31.07.2015 – Forschung

Forschen für die nachhaltige
Energieversorgung der Zukunft

  • Interdisziplinäre Energieforschung in Oldenburg: das Energielabor auf dem Campus Wechloy.

Wie könnte eine nachhaltige Stromversorgung in Niedersachsen in einigen Jahrzehnten aussehen, und wie lässt sie sich erreichen? Darum geht es in einem neuen interdisziplinären Verbundprojekt, an dem unter anderem die Universität Oldenburg sowie ihr An-Institut OFFIS beteiligt sind.

„Nachhaltige Energieversorgung Niedersachen“ (NEDS) heißt das Projekt, koordiniert von der Universität Hannover, für das in den kommenden vier Jahren 2,5 Millionen Euro aus dem Niedersächsischen Vorab der Volkswagen Stiftung fließen werden.

Den Hintergrund der Forschung bildet das ehrgeizige Vorhaben, bis 2050 ganz Deutschland mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu versorgen. Die beteiligten WissenschaftlerInnen aus Oldenburg, Hannover, Braunschweig und Göttingen verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, denn bisherige Modelle betrachten meist die Kosten und lassen die Nachhaltigkeit außer Acht. Andere Analysen berücksichtigen etwa nur ausgewählte Technologien. Die NEDS-Projektpartner wollen die Erkenntnislücken schließen, um – bezogen auf das Land Niedersachsen – das vollständige Bild einer zukünftigen und zukunftsweisenden Stromversorgung zeichnen zu können.

„Nachhaltigkeit“, das beinhaltet für die NEDS-WissenschaftlerInnen neben der Schonung von Natur und Umwelt auch technische Aspekte, sozioökonomische Effekte und psychologische Fragen, etwa der Akzeptanz bestimmter Technologien. Gemeinsam wollen sie dafür verschiedene Kriterien entwickeln: im Zusammenspiel der beteiligten Disziplinen wie Hochspannungstechnik und Energieinformatik, Produktion, Umweltökonomik oder Psychologie, aber auch zusammen mit Verbrauchern. Diese können ihre Sicht im November bei einem öffentlichen Symposium in Hannover einbringen, das zugleich offizieller Startschuss des Projekts ist.

Der Oldenburger Postwachstumsökonom Prof. Dr. Niko Paech, Inhaber des Lehrstuhls für Produktion und Umwelt, sieht die ganzheitliche Herangehensweise als entscheidenden Vorteil des Projekts. Dieses erscheine ihm deshalb als so wichtig, „weil es nicht nur auf den technischen Wandel fokussiert, sondern auch den notwendigen sozial-ökologischen Wandel des niedersächsischen Energiesystems einbezieht“.

Die Oldenburger Informatiker Prof. Dr. Michael Sonnenschein und Prof. Dr. Sebastian Lehnhoff betonen die Rolle der Energieinformatik als Querschnittsdisziplin: Sie schaffe Wissen und Systemintelligenz, indem sie die interdisziplinär aufgestellten Modelle und Szenarien einer nachhaltigen Stromversorgung intelligent zusammenbringe. Sonnenschein lehrt an der Universität Oldenburg Umweltinformatik, Lehnhoff ist Experte für intelligente Stromnetze, sogenannte Smart Grids.