etabliert.