07.08.2013 –

„Die erste Zeit schweißt zusammen“

  • Zu dritt unterwegs auf dem Campus: Rita, Rachel und Regina.

Tausende Studierende bewerben sich gerade an deutschen Universitäten um einen Studienplatz. Doch wie fühlt es sich an, wenn man Erstsemester ist? Regina Wall, Rita Sonnenberg und Rachel Hänßler begannen letztes Wintersemester ihr Studium an der Universität Oldenburg und berichten von ihren Erlebnissen.

Räume suchen, Toiletten finden, den Bibliotheksausweis beantragen und den Stundenplan erstellen – und für ganz Mutige – den Kopierer in der Bibliothek bedienen lernen: „Ehrlich gesagt, die erste Zeit war ganz schön turbulent“ sagt Regina, die jetzt im zweiten Semester in Oldenburg studiert. „Aber nach ein paar Wochen ist das alles Routine“. Jetzt könne sie sich gar nicht mehr vorstellen, dass es mal anders war.

Vielleicht liegt das auch daran, dass Regina gleich in der ersten Woche Rita und Rachel kennen gelernt hat. In einem Einführungsseminar für Niederlandistik kamen sie ins Gespräch und meistern seitdem den Hochschulalltag gemeinsam. So zum Bespiel beim Stundenplan: Nachdem sie anfangs selbst am Zusammenstellen der Seminare und Vorlesungen scheiterte, bat Rita kurzerhand einen Studenten aus einem höheren Semester um Hilfe. Und auch Regina und Rachel profitierten. „Weil wir auch keine Ahnung hatten, haben wir einfach Ritas Stundenplan übernommen“, ergänzt Rachel und lacht. Literatur, Sprache und Landeskunde stehen im ersten und zweiten Semester auf ihrem Plan.

Alle drei studieren Slawistik und Niederlandistik und besuchen die Veranstaltungen gemeinsam. Das sei sehr praktisch, auch deshalb, weil sie mittlerweile gute Freundinnen sind. Freunde zu finden und Kontakte zu knüpfen, dass ist bei so vielen Erstsemestern nicht schwer. „Die erste Zeit schweißt schon sehr zusammen“, sagt Rachel. Auch das Pendeln zur Uni verbindet die drei: Regina und Rachel kommen jeden Tag mit dem Zug aus Wilhelmshaven, Rita kommt aus Cloppenburg.

Auch die Begeisterung für Sprachen und Kulturen teilen die Studentinnen. Regina und Rita sind russische Muttersprachlerinnen. Für Rachel bedeutet das: Sie muss viel mehr russische Grammatik und Vokabeln pauken. Aber sie sieht das gelassen: „Mir gefällt das Studium sehr. Klar, gerade am Anfang muss ich sehr viel lernen, weil die Muttersprachler mir einiges voraushaben. Aber es macht mir Spaß.“
 
Um auch praktische Erfahrungen zu sammeln, hat sich Rachel entschlossen, in den Semesterferien an einer Exkursion nach Minsk teilzunehmen. „Die Exkursion gibt mir noch mal zusätzlich Schwung, mein Russisch bis dahin zu verbessern“, erklärt sie. Und in ein, zwei Jahren wollen Rita und Rachel auch ein Auslandsemester in Groningen machen.

Bei der Planung des Studiums helfe es, sich überschaubare Ziele zu stecken. Auch bei der Gestaltung des Stundenplans gelte: weniger ist mehr. Schließlich müsse man die Seminare und Vorlesungen vorbereiten. Für die drei Studentinnen bedeutet das vor allem: wissenschaftliche Texte lesen. „40 Seiten für ein Seminar sind nichts. Um das alles zu schaffen, braucht man genug Zeit“, sagt Regina.

Auch in Sachen Hausarbeit schreiben sprechen die drei bereits aus Erfahrung. „Es ist etwas ganz Neues, einen wissenschaftlichen Text zu schreiben“, sagt Rita. Deshalb ihr Tipp: „Am besten frühzeitig anfangen, bei Fragen direkt in die Sprechstunden der Professoren gehen und Aufschieberitis von Anfang an vermeiden“.

Neben der ganzen Organisation und Planung des Studiums haben die drei vor allem auch eins gemerkt: „Man kann nur das studieren, was einem wirklich Spaß macht, sonst hält man nicht durch“, sagt Regina. Die Masse an neuem Stoff lasse sich nur mit der gewissen Portion Begeisterung bewältigen. Dies ist auch der Grund, weshalb sie sich entschieden hat, eins ihrer Fächer zu wechseln: Statt Niederlandistik wird sie ab dem nächsten Wintersemester Philosophie studieren. „Ich habe einfach gemerkt, dass mich Philosophie mehr interessiert, und jetzt ist es noch früh genug“.

Um aufzutanken und Ruhe zwischen den Seminaren oder an hektischen Tagen zu finden, gehen die drei gern in die Bibliothek oder in das Slawistik-Gebäude. „Die Atmosphäre dort ist besonders, es ist ruhiger, und überall hängen russische Plakate und Schriftzüge. Das gefällt uns“, sagt Regina.

Wenn im Wintersemester die nächsten Erstis kommen, dann sind die drei Studentinnen bereits im 3. Semester. „Kaum noch vorstellbar, wie verwirrend die ersten Tage waren“, blickt Rita zurück. „Jedenfalls hilft nur eins: Fragen stellen, Professoren ansprechen – oder einfach uns“.