29.03.2018 – Campus-Leben

Die neuen IT-Girls

  • Informatik ist kreativ: Didaktiker Nils Pancratz steht Laurén (rechts) und Kira mit Rat und Tat zur Seite. Fotos: Universität Oldenburg

  • Erlebten eine abwechslungsreiche Woche (v.l.): Mara, Elise, Maike, Mareike Daeglau, Sophie, Kira, Nils Pancratz und Laurén.

Auch in den Osterferien ist im Lernlabor Informatik was los. In einem Angebot, das sich speziell an Mädchen richtet, stellen die Teilnehmerinnen smarte Lampen her. 

Nils Pancratz hat ein Problem. Der Doktorand aus der Abteilung Didaktik der Informatik muss sich schnell etwas Spannendes überlegen, um die sechs Teilnehmerinnen seines Workshops zu beschäftigen. Es ist halb drei Uhr nachmittags an diesem Montag in den Osterferien, und die Siebtklässlerinnen sind schon fertig mit dem Tagesprogramm. Eigentlich sollten sie bis 16 Uhr daran arbeiten, am Computer mit dem Programm BlocksCAD – einer grafischen, auf Blöcken basierenden Programmiersprache Blumen zu designen. Mara, Sophie, Laurén, Maike, Elise und Kira haben den Tag damit verbracht, geometrische Körper wie Kugeln oder Zylinder am Bildschirm zu vergrößern, zu stauchen, zu verschieben und zusammenzusetzen. So haben sie Formen geschaffen, die an Sonnenblumen oder Seerosen erinnern. Der nächste Schritt besteht darin, die designten Blumen am 3D-Drucker auszudrucken. Das braucht etwas Zeit und soll über Nacht geschehen. 

Informatik als kreativer Prozess 

„Ihr wart einfach zu schnell“, sagt Pancratz und beginnt mit seinem Alternativprogramm. Er öffnet einen weißen Koffer, in dem sich verschiedenfarbige Bausteine befinden, mit denen sich auf spielerische Art und Weise Prototypen elektrischer Schaltungen entwickeln lassen. „Versucht doch mal, einen smarten Wecker zu bauen“, sagt der Informatik-Didaktiker. Die Aufgabe: Die Mädchen sollen die Bausteine – Stromquellen, Sensoren, Schaltelemente, Lampen und Lautsprecher – so zusammensetzen, dass ein Summen ertönt, sobald die Helligkeit eine bestimmte Schwelle überschreitet. Sofort sammeln sich die Mädchen um den Koffer, suchen die passenden Elemente heraus und probieren sie aus. Schon nach kurzer Zeit ist das Lernlabor Informatik von einem geschäftigen Blinken und Piepen erfüllt.

Der Workshop, den Nils Pancratz zusammen mit seiner Kollegin Mareike Daeglau und Prof. Dr. Ira Diethelm konzipiert hat, richtet sich speziell an Mädchen. Die Veranstaltung ist Teil des seit 2017 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Verbundprojektes „smile“. Das Vorhaben hat das Ziel, Schülerinnen in außerschulischen Lernorten für die Informatik zu begeistern und so langfristig den Anteil von Frauen in IT-Berufen zu erhöhen. „Die Mädchen sollen Informatik als kreativen Gestaltungsprozess erleben und ihre eigenen Ideen umsetzen“, sagt Pancratz. Studien hätten gezeigt, dass Themen mit Alltagsbezug besonders gut geeignet sind, um die oft negative Einstellung junger Schülerinnen gegenüber der Informatik zu ändern. „Wir wollen zeigen, dass Informatik nichts ist, wovor man Angst haben muss“, sagt er. 

Mehr als nur Programmieren 

Im Projekt smile haben sich die Verbundpartner aus Oldenburg, Bremen und Hamburg daher das Thema „Smarte Umgebungen“ ausgesucht. Die Angebote – Workshops, Praktika und Informationsveranstaltungen – richten sich an Mädchen von der 5. Klasse bis zum Abitur und knüpfen an die Interessen weiblicher Teenager an. Beim Oldenburger Workshop „Der Blume geht ein Licht auf“ stellen die Mädchen eine Lampe her, deren Farbe über einen Temperatursensor gesteuert wird. Dabei lernen die Mädchen die Grundzüge des rechnergestützten Designs kennen, beschäftigen sich aber auch damit, einen Mikrocontroller zu programmieren. Der Workshop ist dabei so konzipiert, dass die Teilnehmerinnen keine Vorerfahrung benötigen. Am letzten Workshoptag produzieren sie ein Video über ihre Arbeit, das sie im Sommer auf einem gemeinsamen Science Slam aller beteiligten Einrichtungen in Hamburg präsentieren.

Mara, die außerhalb der Ferien die 7. Klasse des Gymnasiums Eversten besucht, freut sich, den ersten Tag ihrer Osterferien im Lernlabor zu verbringen. „Also ich finde, das macht Spaß“, sagt sie. Vor allem das Entwerfen der Blume hat ihr gefallen.

Dass nur Mädchen an den smile-Workshops teilnehmen dürfen, hat einen einfachen Grund: Die Schülerinnen trauen sich mehr zu, wenn keine Jungen dabei sind. „Einige Jungs glauben, dass sie mehr können, weil sie viel mit dem Computer spielen“, hat Pancratz beobachtet. „Sie glänzen aber oft mit Halbwissen und haben nicht unbedingt bessere informatische Kompetenzen.“ Damit Mädchen auch künftig gezielt gefördert werden können, bezieht smile auch Lehrkräfte und Eltern mit ein. Ein Ziel des Projektes besteht darin, Konzepte für Angebote zu entwickeln, die auch nach Projektende an Schulen und außerschulischen Lernorten zum Einsatz kommen können. Die am Projekt beteiligten Institute organisieren daher auch Informationsveranstaltungen für Lehrer und Eltern, um die Angebote vorzustellen.

Allmählich kehrt Ruhe ein ins Lernlabor. Die sechs Mädchen klappen ihre Laptops zusammen, räumen die Schaltelemente wieder in den weißen Koffer und machen sich auf den Heimweg. Nur in zwei weißen Kästen surrt es noch: In den 3D-Druckern wachsen über Nacht langsam die ersten Blumen heran.


 

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Projekt "smile"

Kontakt

Nils Pancratz 
Department für Informatik
Tel: 0441/798-2792

nils.pancratz(at)uol.de